LKH Neurologie

Ja, mein dritter Geburtstag ist heute. Vor drei Jahren, am 27.3.2016, hat mein neues Leben begonnen. An diesem Tag wurde ich ins Krankenhaus eingeliefert und dieser Tag sollte alles verändern, wie nie zuvor. Heute ist Jahrestag!

Die Auswirkungen des Hirnabszesses sind so gravierend, dass sie bis heute andauern. Mein Leben hat sich hat sich so sehr verändert, kein Stein blieb auf dem anderen. Ich MUSSTE ein neues Leben beginnen, wollte ich überleben.

Im Krankenhaus

Was macht ein neues Leben aus?

Das mit dem „…kein Stein blieb auf dem anderen!“ ist im wörtlichen Sinn gemeint. Mein jetziges Leben hat nichts mehr gemein mit dem von Früher.

Durfte es auch nicht, denn meine damalige Denkweise hatte den Hirnabszess gebracht. Also habe ich zu lernen, mein Denken wieder in bessere und in gesündere Bahnen zu bringen. Bessere Bahnen heißt unter anderem, ich muss wieder mehr auf mein Herz hören.

Die Auswirkungen des Abszess machten Denken und Entscheidungen fällen unmöglich. Ich war gezwungen auf mein Herz zu hören, musste ihm wieder vertrauen lernen und danach handeln. Dinge, die mir vorher unmöglich schienen, nahmen plötzlich Platz in meinem Leben ein und wurden wichtig. Es dauerte aber, bis ich soweit war.

mein neues leben

Habe ich mich dadurch verändert?

Ja und Nein! Was mich jetzt zu vorher unterscheidet ist, dass ich mir selbst wieder zu Vertrauen lernte und auf mein Herz höre. Das genaue Gegenteil zu früher, denn damals hat der Kopf mit dem Denken die Macht übernommen. Kopfgesteuert wurden Gefühle immer mehr ausgeblendet.

Gerade für mich als Herzensmensch eine verzwickte Lage. Ich wollte die Dinge nur mehr mit dem Kopf lösen und das brachte mich in eine Lage, wo der Körper nicht mehr weiter wusste. Erst der Hirnabszess brachte mich wieder zurück zum Herzen.

Hirnabszess

Wie schauts aus?

Gesundheitlich besteht mein Leben noch aus Therapie. Nach wie vor bin ich beeinträchtigt mit dem Denken. Vernetztes und weiterführendes Denken kann ich noch kaum und es hält mich von vielem ab. Ich mache zwar dazu meine Übungen und trainiere auch mein Gehirn, aber der Erfolg ist überschaubar.

Aus diesem Grund konzentriere ich mich auch mehr auf die Bewegung. Da erhoffe ich mir die meisten Fortschritte, denn auch das Gehirn braucht Bewegung. Die besten Fortschritte brachte mir dazu der Jakobsweg im vorigen Jahr.

Klettern als Therapie
Klettern als Therapie

Wenn man nachdenken möchte, aber nicht kann, dann endet es oft mit Depressionen. Ich kann es nicht, daher wurde der Drang mich zu bewegen sehr stark. Depressionen und Bewegung passen nicht zusammen. Bin ich in Bewegung, kann ich nicht schlecht drauf sein und auf falsche Gedanken kommen. Es war daher nur logisch mich zu Bewegen.

Allerdings benötigt jede Bewegung Denken, sodass kaum mehr Energie für weiteres Denken übrig bleibt. Ein beschädigtes Kurzzeitgedächtnis vereinfacht die Sache nicht. Das Denken bleibt somit ein zentrales Thema. Aus diesem Grund wollte ich auch im Kopf leer werden, was mir am Jakobsweg gelang.

Am Jakobsweg

Hier hatte ich nichts anderes zu tun, als zu Gehen. Ich war im absoluten JETZT. Es gab keine Gedanken an die Vergangenheit und die Zukunft, die mir viel Energie kosten.

Zum Ersten mal konnte ich mich wirklich voll und ganz auf mich konzentrieren. Der Körper dankte es mir damit, dass ich lernte, mit meinen Handicaps besser umzugehen. Es war so viel positives am Weg, ich war glücklich. Obwohl ich mich oft schwer tat, vorwärts zu kommen. Es hatte keine Bedeutung. Ich war glücklich, einfach nur zu Sein.

Am Jakobsweg

Veränderung

Es brachte mir noch eine weitere große Veränderung. Nach 19 Jahren trennten sich meine Lebensgefährtin und ich. Ich kann es akzeptieren, aber mein Gehirn schafft es nicht, darüber nachzudenken. Dazu fehlt mir das vernetzte Denken. Ich falle immer in eine Schleife, aus der es kein rauskommen gibt. Dadurch vermeide ich es.

Daher denke ich nicht daran und konzentriere mich ganz aufs Gesund werden. Das erfordert meine ganze Kraft, denn noch immer muss ich mir den Tag genau einteilen, was ich mache. Unnötige Gedanken, die ich ja doch nicht weiterdenken kann, haben da nichts verloren.

Mein neues Leben - gehen lernen

Um eine Normalität einkehren zu lassen, soll ich nicht mehr jede Bewegung, jedes Tun als Therapie sehen. Es hat mit Automatismus zu tun, an dem ich speziell seit letztem Jahr arbeite. Schaffe ich es, mehr Automatismus in meine Bewegung zu bekommen, werde ich nicht dauernd an die Bewegung erinnert. Dann kann Normalität einkehren.

Ich stoße noch immer sehr schnell ans Limit, dann ist es vorbei mit Normalität. Mein Leben neu zu organisieren bringt mich immer wieder an die Grenze. Manchmal ist alles so viel, dass ich nicht mehr möchte. Dann lege ich mich hin und lasse alles sein, egal was ansteht.

In solchen Momenten ist es wichtig auf mein Herz zu hören. Es sagt mir immer, wann es richtig ist mich zurückzuziehen. Höre ich nicht drauf, dann bekomme ich es zu spüren, indem es mir körperlich nicht gut geht.

Wolken

Es geht immer weiter!

Eines habe ich seit dem Hirnabszess erfahren. Es geht immer weiter und ich habe es selbst in der Hand zu entscheiden, ob es mir gut geht oder ob ich schlecht drauf bin.

Denn in jeder, auch negativen, Erfahrung steckt etwas Gutes. Ich muss nur bereit sein hinzuschauen und das Gute erkennen.