Jörg 2016 Intensivstation

Die Monate und Jahre sind ins Land gezogen, seit ich den Hirnabszess 2016 erlitt. Es ist viel passiert seither und deswegen möchte ich Rückschau gehalten. Ein Blick zurück zeigt mir was geschehen ist. So kann ich Fortschritte besser erkennen und nachvollziehen, dass etwas weitergeht.

Zu Vergangenem kann ich kaum Emotionen aufbauen. Es ist auch schwierig, zu etwas Vergangenem weiterführende Gedanken aufzubauen. Als ob mich mein Gehirn vor etwas schützen möchte.

So bleibe ich im Jetzt, denn ob Zukunft oder Vergangenheit, ich muss es akzeptieren das es so nicht funktioniert. Selbst das Nachdenken darüber warum es nicht geht, bleibt mir verwehrt.
Trotzdem brauche ich dann und wann den Blick zurück. Jetzt ist wieder so ein Moment gekommen.

Wie es mit dem Hirnabszess begann

Seit 2016 dauert mein „Weg zurück ins Leben“. Eine Zusammenfassung der Ereignisse.

27. März 2016 – Intensivstation

Für einen Monat befinde ich mich auf der Intensiv-Station, bis Ende April. Noch wird intravenös mit Antibiotika behandelt. Die Lähmung der rechten Seite wird immer stärker.
Nach einem Monat werde ich auf die Normalstation verlegt.

23. Mai 2016 – Operation am Gehirn
OP am Gehirn
Nach der OP

Der Abszess im Gehirn wird punktiert. Die Haare werden mir dazu teilweise abrasiert. Von dem vielen Antibiotika ist mein Körper total aufgeschwemmt. Im Krankenhaus lerne ich wieder zu gehen, am Ende ungefähr 50 Meter.

20. August 2016 – Krankenhaus Ende

Nach rund 5 Monaten kann ich endlich das Krankenhaus verlassen. Ich ging selbständig nach unten, setzte mich erstmals ins Gras und wartete das man mich abholte. Das Ärgste war überstanden. Was mir noch bevorstehen sollte, davon hatte zu dem Zeitpunkt noch niemand eine Ahnung.

Der Tag der Abreise
Der Tag der Entlassung (ein Jahr später sitze ich wieder dort)
Herbst 2016 – Gehen lernen

Erstmal ist es wichtig, dass ich mich wieder bewegen und gehen kann. Die ersten Monate sind dafür sehr entscheidend. Gehen wird meine Hauptherausforderung. Beim Denken bin ich noch sehr limitiert.

Dezember 2016 – Meine erste Reha
Erschöpft im Zimmer der Reha Klinik

Ich komme für vier Wochen auf Reha nach Judendorf. Noch brauche ich einen Rollstuhl. Mit Pausen schaffe ich 500 Meter gehen am Tag. Die Reha ist aber insgesamt so anstrengend, dass ich viel weniger weit komme. Der Tag dauert noch zu lange, als das meine Energie reicht.

Juni 2017 – Meine zweite Reha

Im Juni beginne ich meinen zweiten Reha Aufenthalt in Judendorf. Rollstuhl brauche ich keinen mehr. Es wird umfassend mit mir gearbeitet.

Juli 2017 – Mein erster „Urlaub“

4 Tage verbringe ich in Knappenberg mit Silvia. Noch ist jede Bewegung Therapie für mich, auch das Denken ist gleich anstrengend. So ist dieser „Urlaub“ trotz allem wieder Therapie.

Juli 2017 – Der Wald
Waldbaden

Ich entdecke immer öfter den Wald für mich als Therapie. Aufgefallen ist es mir schon öfter. Ich verbringe die meiste Outdoor Zeit im Wald. Mein Gehirn wird von den Reizen in der Stadt noch immer zu sehr belastet.

August 2017 – Pilgern als Zwischenziel

Pilgern wird für mich ein immer größeres Zwischenziel. Noch bin ich weit weg davon, aber ich denke oft daran. Die Kraft der Gedanken.

September 2017 – Pilgern light

Ich versuche mich zum Ersten mal am „Pilgern“. Vom Hilmteich gehe ich mit Silvia die 5 Kilometer zur Wallfahrtskirche Mariatrost. Es ist mein anstrengendster Weg bis dahin und ich bin am Limit. Aber ich schaffe es.

November 2017 – Zum ersten mal ins Fitnessstudio
Beinpresse im Fitness Studio

Ich entschließe mich dazu, zum ersten mal ins Fitnessstudio zu gehen. Leichte Gewichte, Ergometer und Bodenübungen stehen am Programm. Im Freien hat es Minus Grade, daher bin ich in der Bewegung eingeschränkt. Aufgrund der neurologischen Probleme bin ich limitiert.

Oktober 2017 – Zeitungsbericht über mein Schicksal in der Kleinen Zeitung
Kleine Zeitung, Krasser Jörg
Zum größer machen klicken
November 2017 – Fernsehbericht auf Puls4 über mich

Puls4 bringt einen Beitrag über mein Schicksal. (Zum Bericht)

Dezember 2017 – Die Auswirkungen auf das Umfeld

Die Auswirkungen der Krankheit belasten ungemein stark mein Umfeld. Ich beginne es zu realisieren und versuche es zu beschreiben.

Jänner 2018 – Die Sehnsucht nach dem Gehen
Spazieren in Stattegg

Die Sehnsucht nach dem Gehen wird immer größer. Soviel ich auch mache, es wird nur langsam besser.

Jänner/Februar 2018 – Rückschlag durch eine Wirbelverschiebung

Ich werde durch eine Physiotherapeutin falsch behandelt. Eine Wirbelverschiebung macht mir daraufhin lange zu schaffen. Erst Ende März habe ich es im Griff. Ich beginne wieder von vorne, bzw. wo ich im Dezember stand.

April 2018 – Erster Urlaub in Kroatien
Umag

Im April entschließen wir uns, nach meinem verkorksten Frühjahr, in Kroatien Urlaub zu machen. Die Sehnsucht nach dem Gehen wird stärker. Ich komme noch immer kaum über 5 Kilometer.

Mai 2018 – Meine ersten eigenen Filmaufnahmen

Ich schaffe es, mich zum ersten mal selber zu filmen und einen Status quo abzugeben. (Zum Beitrag)

Mai 2018 – Schreiben als Therapie

Den Blog, auf Instagram und Facebook schreiben – als Therapie habe ich es schon lange entdeckt. Ich denke immer mehr an ein Buch. Noch sind aber meine Defizite so groß, dass ich keine zusammenhängende Gedanken finde.
Das Gehen und mein körperlicher Zustand ist noch immer sehr schlecht.

Juni 2018 – Ich bin dann mal weg
Am Jakobsweg

Trotz der Defizite fahre ich zum Jakobsweg. Über 2 Jahre täglicher Reha liegen hinter mir. Ich kann so nicht weiter machen. Ich brauche eine Auszeit.

Juli 2018 – Jakobsweg
Gaudi Palast in Astorga
Reha Judendorf

Ich beende den Jakobsweg weit später als gedacht. Ich erreiche Astorga, 268 Kilometer von Santiago entfernt. Die Reise ist mein erster Schritt zurück ins Leben. 5 Wochen war ich unterwegs.

Ich fahre heim und trete am 24.Juli meine dritte Reha in Judenburg an. Sechs Wochen dauert sie und ist sehr intensiv. Ich lerne viel neues dazu und kann einiges verbessern.

September 2018 – Zurück zum Jakobsweg

Eine Woche nach der Reha, fahre ich zurück zum Jakobsweg nach Astorga. Ich setze den im Juli abgebrochenen Weg fort.
Ich erreiche Santiago und Finesterre.

Oktober 2018 – Mit meinem Sohn Noah erneut zum Jakobsweg
NNoah und ich am Jakobsweg

Mit meinem Sohn Noah gehe ich am Camino Frances von Pamplona nach Burgos. Für mich und ihn ein einzigartiges Erlebnis.

Es hat sich viel verändert und kein Stein blieb auf dem anderen seit dem Hirnabszess. Der Blick zurück zeigt mir, dass sehr wohl viel passiert ist. Der Blick zurück zeigt mir aber auch, dass es immer weiter geht., wenn die Situation auch noch so düster erscheint.

Was das Leben weiterhin bringen wird? Ich lasse mich überraschen.