Hirnabszess

Mit Hirnabszess im Krankenhaus

Seit 2016 arbeite ich an mir, wieder Funktionen wie Gehen, Bewegen und Denken neu zu lernen.

Der unsichtbare Teil einer Behinderung

Eine Behinderung ist nicht immer von außen sichtbar. Monica Lierhaus, die ehemalige ARD Moderatorin und ebenfalls Betroffene, schreibt in Ihrem Buch sehr treffend:

"Es gibt nicht nur den äußeren Teil einer Behinderung, den jeder Außenstehende sofort erkennt. Von den unsichtbaren Behinderungen bekommen die wenigsten etwas mit!"

Meine Behinderung oder Handicap

Es ging alles von einem Thalamus-Abszess im Gehirn aus. Das Abszess und das folgende Ödem drückte auf den Thalamus. Damit wurde meine Steuerzentrale beeinträchtigt und viele Synapsen zerstört. Der ganze Körper ist betroffen, hauptsächlich durch das Zentralnervensystem. Die Auswirkungen sind bis heute vielfältig und bessern sich nur langsam.

Mein Gehirn verhindert ein automatisches Gehen, wie überhaupt jede automatische Bewegung. Mir ist die gesamte Automatisation abhandengekommen. Das erschwert natürlich die gesamten Bewegungsabläufe. Laufen ist noch immer unmöglich, da ich mit der Koordination nicht nachkomme. Ich bin in der Langsamkeit gefangen. Speziell in den Händen und Füssen habe ich neurologische Probleme, besonders in der von der Hemiparese betroffenen rechten Seite.

Mein Gehirn MRT

Es ist mir nicht leicht anzusehen, denn meine Handicaps sind großteils unsichtbar und das bekommen die meisten nicht mit. Ich bin in der Bewegung eingeschränkt, vor allem die Schnelligkeit macht mir zu schaffen. Ich gehe mittlerweile optisch recht gut, kaum jemand würde mir eine Behinderung sofort ansehen. Aber der Aufwand dafür, gehen zu können, ist enorm und das merkt niemand.

Mit Handicap bleibst du von vielem ausgesperrt

Verlangsamung

Für mich war das Schwierigste sicher die Verlangsamung in meinem Leben. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und es akzeptiert. Wobei ich nicht weiß, inwiefern ich es als Behinderung sehen soll. Jedenfalls arbeite ich daran, dass es besser wird, aber die Langsamkeit muss ich als Teil meines Lebens akzeptieren. Ein Auto kann ich noch nicht lenken und alles was Reaktion erfordert, braucht länger.

Das Denken ist eingeschränkt, besonders das Kurzzeitgedächtnis ist betroffen. Ich kann mir kaum etwas merken. Mein Gehirn lässt Gedankenfolgen nicht zu.

Noch fühle ich mich von vielem ausgeschlossen, denn ohne Begleitung ist vieles nicht möglich.

Ob Kochen, ins Theater gehen oder in den Urlaub fahren. Immer noch brauche ich Hilfe. Mein Handicap ist allgegenwärtig.

Der Jakobsweg

Im Juni 2018 fuhr ich das Erste mal weiter weg, nämlich zum Jakobsweg. Seit zwei Jahren ausschließlich Therapie und dazu die Trennung von meiner Lebensgefährtin.

Seit März 2016 verging kein Tag, der nicht mit Therapie belegt war, mein Alltag bestand aus Therapie, einfach alles war Therapie. Der Jakobsweg bot mir eine Abwechslung davon, allerdings wurden mir dort meine Defizite besonders aufgezeigt. Es war aber auch gleichzeitig Therapie, unter lebensnahen Umständen.

Auf zwei weiteren Caminos in den Jahren 2019 und 2020 versuchte ich wieder das Leben zu lernen. Die Corona-Krise brachte diese Bemühungen in wenigen Wochen zum Stillstand. In vielem heißt es neu beginnen.

Camino Frances 2020
Camino Frances 2020

Man wird sehen, was mir die Zukunft noch bringt. Ich muss noch mit Jahren der Rehabilitation rechnen, bis ich wieder aktiv am Leben teilnehmen kann.


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Ich bin Jörg, wohne in der Nähe von Graz und blogge hier über meinen Weg zurück ins Leben, das ein Hirnabszess 2016 völlig auf den Kopf gestellt hat.
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