74. Vom Jakobsweg zum intensiven Reha Aufenthalt!

17. August 2018
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3 Minuten Lesezeit

Nach dem Jakobsweg hat der Reha Aufenthalt in Judendorf begonnen. Es ist eine große Umstellung, von der weiten Natur, plötzlich in der Klinik wie "eingesperrt" zu sein. Eine intensive Arbeit an und mit mir steht an.

Meine Haut wurde sofort wieder dünner und war wieder leichter verletzbar. Auch das intensive Denken strengte mich an. Mir fehlt das ohne Absicht, einfache dahingehen.

Jede Therapie Einheit dauert eine halbe Stunde und das vier bis sechsmal am Tag. Ich musste mich erst wieder an diese neuen Gegebenheiten gewöhnen.

Tagespost der Klinik für den Reha Aufenthalt


Meine täglichen Gedanken sind enorm wichtig für mein Weiterkommen. Dieser Spruch von Marcus Aurelis begleitet mich schon lange. Aber Wissen und es Leben sind zwei paar Schuhe. Auch der Hirnabszess war nur ein Produkt meiner Gedanken.

Physioterapie während des Reha Aufenthalt

Die kleinsten Bewegungsabläufe muss ich mir wieder oder noch besser gesagt, noch immer, aneignen. Am Jakobsweg braucht man nur zu Gehen, niemals steigen. Damit habe ich nämlich noch große Probleme. Stiegen rauf und hinunter sind noch immer nicht einfach. Es liegt einerseits am  Mangel der Kraft, andererseits aber auch am Neurologischen. Nur ein Bruchteil der trainierten Kraft kommt an.

In der Physiotherapie werden mir Übungen für die kleinsten Muskeln  beigebracht, um das Steigen zu lernen, aber auch größere Schritte zu meistern.

Intensivarbeit Gehen lernen
Gehen
Gehen lernen
 

Ergotherapie

Hand in Hand geht die Ergotherapie, wo daran gearbeitet wird, die Steifigkeit aus dem Oberkörper zu bekommen.

Meine Heimat für sechs Wochen

Spartanisch, aber alles was ich brauche. Bett, Nachttisch und Kasten. Da hatte ich am Jakobsweg weniger, daher bin ich auch nicht verwöhnt. Die vorangegangenen Reha-Aufenthalte waren für mich noch schwieriger durchzustehen, diesmal fällt es mir leichter und ich bin seit dem Jakobsweg motivierter, die Defizite zu verringern.

Meine Heimat für 6 Wochen
Meine Heimat für 6 Wochen

Barfuß gehen

Dem Barfuß gehen bleibe ich auch hier treu. Es ist unter der Woche fast mein einzige Kontakt mit der Natur.

Barfuß gehen während dem Reha Aufenthalt
Barfuß gehen während dem Reha Aufenthalt
Barfuß gehen während dem Reha Aufenthalt

Der Judendorfer Kirchberg

Der Judendorfer Kirchberg ist mein Ausgleich zur Reha. Hier hole ich mir Kraft und kann in den Wald eintauchen.

Der Wald spielt für mich seit dem Hirnabszess eine besondere Rolle. Ohne ihn wäre es unmöglich, meinen Fortschritt zu erlangen. Es ist für mich unvorstellbar, wie es Menschen in Großstädten geht. Viele habe verloren, sich selbst wahrzunehmen und leiden unwissend dahin. Sie geben ihre Verantwortung zur Heilung lieber an andere ab, als sich selber darum zu kümmern.

Gerade das Waldbaden hat heuer an Bedeutung gewonnen und wird in Japan als Therapie für unterschiedlichste Befindlichkeiten angewendet. Langsam findet es auch bei uns Einzug.

Judendorfer Kirchberg

Die Kirche hoch über der Klinik ist heuer öfter mein Ziel. Vor einem Jahr habe ich es noch nicht geschafft, den Berg zu erklimmen. Jetzt geht es, ist aber noch immer eine Herausforderung. Am Jakobsweg hatte ich nie einen vergleichsweise so schweren Anstieg zu bewältigen. Ich tue mich noch immer schwer und wie in fast allen Fragen: STEP BY STEP

Kirche Judendorf

Pilgern in Judendorf

Ich entkomme dem Pilgern auch in Judendorf nicht. Der Weg führt über den Kirchberg und weiter den Weststeirischen Jakobsweg entlang. Pilgern wird immer moderner, was wieder zeigt, dass immer mehr Menschen die Langsamkeit suchen, die sie im Alltag nicht bekommen.

Langsamkeit fördert Aufmerksamkeit, das kann ich mittlerweile bestätigen. Deswegen tut mir Pilgern so gut.

Hier geht es zu einem Video von Alexander Rüdiger, der heuer am Weststeirischen Jakobsweg unterwegs war. (Zum Video)

Pigern
Jakobsmuschel
Jakobsmuscheln in der Klinik

Noch viel Arbeit vor mir

Es liegt noch für längere Zeit viel Arbeit vor mir. Es ist mein Full Time Job, wieder "gesund" zu werden. In der Reha Klinik wird so intensiv gearbeitet, dass ich öfter mein Limit wieder lange vor dem Abend erreiche.

Aber dieses gefordert sein, bringt mich natürlich weiter. Im Moment befinde ich mich in einer Art Überkompensation, es geht mir eigentlich sehr schlecht. Ich bin immer aus Prinzip die Stufen in den zweiten Stock zu Fuß gegangen. Allerdings musste ich die letzten zwei Tage davon abweichen,  es war mir unmöglich. Schweren Herzens musste ich den Lift benutzen.

Noch stehen mir drei Wochen hier bevor. Ich werde den Reha Aufenthalt bestmöglich nutzen, gerade die Physio- und Ergotherapie geben mir hervorragenden Input.

So schließe ich mit den Worten:

"Willst du den Körper heilen, musst du zuerst die Seele heilen."

Platon


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Ich bin Jörg, wohne in der Nähe von Graz und blogge hier über meinen Weg zurück ins Leben, das ein Hirnabszess 2016 völlig auf den Kopf gestellt hat.
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