Fließende Lebensenergie, hängt mit "innerlich frei sein" zusammen!

Die Lebensenergie muss fließen, damit man gesund sein kann. Seit dem Hirnabszess bin ich dran, diesen Fluss wieder herzustellen, der damals massiv unterbrochen wurde.

Meine Rehabilitation besteht noch immer aus zahlreichen Therapien, einen besonderen Stellenwert nimmt dabei die Natur ein. Hier kann ich meine Lebensenergie am besten spüren und wiederherstellen.

Lebensenergie in der Natur

Lebensenergie

Als Lebensenergie wird definiert, unter den vorgefundenen Lebensbedingungen zu gedeihen und zu überleben. Für mich heißt es, mit meinen Handicaps leben zu lernen, in der Umwelt, die mir zur Verfügung steht.

Der Hirnabszess und die Folgen davon, hatten Verspannungen im gesamten Körper zur Folge, unter denen die Lebensenergie nicht mehr frei durch mein System fließen konnte.

Eine grundlegende Frage dabei ist: Worauf richte ich meinen Focus in der Aufmerksamkeit?

Dieser Focus war früher auf Tun, etwas Leisten müssen und etwas zu Erreichen, gerichtet. Der Druck, die Familie zu ernähren, die Steuern und die Miete zu bezahlen, lässt einen oft die falsche Abbiegung nehmen und ehe man sich versieht, ist man im Hamsterrad.

Seit dem Hirnabszess ist mein Focus auf die Lebensenergie gerichtet, also auf Freiheit, Sein, Geschehen-Lassen, Liebe und Genießen. Das Nervensystem folgt der Aufmerksamkeit und der äußeren Ausrichtung. Deswegen sollte man sich immer darüber bewusst sein, wo liegt die Aufmerksamkeit.

Hirnabszess und Lebensenergie

Mit dem Hirnabszess habe ich mich an den Fast-Endpunkt meiner Lebensenergie begeben. Vor sechs Jahren stand ich praktisch bei fast Null. Allerdings war mein Lebenswille so groß, dass ich noch einmal die Kurve gekratzt habe. Mit jedem einzelnen Atemzug hole ich mir Lebensenergie zurück, bis heute.

Die Lebensenergie zurückzubekommen, kann auf verschiedene Art erfolgen. Meine liebste ist der Aufenthalt in der Natur, zwischen Bäumen, im Wald, auf Bergen oder an Flüssen. Deshalb gehe ich auch so oft Pilgern oder unternehme Fernwanderungen.

Daraus gehe ich jedes Mal gestärkt hervor, erhalte mehr Lebensenergie und kann mich physisch und psychisch stärken. Trotzdem sind die Fortschritte oftmals sehr klein und nicht sofort bemerkbar.

Den Kontakt zum Körper wieder herstellen, lerne ich sehr gut beim therapeutischen Tanzen. Dafür ist es wichtig, im Moment zu bleiben, die Anspannung spüren und sie auch benennen zu können. Das hilft mir sehr. Die Abwechslung zwischen Tun und Nichts-Tun gehört dabei dazu.

Die ersten drei Jahre war kaum ein Unterschied zu spüren, innerlich ging die Aktivität ständig weiter und hielt den Körper unter Anspannung. Erst seit dem Camino Norte 2019 und danach, mit dem Beginn des therapeutischen Tanzen, konnte ich mein System immer mehr beruhigen und diese ständige Anspannung lösen.

Lebensenergie am Camino Norte 2019
Camino Norte 2019

Innerlich frei sein

Innerlich frei sein, ist wohl unser aller Ziel. Schade ist nur, dass ich den Hirnabszess brauchte, um es zu erreichen. Denn dieses innerlich frei sein, hätte ich vorher auch haben können. Aber der Mensch bekommt so lange Lernaufgaben, bis er es lernt oder eben auch nicht.

Am besten ging es mir damit beim Walkabout durch Österreich, dort fühlte ich mich frei, wie noch nie zuvor. Es war ein jahrelanges Annähern, um diesen Zustand zu erreichen. Noch aber bin ich schwankend, gerade die Pandemie hat erneut alles gehörig durcheinander gewürfelt.

Am Walkabout gehen lernen, Lebensenergie pur

Die Natur hat einen großen Anteil in den letzten Monaten und über den Winter in meiner Rehabilitation gehabt, wo ich trotzdem erstmals seit Jahren Rückschläge hinnehmen musste. Diese Rückschläge entpuppen sich aber immer wieder als Fortschritt, wenn ich es auch nicht immer sofort erkennen kann.

Freiheit ist mir ein wichtiges Gut, wenn nicht das Höchste. Gerade die Pandemie brachte viel Unfreiheit, in der es wichtig wurde, im Inneren freizuwerden.

Am Camino France im April, wurde es mir wieder einmal mehr bewusst, wie sehr mir die Freiheit wichtig ist. Und es ist nicht die Freiheit im Außen gemeint, erst mit der Freiheit im Inneren kann die Lebensenergie richtig zirkulieren. Ein großer Schritt ist schon gemacht, aber ich habe noch viele Schritte vor mir. Schritt für Schritt, und wenn sie noch so klein sind, komme ich meinem Ziel wieder zu leben näher.

Die Lebensenergie finde ich immer wieder in der Natur und in den kleinen Dingen, die sie bietet. Ob Blumen, Pflanzen, Insekten oder Vögel, alles gibt mir Energie und Lebensfreude. Darauf kann ich aufbauen, diese Lebensenergie so oft wie möglich zu fühlen.

Hirn-Tumor-Welttag am 8.Juni

Heute ist Hirn-Tumor-Welttag. Er wird abgehalten, um darauf aufmerksam zu machen, dass diese Erkrankung oft nicht erkannt wird. Auch mein Hirnabszess hat schon über ein Jahr vorher begonnen, ohne dass ich was spürte.

Hirntumor Tag am 8.Juni

Von einem auf den anderen Tag brach es aus und streckte mich nieder. Die graue Schleife gilt als Symbol und wurde in Anlehnung an die rote Schleife (HIV) entwickelt. Ein Hirntumor hat keine typischen Warnzeichen und bleibt oft für lange Zeit unentdeckt. Vom Schicksal sind auch die Familie und das Umfeld massiv betroffen, denn es endet oft als Pflegefall. Das ist für viele eine enorme Belastung, nicht nur für den Betroffenen.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Hilfe meistens aus Selbsthilfe besteht und es in der Nachversorgung meistens kaum Unterstützung gibt. Man ist auf Eigeninitiative angewiesen. Auch bin ich noch oft auf die Hilfe anderer angewiesen, was durch die Pandemie sehr erschwert wurde.

Es zählt: #nevergiveup


Rein ins Leben oder worauf wartest du?

"Zurück ins Leben" oder "Rein ins Leben"? Am Camino hatte ich dieses Jahr eine Begegnung, die mich oft zum Nachdenken brachte. Es ging um, "Rein ins Leben" und nicht "Zurück ins Leben".

Allerdings bin ich noch immer recht stark im Gedanken der Therapie verhaftet. Denn tue ich nichts oder weniger spezielles gegen meine Defizite, falle ich sofort im gesamten Bereich zurück. Therapie und Training bleiben also auch weiterhin in meinem Leben.

Trotz Therapie-Gedanken, "REIN ins Leben"!

Es ist, wie schon so oft in den letzten Jahren, eine reine Ansichtssache. Diese Ansicht verändert allerdings viel. REIN oder ZURÜCK ist ein großen Unterschied. Was ist aber der Unterschied?

Das hier niederzuschreiben ist "Therapie", weil ich so alles leichter verarbeiten kann, trotz der Schwierigkeiten mit dem Schreiben. Nachdenken über etwas, ist ebenfalls noch schwierig und endet oft nur mit den sich im Gehirn ewig kreisenden Fragen und keiner Möglichkeit, eine Antwort darauf zu finden. Daher spüre ich zunächst einmal im Körper, wie sich Rein und Zurück anfühlt.

Nun, es fühlt sich anders an, ob ich REIN oder ZURÜCK spüre. "Rein ins Leben" hat etwas Leichtes, fühlt sich gut an und hat etwas nach vorne gerichtetes. Es fühlt sich nach mehr Leichtigkeit an.

Bei ZURÜCK habe ich dagegen immer das Gefühl, ich muss mich umdrehen und es hat etwas Verrenkendes und Mühsameres. Da zeigt es sich wieder, wie wichtig die richtige Wortwahl sein kann. Denn gedachte Worte erzeugen eine Emotion, die wiederum Gefühle erzeugen und diese Gefühle sind körperlich spürbar.

Auf lange Sicht hatten gedachte Worte auch zur Entstehung des Hirnabszess ihren Teil und aus diesem Grund ist das, "wie denke ich über mich", so wichtig. Das bekomme ich immer wieder zum Spüren. Daher ist der Zustand des "Glücklich sein" sehr entscheidend. Bin ich glücklich, habe ich keine schlechten Emotionen, die wiederum oft krankmachende Gefühle auslösen.

REIN ins Leben hat eine besondere Kraft. Kommt eine negative Stimmung in mir auf, brauche ich mir nur "Rein ins Leben" vorsagen oder denken und schon kommt eine positive Kraft und Stimmung auf.

An Menschen muss ich mich erst gewöhnen, daher "Rein ins Leben"
An Menschen muss ich mich erst gewöhnen

ZURÜCK ins Leben

Das war lange mein Leitspruch, der sich mittlerweile allerdings überholt hat. "Zurück" würde heute bedeuten, zurück in mein altes Leben zu wollen. Das möchte ich aber gar nicht, denn würde ich das wirklich wollen, bekäme ich Probleme. Meine Nervenschädigungen sind so stark, dass ich gar nicht ins alte Leben zurückkann. Es hatte lange seine Berechtigung, aber jetzt zählt nicht mehr "zurück", sondern "rein".

Zurück würde bedeuten, dass ich wieder das kann, was ich machte. Der Hirnabszess hatte aber die Aufgabe, dass ich meinem Leben eine Kehrtwendung geben sollte und neu anfangen. Das habe ich getan, aber natürlich kommen immer wieder Gedanken hoch, die etwas vom Alten wieder zurückmöchten.

Besonders anfangs hatte ich von der Sozialversicherung den Druck, wieder als Videojournalist zu arbeiten oder zumindest in Teilbereichen, als Cutter oder so. Das setzte mich unter Druck, wieder etwas zu können, was nicht mehr war und bis heute nicht mehr ist.

Ein solches "zurück" hat mein Gehirn nicht zugelassen. Ich brauchte selber lange, um das zu realisieren. Noch immer bin ich auf meinem neuen Weg, alles in geordnete Bahnen zubringen, es gibt aber kein "zurück" mehr. Es heißt, mit meinen Defiziten zu leben und sie in mein Leben zu integrieren. Die Folgen des Hirnabszess werden mich noch länger begleiten.

Hirnabszess am Thalamus, weit weg vom Rein ins Leben
Hirnabszess

Zitate und Sprüche

Verschiedene Zitate und Sätze sind mir dazu in die Hände gefallen, von denen ich oft nicht mehr weiß, wo sie herstammen:

"Wir alle geraten von Zeit zu Zeit mal ins Stocken.Wir alle machen gelegentlich ein paar Schritte zurück.Jeden Tag müssen wir uns aufs Neue entscheiden, uns auf unser Ziel zuzubewegen. Wirklich leben geht nur nach vorne."

Cheryl Strayed

Leben ist Rhythmus. Alles Leben ist Tanz.

Das Gefühl des Glücks lebt in der Seele.

Just walk, rein ins Leben
Just walk ...und rein ins Leben!

Am Camino France einen glücklichen Abend verbracht

Es war der Abend in Granon, wo ich in einer Kirche übernachtete. Am Abend saßen alle Pilger zusammen mit den Herbergsleitern und jeder konnte etwas von sich erzählen. Der zum Sprechen dran war, bekam eine Kerze in die Hand und so war im sonst dunklen Raum nur das Gesicht des Sprechenden von der flackernden Kerze beleuchtet.

Es war ein besonderer Abend, an einem besonderen Ort. Ich lauschte den Erzählungen der anderen und sagte selber auch etwas. Ich fühlte mich inmitten des Lebens. Solch ein Gefühl hatte ich vorher noch nie gehabt. Schon davor saß ich beim Ofen, in einer tollen Atmosphäre und in mir breitete sich Frieden aus.

An diesem Abend wusste ich, ich bin zurück im Leben, aber nicht im alten, sondern in meinem neuen Leben. In der Früh, am nächsten Tag, war alles voller Schnee. Trotz niedriger Temperaturen und nassem Weg war ich glücklich. Ich lächelte still in mich hinein und stapfte los. Eine wunderschöne Lichtstimmung am Morgen mit Schnee brachte mich in eine dankvolle, freudige Stimmung.

Morgenstimmung, "Rein ins Leben"
Morgenstimmung, "Rein ins Leben"

Im Nachhinein gesehen, kam dieser Tag genau zur richtige Zeit. Seit über zwei Jahren war ich nicht mehr mit so vielen Menschen zusammen gesessen und wieder einmal war es der Camino, der mir das Leben näher brachte. Es sollte zwar noch viel auf diesem Camino passieren, aber diesen Abend konnte mir keiner mehr nehmen und diese positive Stimmung nahm ich mit heim.

"Rein ins Leben!", es wartet auf mich. Mit allen Handicaps und Macken, die ich habe. Es bleibt wieder ein langsames Herantasten!


Hochsensibilität im Alltag und beim Wandern - Fluch und Seegen zugleich!

Hochsensibilität kann ein Fluch und Seegen sein. Der Hirnabszess hat es dahin verändert, dass alle Filter im Gehirn geöffnet wurden, die uns normalerweise vor diesem zu viel an Eindrücken schützen. Der Hirnabszess hat bei mir alle Filter entfernt und ich versuche jetzt seit sechs Jahren, das wieder in den Griff zu bekommen. Dieses zu viel an Empathie, aber auch die Wahrnehmung im Außen, muss ich erst einmal in den Griff bekommen.

Ich war schon früher hochempfindlich, hatte es allerdings im Griff und konnte es als Energetiker gut handhaben. Das hat sich verändert, denn ich habe alles neu zu lernen, neu zu bewerten und vor allem, damit umgehen zu lernen.

Mit Hochsensibilität im Kesselfall

Hochsensibilität, was ist das?

Sensible Menschen sind emphatisch und können extrem auf die Emotionen und Energien anderer reagieren. Sie nehmen diese Emotionen anderer schnell auf und werden als ihre eigenen empfunden. Sie sind hoch intuitiv und spüren weit über oberflächlicher Eindrücke, gegenüber Menschen und Situationen. Deshalb arbeiten sie auch oft in Heilberufen, weil sie die Bedürfnisse, Emotionen und Feinheiten spüren, die andere nicht wahrnehmen können. Das ist einerseits eine erhöhte Empathie im Inneren, andererseits die Wahrnehmung im Außen, zum Beispiel auf Brücken oder an Abgründen.

Wir registrieren alles feiner, wie den Anflug eines Stirnrunzeln oder eines Lächelns wahr und durch die Gesamtheit aller Wahrnehmungen, können wir fühlen, was ein anderer Mensch empfinden könnte. Es aktiviert die gleichen Regionen im Gehirn, wie das anderer, die für das Ausführen der Tätigkeit im Gehirn aktiviert werden. Ein kleiner Teil hat auch das Phänomen, dass sie an sich fühlen können, wenn sie sehen, wie der Körper eines anderen berührt wird.

Wir können in feinsten Nuancen den Ansatz von Eifersucht oder Neid in der Stimme spüren, den Ton von Freude oder Ärger, trotz augenscheinlich zurückhaltender Worte. Wir merken sofort, wenn jemand lügt. Das ist oft nicht leicht auszuhalten oder zu verstehen, denn vieles ist einem selbst nicht klar. Sich selbst wieder vertrauen zu können, ist Angesicht dieser vielen Eindrücke oft nicht leicht.

Hochsensible haben ein überempfindliches Nervensystem, mit dem sie mehr als die meisten anderen, alles rund um sich wahrnehmen. Deswegen spreche ich oft darüber, meine Wahrnehmung verbessern zu wollen. Eigentlich meine ich damit, es so weit kontrollieren zu können, dass ich einigermaßen ohne Stress mit mehreren Menschen zusammen kommen kann oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein kann. Das reicht mir derzeit schon.

Als Hochsensibler muss ich mich in einer Welt zurechtfinden, die meine Erfahrungen oft ablehnt und sich gleichzeitig auf mich verlassen kann. Ich habe zu lernen, auf diese meine Kraft zuzugreifen und meiner inneren Führung zu vertrauen. Vertrauen auf mein feinsinniges Spüren von Energien, den Veränderungen in der Mimik, im Tonfall und der Körpersprache und wie das im Gegensatz zu dem steht, wie er spricht. Das fällt mir im Sekundenbruchteil auf und stimmt eigentlich immer. Vertrauen finden, ist ein wichtiger Punkt.

Aus diesem Grund stelle ich meine Gefühle und Emotionen, die durch den Abszess gestört wurden, meistens auf null. Es gibt praktisch nur 100 % Emotionen oder gar keine, ohne Zwischenschritte und da sind gar keine die oft bessere Wahl. In den letzten Jahren habe ich viel dazu gelernt, aber oft fühle ich mich noch wie am Anfang. Emotionen und Gefühle in Stufen wieder zulassen zu können, das ist meine Aufgabe, die mir viel abverlangt.

Dazu kommt die Propriozeption, also zu wissen, wo der Körper endet. Über Gitter zu gehen, mit darunter tiefliegenden Boden, kann mein feinsinniges Gehirn nicht einordnen und lässt mich wo festklammern. Ich habe das Gefühl, jederzeit abzustürzen.

Nervensystem und Hochsensibilität

Hochsensibilität im Alltag

Es ist für mich wichtig, mich im Alltag bewegen zu können, auch wenn es stresst. Ob Einkaufen, durch die Stadt schlendern oder Besorgungen erledigen, das kostet mir viel Energie, dass mich schnell in ein Verhalten der Vermeidung fallen lässt und ich es dann oft nicht mache.

Was viele nicht verstehen, ich kann stundenlang durch die Natur spazieren, aber einmal einkaufen gehen, kann den Tag für mich beenden. Das ist schon für mich schwer zu verstehen, wie soll das dann jemand anderer verstehen. Solche Dinge im Alltag belasten mich am meisten, da sie oft erledigt werden müssen und ich nicht die Wahl habe, zwischen soll und muss.

Der Heilung kommt das allerdings meist nicht zugute. Daher muss ich oft zwischen Therapie oder Alltag im Gehirn entscheiden. Wobei auch der Alltag Therapie sein kann, aber das funktioniert nicht immer. Meistens geht es dann einfach nur ums, übertrieben gesagt, "überleben". Ein Abbruch ist oft nicht möglich.

Wenn es dann doch mal zu viel wird, breche ich ab oder gehe es langsamer an oder ich vermeide es eben. Was anderes ist es, wenn es erledigt gehört. Dann gehe ich auch über die Grenze, im Wissen, dass es das dann war und ich so erschöpft bin, dass nichts mehr geht.

2019 lernte ich mit der Ergotherapeutin Einkaufen gehen. Drei verschiedene Dinge sollte ich mir merken und sie aus dem Kaufhaus holen. Die dreißig Meter zum Eingang hin, hatte ich das Erste vergessen, beim Eingang das Zweite und mit oft nur einem, kam ich wieder heraus. Die vielen Eindrücke ließen das Merken nicht zu. Das machte ich immer und immer wieder, bis ich mich wieder einigermaßen an ein Kaufhaus gewöhnte.

Oft ging ich neben den Regalen in die Knie, weil mich alles derart überforderte. Dann musste ich alles aus den Händen legen und am schnellsten Weg wieder raus. So kam ich Schritt für Schritt langsam vorwärts und lernte einkaufen gehen. Meistens mache ich an solchen Tagen dann nichts mehr.

Das Schreiben heute, kann ich als therapeutisches Schreiben bezeichnen. Denn die Erinnerung daran lebt in mir und es fühlt sich wie wirklich an. Es ist emotional aufregend, denn dann wird mir bewusst, dass ich vieles schon konnte, aber nach der Pandemie erneut wieder zum Lernen habe. Daher weiß ich, was auf mich noch zukommt. Vieles vermeide ich daher von vornherein.

Dinge, wie an die Stadt gewöhnen oder Straßenbahnfahren, habe ich auf unbekannte Zeit verschoben. Denn warum, wenn ich gar nicht weiß, ob es einem nicht unmöglich gemacht wird, wieder für Monate im Herbst/Winter in die Stadt zu gehen oder ein Museum zu besuchen. Corona hat mich vorsichtig gemacht, damit ich nicht wieder Dinge übe, die ich dann eh nicht anwenden kann.

Graz, Karmeliterplatz

Hochsensibilität - Natur versus Stadt

In der Natur und im Wald fühle ich mich anders, als zwischen Gebäuden in der Stadt oder in Einkaufszentrum. Inmitten von Grün und Bäumen fühle ich mich mit meiner Sensibilität weitaus besser. Am Jakobsweg dieses Jahr, habe ich Städte und größere Dörfer vermieden, weil ich es nicht ausgehalten habe.

Meine Hochsensibilität hat sich nach zwei Jahren der Pandemie verändert, leider nicht zum Besseren. Meine Abneigung gegen Städte ist wieder größer geworden. Seit zwei Jahren halte ich mich praktisch nur mehr in der Natur auf, abgesehen davon, wenn ich in der Wohnung bin.

Camino France 2022

Wandern

Als Beispiel für Wandern nehme ich einen Ausflug in den Kesselfall, der im Norden von Graz liegt. Natur und Grün, so weit das Auge reicht. Eigentlich, das Beste, was ich mir wünschen kann, trotzdem war es zum Großteil als Therapie zu sehen.

Die steilen Leitern in der Klamm fordern meine Wahrnehmung. Besonders die Holzstiegen, mit den Blicken direkt nach unten in die Klamm, kosten viel Energie. Mein Gehirn kann die Entfernung der Holzstreben beim Steigen, mit dem sich unter mir bewegenden Wasser in der Klamm, nicht abschätzen. Es ist wie beim Gehen lernen, nur durch oftmalige Wiederholung kann ich meinen Geist wieder daran gewöhnen. 

Auf solchen Steigen benötigt mein Gehirn gleich viel Energie, wie die Muskeln. Ich komme auf einem ebenen Übergang zumeist gleicher Art ins Schnaufen, als wenn ich steil bergauf gehe. Das Schöne ist aber, ich kann solche Touren wieder unternehmen. 2019 brauchte ich eine halbe Stunde Pause nach einer 500 Meter langen Brücken-Überquerung, am Camino Norte. Sie führte hoch über einen Meeresarm und brachte mich übers Limit.

Solche Sachen sind trotzdem wichtig für mich, denn mit jedem Male kann ich das nächste Mal leichter solche Zustände aushalten. Einfach machen, sage ich mir immer wieder vor, denn ich habe es ja schon einmal gekonnt und ich beginne, meinen alten Fähigkeiten zu vertrauen. Ich werde immer an meinen Physiotherapeuten in der Reha denken, der zu mir beim Steigen sagte: "Trau dich!".

Die Natur beim Wandern spüren

Blumen, Insekten, Bäume und anderes beobachten, gibt mir innere Ruhe. Diese Ruhe brauche ich, damit sich mein Kopf erholen kann, um vom endlosen Denken wegzukommen. Diese kleinen Dinge bringen mich in eine Aufmerksamkeit und in einen erholsamen Zustand. Das wäre in der Stadt nicht möglich.In der Natur komme ich leichter mit meinen Emotionen und der Hochsensibilität klar.

Die Farbe Grün dient als Heilfarbe, lässt einen Kräfte sammeln, bringt Regeneration und vermittelt den Augen Ruhe. Den Aufenthalt in der Natur möchte ich nicht mehr gegen die Stadt eintauschen. Vor der Pandemie dachte ich immer, mich an die Stadt gewöhnen zu müssen. Langsam begann ich mich dem immer mehr auszusetzen, obwohl mir die Natur besser tat.

Stress bleibt Stress und die Stadt bleibt Stadt. Wenn ich rausgehe, dann nur in die Natur oder zum Radfahren auf Radwege und abseits gelegene Straßen. Am liebsten ist mir wandern in unseren schönen Natur. Die Stadt habe ich seit Corona nur ein paar Mal am Rande gesehen.

Denn es geht nicht wirklich darum, mich wieder an etwas zu gewöhnen, sondern an vorderster Stelle steht, Heilung zu erlangen. Vielleicht wird es auch einmal die Stadt sein, aber im Moment helfen mir die Bäume, das Gras, die Berge und das Wasser mehr, als was ich in der Stadt finden könnte. Mir ist das Rauschen eines Baches viel lieber, als das oft ähnlich klingende Rauschen des Verkehrs. Ich habe mich noch nie so in meiner Mitte gefühlt, wie am Walkabout durch Austria, wo ich 85 % der Zeit im Freien und in der Natur verbrachte.

fließendes Wasser beruhigt
Arlberg, Walkabout
Walkabout durch Österreich, am Arlberg

Das Wandern ist ein gutes Mittel, um sich wieder nahezukommen und seine Identität zu spüren. Das war mit der Sinn am Walkabout. In der Natur bin ich 100 % ich und meine Gedanken werden klarer. Die bisher über 30.000 Kilometer zu Fuß waren für mich notwendig, denn ich lernte auf mein Herz zu hören, meine Energien richtig einzusetzen und wieder ausgeglichener zu werden.

Die Hochsensibilität bringt mich oft noch immer in eine Überforderung, aber ich beginne, mit diesen Emotionen und Gefühlen immer besser umzugehen. 

Hochsensibilität - Fluch und Seegen

Das therapeutische Tanzen hilft mir sehr, dieses hochsensible Spüren in die richtigen Kanäle zu leiten. Es kann ein Seegen sein, so vieles und fein zu spüren. Es kann aber auch extrem anstrengend sein, es nicht steuern zu können, das habe ich noch zu lernen. Bei sich zu bleiben, gesammelt zu sein, hilft dann enorm weiter, manchmal dauert es aber Tage, bis ich mich fange. Darum übe ich weiter und immer weiter, Achtsamkeit und Sammlung.

"Was noch klein ist, lässt sich leicht zerstreuen. Man muss wirken auf das, was noch nicht da ist. Man muss ordnen, was noch nicht in Verwirrung ist."

Laotse

Mich immer wieder aus den Verstrickungen des Alltags zu lösen, das schaffe ich am besten mithilfe der Natur. Das Wandern führt mich zu Selbsterkenntnis, das meiner Seele wohltut und mir Anstöße gibt, mein Denken und Verhalten zu korrigieren. Intuitiv das Richtige machen, ist mein Endziel.

Sokrates sagte einmal: "Der Mensch ist insbesondere dann glücklich, wenn er das gut tut, was er am besten kann!"

Bei mir ist es das Gehen in der Natur. Dort bin ich mit meiner Hochsensibilität bestens aufgehoben und kann sie verbessern, um wieder mehr Lebensqualität zu erlangen.


Gehen lernen - über 30.000 Kilometer oder 45.000.000 Schritte in 6 Jahren!

Nach dem Hirnabszess 2016 war nur eines in meinem Kopf, ich wollte wieder gehen lernen. Zunächst wollte ich nur eigenständig wieder aufs WC im Krankenhaus kommen und so fing ich Schritt für Schritt an. Der erste Schritt war, mich wieder aufsetzen zu können, das Gehen kam erst viel später.

In den letzten sechs Jahren bin ich dann über 30.000 Kilometer oder 45.000.000 Millionen Schritten gegangen und versuchte die verlorene Propriozeption zurückzugewinnen. Einen Tag vor dem Hirnabszess ging ich damals am Meer noch Laufen, daher wurde es mein Ziel, wieder Laufen zu können.

Ich gehe jetzt in das siebente Jahr nach dem Hirnabszess, laufen kann ich noch immer nicht.

Gehen lernen am Jakobsweg
rpt

Trailrunning

Im Jahr 2013 begann ich mit dem Trailrunning. Für meinen Freund Matthias filmte ich beim Eiger Ultra Trail und das faszinierte mich so, dass ich entschied, Trailrunner zu werden. Ein Jahr später stand ich selbst am Start, allerdings war nach 63 km Schluss, von 101 km.

Ich gründete die Website von0auf101, die meinen Weg vom absoluten Laufanfänger, bis zum Trailrunner begleiten sollte. Detailliert wollte ich berichten, wie ich vom Radfahrer zum Läufer wurde.

Eiger Ultra Trail
Beim Eiger Ultra Trail 2014

Meine Basis waren 20 Jahre (Leistungs-)Sport, zuerst als Straßenradrennfahrer und dann als MTB-Extremradfahrer. Das für mich schönste Rennen war das Iditasport Race in Alaska, wo ich 1995 überraschend zweiter wurde und die 100 Meilen (ca. 161 km) Distanz 1997 gewinnen konnte. Schon 1995 musste ich das Rad 40 Kilometer schieben und dementsprechend Laufen und Gehen trainieren.

Iditasport Race in Alaska
Iditasport Race in Alaska

Viele Wettbewerbe lief ich als Trailrunner nicht, mir gefiel mehr das alleine unterwegs sein, oft über mehrere Tage und mit minimalistischer Ausrüstung. Übernachtet wurde in Berghütten und Biwakschachteln.

Der Hirnabszess und Gehen lernen

Es kam der März 2016. Mit der Familie war ich ein paar Tage in Kroatien und nutze die Zeit für Läufe am Strand. Irgendwie ging es schwer und ich schob es auf das ungewohnt milde Klima, nach dem Winter zu Hause. Einen Tag vor der Heimreise musste ich mich hinlegen und bin von dort weg für lange Zeit nicht mehr aufgestanden. Am 27.März wurde ich ins Krankenhaus eingeliefert.

Hirnabszess am Thalamus
Abszess am Thalamus

Noch auf der Intensivstation dachte ich an Trailrunning und dass ich es wieder machen wollte. Die Bilder vom Eiger oder dem Hochschwab waren so stark in mir, dass ich nur daran dachte, wieder dorthin zu kommen. Dafür wollte ich alles unternehmen.

Trotz neurologischer Ausfälle und einer Halbseitenlähmung begann ich die vier elastischen Binden selbst aufzurollen, vornehmlich mit der rechten gelähmten Hand. Dass mir die Zähne geputzt werden, verweigerte ich, ich wollte es selber machen, obwohl ich die Zahnbürste kaum selbst halten konnte und kaum spürte, wo ich putze.

5 Monate im Krankenhaus
5 Monate im Krankenhaus

Später auf der Reha-Station war es nicht viel besser. Trotzdem versuchte ich so viel wie möglich selbst zu machen. Eine riesige Hilfe war mir meine Ergo-Therapeutin Kerstin, die mich mobilisierte und mir unglaublich viel beibrachte.

Ich sah alles wie im Sport, es wurde für mich diesmal der längste Wettbewerb, den ich jemals zu bestehen habe und alle bisher erlebte Anstrengung verkam im Gegensatz dazu, wenn man wieder "zurück ins Leben" möchte.

Etwa eineinhalb Jahre nach dem Hirnabszess sagte ein Arzt zu mir: "Herr Krasser, ich sehe und weiß, was sie tun. Schalten sie zurück, akzeptieren sie, wie es ist, es wird kaum mehr besser werden!"

Meine Antwort war nur: "Wenn sie das glauben, ok. Ich glaube es nicht und werde weitermachen."

Damals konnte ich mit vielen Pausen gerade mal ein paar hundert Meter gehen, danach war ich fertig für den Tag. Am meisten behinderte mich der Schwindel und die Körperschwäche, die ich nur durch tägliches Tun verbessern konnte. Die Fortschritte waren so langsam, dass ich es selbst nicht bemerkte.

Mein Gedächtnis und das Denken war außerdem so stark beeinträchtigt, dass ich damit immense Schwierigkeiten hatte, alles zu verfolgen.

Dranbleiben, war und ist das Erfolgsrezept noch heute

Auf die Muskelschwäche und die verlorene Propriozeption kam ich erst im Laufe der Zeit selbst darauf. Nach den Reha-Aufenthalten verzichtete ich auf die Ärzte und versuchte in Eigenregie meine Rehabilitation fortzusetzen.

Ob Fitnessstudio, therapeutisches Tanzen, Radfahren und Gehen, alles unternehme ich in Selbstorganisation. Das Gehen bekam einen immer höheren Stellenwert.

Gehen als Therapie

Das Gehen diente mir auch fürs Gehirn. Bis zum Beginn der Corona-Pandemie hatte ich auch hier Verbesserung. Nach der Trennung von meiner Lebensgefährtin und den Kindern, startete ich 2018 meinen ersten Camino in Spanien. Der Jakobsweg wurde zu einer der besten Therapien, um wieder Gehen und Leben zu lernen.

Nur unterbrochen von meinem letzten Reha-Aufenthalt, legte ich die 950 Kilometer nach Santiago de Compostela und Finesterre in insgesamt zwei Monaten zurück. Bis heute absolvierte ich den Camino del Norte, noch zweimal den Camino France und weitere Jakobswege in Österreich. Dazu der Walkabout rund um Österreich, wo ich mehr als 2000 Kilometer zurücklegte.

Am Walkabout gehen lernen
Walkabout durch Österreich

Die Millionen Schritte braucht mein Gehirn, um die Propriozeption zu erlernen. Vorfälle wie der Nierenstein, kosten mich Wochen bis Monate, um das bereits Gelernte wieder zu erlernen. Darum vermeide ich alles, was mir nicht guttut, denn es hat zu großen Einfluss auf mein körperliches Befinden.

"Step by Step", ist mir von Anfang an treu geblieben. Schritte überspringen war und ist nie möglich, es geht nur einer nach dem anderen.

Wie kann ich gehen lernen?

Von Außen ist mir kaum was anzumerken. Vielleicht, wenn jemand weiß, was ich habe, dann fällt die eigene Bewegung auf. Mit meiner Konzentration muss ich nach wie vor beim Gehen lernen bleiben, das ist auf Dauer sehr anstrengend und nicht sichtbar. Gleichzeitig Gehen und Sprechen kostet mich viel Energie, bzw. geht auch nur auf halbwegs gutem Weg. Mein früheres Multitasking als Videojournalist ist einem Single-Tasking gewichen.

Hier spreche ich nur vom Gehen lernen, aber es geht mir in allem so. Ob beim Kochen, Essen oder Schreiben, das Single-Tasking ist allgegenwärtig. Essen und Trinken ist zum Beispiel für jeden etwas Selbstverständliches, bei mir nicht. Beim Essen bin ich gerne alleine, da ich sehr konzentriert bleiben muss. Durch die Halbseitenlähmung gerät zu schnell etwas in die Luftröhre und ich verschlucke mich. Das Trinken wiederum geschieht sehr vorsichtig und langsam und ja nicht unter Stress. Es ist nicht gut, wenn Essen oder Flüssigkeiten in die Luftröhre gelangen.

Beim Gehen kann ich schon ganz gut ohne Nachdenken auf ebener Straße dahingehen. Ich erinnere mich an Zeiten zurück, wie am Jakobsweg 2018, wo ich praktisch noch jeden Muskel andenken musste, um Gehen zu können. Treppen steigen oder steil bergauf, kostet mir noch viel Energie, vor allem Gehirn mäßig. Da spielt die Muskelschwäche eine große Rolle darin. Ich mag mir gar nicht ausdenken, was wäre, wenn ich nicht so viel gegangen wäre. Dann hätte der Arzt wahrscheinlich sogar recht gehabt mit seiner Aussage, dass es nicht mehr besser wird. Denn wer würde das alles auf sich nehmen?

Am Jakobsweg in Spanien gehen lernen
Camino France 2018

Mein großer Vorteil war sicher, dass ich vom Sport kommen und Training für mich der normale Alltag war. Im Grunde lebe ich jetzt den Traum eines jeden Sportlers, nämlich als Profi 24 h nur darauf zu schauen, dass ich besser werde. Allerdings geht es nicht um Platzierungen und Ergebnisse, sondern um nichts anderes als das Leben. Mein Wettkampf ist es, wieder Leben zu können und dafür alles zu geben.

Gleich wie ein Radprofi, muss ich auf alles schauen, damit es mir gut geht. Von der Ernährung, über die Erholung bis zum Training.

Und da bin ich wieder beim DRANBLEIBEN!

Stetig und immerfort ist es notwendig. Im Moment noch kein Problem, obwohl Corona Rückschritte brachte. Aber auch wenn es einmal zurückgeht, Niederlagen machten mich im Radsport nur stärker und das gilt auch für jetzt.

NEVER GIVE UP!


Bewegung zurückerobern, intuitive innere und äußere Bewegung beachten!

Meine Rehabilitation nach dem Hirnabszess hat sehr viel mit Bewegung zu tun. Zunächst war es mir nur wichtig, die Bewegung des Gehens zu lernen. Daran arbeite ich auch heute noch. Mit dem therapeutischem Tanzen kam das intuitive Bewegen in mein Leben und dieses brachte eine neue Dimension der Bewegung, nämlich die Innere, wie die Äußere Bewegung. Welche Impulse zur Bewegung habe ich und möchte oder kann ich diesen nachgehen.

Die letzte Tanztherapiestunde vor meinem Aufbruch zum Camino war sehr erkenntnisreich. Nach Wochen der Schwere nach dem Sturz am Eis und besonders nach dem Nierenstein, brachte diese Stunde einen Umschwung. Noch gezeichnet vom Abgang des Nierensteines, dem Kreuzweh und einer gestörten Propriozeption, fühlte ich mich erstmals seit Wochen danach wieder mit Leichtigkeit und Beschwingtheit erfüllt.

Tiefensensibilität
Tiefensensibilität verbessern

Intuitive Bewegung

Eine Stunde Bewegung in der Therapie kann anstrengend sein. Diesmal fühlte ich mich aber beschwingt und leicht danach. Es tat so gut, dass ich beschloss, die über 20 Kilometer zu Fuß nach Hause zu gehen und diese intuitive Bewegungen unterwegs im Gehen zu spüren, sie zuzulassen und damit das Gelernte zu verinnerlichen. Es wurde ein Gehen unter Freude und die Bewegung tat gut.

Bewegung beim Nachhause gehen

Die in unserem Körper erlebten Erfahrungen, werden durch Bewegung sichtbar. Aufrichtung, Beweglichkeit, Geschmeidigkeit und vieles andere, zeigen vieles im Körper auf, was es schwer oder leichter macht. Einerseits sich diesem Fluss hingeben zu können und andererseits, bewusst etwas korrigieren zu können, macht es faszinierend.

Es kann aufregend sein, seinen Körper durchs Freie zu bewegen. Weder die Leistungsfähigkeit, das Befinden, die Form des Körpers oder irgendwas anderes sollte uns daran hindern, in die Natur zu gehen. Denn wir sind Natur und deshalb fühlen wir uns so wohl darin und es geht uns danach besser.

Natur ist kein Wettkampf und schaffen wir es, diesen (Leistungs-)Gedanken wegzulassen, kann es nur guttun. Dazu müssen wir aber aus diesem Leistungsgedanken aussteigen und nur das tun, was einem entspricht. Vergleich mit anderen gehört nicht dazu, besonders der Vergleich mit Sportlern, denn dann sind wir wieder im Leistungsgedanken.

Mache ich das, was mir guttut, komme ich mir näher und damit verbessert sich mein Befinden. Die richtige Balance zu finden und früh genug zu sagen, es reicht, ist eine Sache, wie gut ich mich spüren und auf mich hören kann, die andere. Dieses Spüren ist immens wichtig, für mehr Wohlbefinden. Das ist meine wichtigste Sache in der Rehabilitation, seit Anfang an.

Der Nierenstein war für mich ein Aufwecken, wieder mehr in mich zu vertrauen, mich zu spüren und meinem Weg treu zu bleiben.

Therapeutisches Tanzen

Das therapeutische Tanzen ist meine wichtigste Therapie seit zweieinhalb Jahren und es tut mir leid, nicht früher davon erfahren zu haben. Es hätte vieles erleichtert und gerade in der ersten Zeit nach dem Hirnabszess, vieles besser vorangebracht. Gerade die ersten zwei Jahre waren so wichtig danach.

Die Tanztherapie ist eigentlich für jeden etwas, der Probleme damit hat, sich mit sich selbst zu verbinden. Es ist toll zu sehen, wie es Menschen verändert, oft nach nur wenigen Sitzungen und das in vielen Bereichen. Das über die Bewegung zu sehen, ist einfach genial und leider in unserem Gesundheits- besser gesagt Krankeits-System, nicht sehr bekannt und anerkannt.

Je nachdem wie Corona vorherrschte, fand die Therapie bisher in der Gruppe oder im Einzeltraining statt. Auch die Gruppe hat für mich Vorteile, denn wenn ich mir das Gesamte anschaue, so sind es Meilensteine, die ich ohne Tanztherapie nie erreicht hätte. Meine Bewegung hat sich auf eine Art verbessert, die mir viel mehr Lebensqualität gebracht hat.

Gerade seit Corona hat mir die Tanztherapie sehr geholfen, um über die Runden zu kommen. Sie hat meine Bewegung im Alltag sehr verbessert und durch das intuitive Erfassen erleichtert. Natürlich geht es auch um Leistungssteigerung, aber um keinen Leistungsvergleich mit anderen. Ich verfolge noch immer Trailrunning, obwohl ich seit 6 Jahren nicht mehr gelaufen bin. Es hilft mir nach wie vor, diese innere Leichtigkeit durch Beobachtung zu verinnerlichen, auch wenn ich es im Außen gar nicht kann.

Meine Behinderungen" sehe ich selbst gar nicht als solche, denn eigentlich gibt es keine Behinderungen. Wir werden nur sehr oft in ein Eck gedrängt.

Innere und Äußere Bewegung beim Gehen

Der Camino in Spanien

Am Camino merkte ich sehr schnell, ob man sein eigenes Tempo geht oder versucht, das Tempo anderer mitzugehen. Hier lernt man sehr gut, seinem eigenen Tempo zu vertrauen und sich durch nichts aus der Ruhe bringen zu lassen. Allerdings nur, wenn man es möchte.

Der Camino in Spanien war die beste Heilung für mich, genauso wie für viele andere Menschen. Hier konnte ich zum ersten Mal wieder mit mir in Verbindung kommen.

Bewegung lernen, am Camino Frances
Mein erster Camino 2018

Corona machte es für mich zwei Jahre lang nicht möglich, diesen Weg und diese Art der Heilung weiterzuverfolgen. Dieses Jahr scheint es zu gehen und ich werde es ab nächster Woche wagen. Mit dem Bus werde ich nach Frankreich fahren, um den Camino France zu gehen.

Ich weiß noch, wie ich mich letztes Jahr auf dem Weg durch Österreich, noch oft schwergetan habe. Pilgern in Spanien hätte ich vorgezogen. Corona hat das Reisen zu meinem Nachteil sehr verändert. Aber ich habe mich letztes Jahr quasi hineingeworfen und die Herausforderung angenommen, dieses neue Leben zu lernen. Genauso mache ich es auch dieses Mal. Ich lasse alle Regeln auf mich zukommen und versuche damit klarzukommen. Allein die Anreise ist für mich schon eine Herausforderung.

Bin ich zum Walkabout von zu Hause losgegangen, reise ich diesmal mit dem Bus an, so wie zu meinem letzten Camino, im Jänner 2020. Von daheim losgehen nach Santiago de Compostela, geht für mich diesmal nicht, denn wenn ich es auch noch so gerne täte, es ist zu früh, zu kalt und nach dem Nierenstein ist mein Zustand auch nicht gut.

Ich verfolge dieses Mal andere Ziele. Ich werde versuchen zu Schreiben und an meinem Buch weiterarbeiten, meine Bewegung zu verfeinern, zu Malen und einfach eine gute Zeit zu verbringen. Nach diesen zwei Jahren mit Corona, wo es im Gesamten mit meiner Rehabilitation bergab ging, ist es dringend an der Zeit, wieder etwas in die andere Richtung zu machen.

Mein Glaube in die Politik und die Ärzte hat in dieser Zeit sehr gelitten und nur das therapeutische Tanzen hat mich einigermaßen oben gehalten. Es geht in unserem System noch immer sehr um das Geld und weniger um den Menschen. Daher werde ich meinen Weg weiterhin verfolgen.

Innere und äußere Bewegung

Bewegung in der Natur hilft mir schon lange, trotz der Behinderung, ein erfülltes Leben zu leben. Innere und äußere Bewegung wurden mein wichtigstes und das kann ich in der Natur am besten ausleben. Mein "Zurück ins Leben" veränderte sich sehr, hauptsächlich durch Corona.

Es ist mir wichtig, wieder Beziehung zu Menschen zu lernen, mich austauschen zu können und andere Sichtweisen kennenzulernen. Das wird am Camino besonders interessant, da dort so viele verschiedene Nationalitäten anzutreffen sind. So lasse ich mich überraschen, wie sich meine innere und äußere Bewegung verändert. 

Geschichte vom Camino

Bezüglich der Nationalitäten möchte ich noch eine Geschichte vom Camino Norte 2019 erzählen. Ich übernachtete in einem Kloster und war zu einem Empfang und Gottesdienst für die Pilger eingeladen. Allerdings kam ich mit einem Israeli zu spät zum Treffpunkt und so suchten wir den Raum, wo es stattfinden sollte.

Sobrado, Übernachten im Kloster
Kloster in Sobrado

Jemand schickte uns nach außerhalb des Klosters, in deren Nähe eine Kirche stand. Wir öffneten die große Eingangstüre und blickten vorsichtig hinein. In diesem Augenblick drehten sich dreißig Köpfe nach uns um und der Pfarrer winkte uns mit einer einladenden Geste zu sich. Wir überlegten kurz, konnten aber nicht mehr zurück.

Es waren nur Einheimische anwesend und beim Hineingehen flüsterte der Israeli in Englisch zu mir: "But it´s not my Confession!". "I think, it´s ok. No problem!", antwortete ich ihm. Sein Gesicht dabei werde ich nie mehr vergessen.

Beim nach vorne gehen an den Sitzreihen vorbei, bekamen wir aus jeder Reihe einen Gruß oder ein "Buen Camino" zu hören. Der Pfarrer setzte uns in die erste Reihe und führte seine Predigt auf Spanisch fort. Es war zum Glück bereits das Ende des Gottesdienstes, aber er hatte dann noch eine Extrazulage, eine Pilgergeschichte über den heiligen Jakob auf Englisch für uns, dem auch die dreißig Einheimischen gespannt zuhörten.

Im Anschluss gab es sogar noch einen Pilgerseegen für uns. Daraufhin sollte jeder von uns beiden erzählen, woher wir kamen und etwas, was wir am Weg erlebt haben. Danach wurden wir vom Pfarrer und allen dreißig Personen persönlich mit Handschlag verabschiedet und uns alles Gute für den weiteren Weg gewünscht.

Im Kloster übernachtet
Im Kloster

Ein tolles Erlebnis, das zeigte, wie tief verankert der Jakobsweg in Spanien ist und wie freundlich alle Nationalitäten aufgenommen werden. In dieser heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit. Es wird spannend, wie ich es diesmal aufnehmen werde.

Gehen, gehen, gehen!

Am Dienstag geht es in Saint Jean Pied del Port los und die nächsten Wochen werde mich 800 Kilometer zu Fuß nach Santiago bringen. Seit dem Nierenstein habe ich mich wieder verstärkt der Propriozeption gewidmet und auch am Camino werde ich mich dem widmen, ebenso wie dem Leben.

Am Camino kann ich so sein, wie ich bin und darauf freue ich mich.

"Buen Camino!"

Vom steirischen Steffl zum Stift Rein und zurück, der Grazer Umland-Weg!

Wandern als Therapie, am Grazer Umland-Weg. Brain Fog, chronische Fatigue, Muskelschwäche, meine Beschwerden seit dem Hirnabszess haben viele Namen. Sie haben große Ähnlichkeit mit Long Covid und erfordern nach wie vor Therapie.

Diesmal gings am Grazer Umlandweg, von Straßengel zum Stift Rein und zurück. Der Aufenthalt in der Natur hilft mir, diesen Gehirnnebel wieder ins Gleichgewicht zu bekommen.

Wandern am Grazer Umlandweg
Blick zurück auf die Kirche Straßengel

Brainfog oder Gehirnnebel

Bis zum März 2020 konnte ich mich verbessern, was meine Gedächtnisleistung betrifft. Seit Beginn der Corona-Pandemie trat wieder eine Verschlechterung ein.

Ausgang war der Hirnabszess 2016

Es ist kein richtiges Denken möglich, man vergisst ständig was und es ist kaum möglich, mehr als ein, zwei Seiten eines Buches zu lesen, die Konzentration fehlt. Stimmungsschwankungen, eine mangelnde Fokussierung, Konzentrationsschwierigkeiten mit einer Orientierungslosigkeit, fällt mir seit dem Winterbeginn an mir auf.

Ich brauchte von 2016 bis 2019, um meine Gehirnleistung einigermaßen zu verbessern. Nach dem Camino France im Jänner/Februar 2020 war meine Gehirnleistung so gut wie noch nie, seit dem Hirnabszess. Mit Beginn der Corona-Pandemie begann es sich zu verschlechtern. Die Lockdowns und die vielen Regeln, beherrschen meine Denkvorgänge und stellen mich vor besondere Herausforderungen.

Am Camino Frances, kurz vor der Pandemie

Mit dem Winterbeginn trat dieser Brainfog immer wieder auf und hat jetzt einen Höhepunkt. Mein Gehirn kreist ständig um Corona, auch wenn ich es nicht möchte. Es ist schwierig aus diesem Gedankenkarussell auszusteigen und klare Gedanken unmöglich.

Die Ursache dafür kann vielfältig sein, bei mir war es der Hirnabszess. Seit Covid ist es bekannter, denn manchmal erkranken auch Covid Betroffene daran. Es ist aber nicht nur das. Die chronische Fatigue und Muskelschwäche betrifft mich schon seit Jahren. Dazu die fehlende Propriozeption und fertig ist der Salat. Oft weiß ich gar nicht, woran ich trainieren soll oder worauf ich mein Hauptaugenmerk legen soll, weil noch immer so viel notwendig ist.

Wandern als Therapie

Was mir sehr hilft, ist Wandern. Das Pilgern in Spanien fehlt mir, denn das hat mir bisher am besten geholfen. Im Gehen wird das Gehirn und das Denken beruhigt. Gut sind neue Wege, wie der Grazer Umland-Weg, denn dann ist das Gehirn damit beschäftigt neues aufzunehmen und kann nicht in eine Endlosschleife fallen, wie es sonst leicht der Fall ist.

Wandern, Pilgern und Gehen ist eine Möglichkeit, dem Brain Frog zu entkommen. Am wichtigsten ist es, im täglichen Leben etwas zu ändern. Das ist seit Corona allerdings anders geworden, denn diese Änderungen sind nur begrenzt für mich möglich. Von der Politik, bis zu den Regeln, belastet zu viel meine Gedankengänge, da bleibt oft kaum etwas fürs Gesund werden über.

Eine weitere wichtige Therapie ist das therapeutische Tanzen, die auch mit Bewegung zu tun hat. Ich schließe es meist danach mit einer Wanderung von Frohnleiten nach Judendorf ab, wo ich das neu Gelernte verfestige. Das Gehen und Bewegen bleibt meine beste Therapie.

Grazer Umlandweg

Der Grazer Umland-Weg

Nach einer schlechten Nacht, wegen dem Brain Frog, beschloss ich über den Grazer Umland-Weg nach Rein zu gehen und wieder zurück nach Judendorf. Bei sonnigem Wetter startete ich bei der Kirche in Straßengel. Auf Wald- und Wiesenwegen, legte ich die ersten Kilometer zurück. Seit meinem Sturz am Eis zu Weihnachten, steht das Training an der Koordination an erster Stelle. Diesmal wollte ich aber im Kopf leer werden und dem Gedanken Karussell entkommen.

Nach einem Asphaltstück ging es einen traumhaften Waldweg entlang. Der Wald hat mir schon immer sehr gut geholfen und ich kann mich gar nicht satt daran sehen, an den Bäumen und den Farben. Bergauf, bergab führt mich der Weg in die Schirning, oftmals noch die Kirche Straßengel im Blickfeld. "Waldbaden" ist ja öfter Teil meines Therapie-Planes.

Der Aichkogel

Von der Schirning geht es entlang des Aichkogels vorbei. Meist im Wald, ist es sehr beruhigend für die Augen, den Geist und das Gehirn. Jegliche belastenden Gedanken verschwinden und man steht im Leben, welches die Grundbedürfnisse befriedigt, an erster Stelle dem Atem.

Durch die Muskelschwäche kommt dem Atem eine besondere Bedeutung zu. Es dauerte dreieinhalb Jahre, bis ich den Ruhepuls von 80 nach dem Krankenhaus, auf 55 bis 60 herunterbrachte. Als Radrennfahrer hatte ich 35 und vor dem Hirnabszess noch 45. So stapfe ich aufwärts, auf den Atem konzentriert und ohne Gedankenspiele im Kopf.

Stift Rein, am Grazer Umland-Weg

Nach 15 Kilometern erreiche ich das Stift und mache gegenüber auf einem Hügel, mit Blick hinunter und über die Gegend, Rast auf einer Bank. Es ist so anders, wenn ich unterwegs bin. Alles fällt von mir ab und ich brauche mich nur um mich selbst spüren und kümmern. Gerade dieses selbst spüren, was ich in mir fühle, ist wichtig.

Die Gegend um Stift Rein gefällt mir und der Grazer Umland-Weg führt durch Wälder, die im Sommer besonders grün sind. Einer der wenigen Vorteile in dieser Corona-Zeit, ist das Kennenlernen meiner Umgebung und das Anfinden von immer noch neuen Wegen, die ich noch nicht kenne.

Von Rein weg, geht es noch auf den Kalvarienberg mit seinem Kreuzweg. Moderne Kreuze säumen den Weg, der an einer Kapelle endet, hoch über dem Gratkorner Becken. Eine tolle Aussicht zum Abschluss. Vorsichtig geht es steil hinunter nach Gratwein. Jeden Tritt muss ich aufpassen und genau überlegen, wo ich den Fuß hinsetzen.

Zurück nach Judendorf

Ich entschließe mich für den direkten Weg von Gratwein zurück nach Judendorf. Den Waldweg hebe ich mir fürs nächste Mal auf. Bald lacht mir die Kirche von Straßengel entgegen und ich schließe die Runde nach über 20 km ab.

Es war diesmal fast ein Pilgerweg für mich. Mehr nach Innen gekehrt, als nach Außen. Ja, Gehen gibt mir Sinn und bringt mich wieder ins Gleichgewicht. Seit meinem Walkabout war ich nicht mehr über mehrere Tage unterwegs, dabei hilft es mir wie kaum was anderes, in meiner Rehabilitation. Das Gehen bringt mich zurück ins Leben.

Aus diesem Grund möchte ich heuer noch Pilgern gehen oder, je nach Pandemie Lage, einen langen Weg in Österreich. Ich habe viel erreicht dadurch in den letzten Jahren in meiner Rehabilitation, wenn es durch Corona auch verzögert wurde.

Mal schauen, wo mich die Pandemie noch hinlässt?


Gehirn auslüften in der Natur und beim Klettern!

Die letzten Wochen waren ungewohnt anders, als die Monate davor. Ein Sturz am Glatteis zu Weihnachten, hatte neben Prellungen meinen gesamten Körper erschüttert und mein Gehirn durcheinandergebracht. Nach einem ziemlichen Auf und Ab der letzten Wochen, stand dringend ein Auslüften meines Gehirns in der Natur an.

Ähnlich erging es mir vor meinem ersten Jakobsweg 2018. Mein Ziel war damals, im Gehirn wieder leer zu werden. Damals kreisten viele Fragen in mir herum, waren aber nicht weiter oder fertig zu denken. Seit der Corona-Pandemie geht es mir ähnlich. Die vielen Regeln und Bestimmungen fordern mein Gehirn mehr, als mir lieb ist. Dabei brauche ich nach wie vor alle Ressourcen fürs Gesund werden.

Camino Frances 2018
Camino Frances 2018, leer werden im Kopf

Bewegen in der Natur, dem Gehirn zuliebe.

Nach vielen Ruhe- und Erholungstagen musste ich in die Natur, denn nur dort findet mein Gehirn die Ruhe, die es braucht. Waldbaden und Bewegung im Wald sollte mich wieder in die Spur bringen. Ich war zwar in den letzten Wochen öfter im Wald unterwegs, aber jeder Schritt musste angedacht werden und langsame Bewegungen waren notwendig. Ich fühlte mich in diesen Tagen zurückversetzt an den Anfang meiner Rehabilitation, vor fünf Jahren.

Ausblicke

In Gratkorn ging es in den Wald. Gehen, Bewegung mit einem Tuch und ein wenig Bouldern nahm ich mir vor. Klettern trainiert Kraft, Beweglichkeit, Koordination und die Wahrnehmung. Besonders das Abschätzen wie weit der Griff weg ist und die Koordination dazu, bringt mir viel.

Wobei Klettern und Bouldern eigentlich übertrieben ist. Einfach in den Fels einen Fuß hoch einsteigen und dann hin und her, mehr ist nicht notwendig. Kaum ist die Hand am Fels, geht es nur mehr ums Greifen und die Wahrnehmung, das Gehirn beginnt abzuschalten und sich zu fokussieren.

Durch die Muskelschwäche bleibt mir allerdings nur kurze Zeit zum Üben. Gegen meine ersten Versuche vor 3 Jahren, habe ich allerdings eine Steigerung. Der echte Fels bringt, im Gegensatz zur Kletterhalle, meine Finger viel schneller ans Limit.

Leichtigkeit, mit einem Tuch spüren lernen

Bei der Therapie im therapeutischen Tanzen konnte ich wieder mehr Leichtigkeit in den Körper bekommen, der sich in den letzten Tagen und Wochen, seit dem Sturz, schwer anfühlte. Besonders die Oberschenkel und Arme sind davon betroffen.

Übungen mit Tüchern aus Seide sind besonders erfolgreich, um wieder mehr Leichtigkeit zu spüren. Mit so einem Tuch übe ich zu Hause und im Freien, so wie hier im Wald. Es sind oft die kleinen und spielerischen Dinge, die große Wirksamkeit haben.

Corona, Leben, Rehabilitation und mein Gehirn

Den Tag in der Natur konnte ich genießen und endlich einmal abschalten. Schon in den letzten Wochen habe ich begonnen, in der Natur wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Das ist oft nicht einfach, denn die Handicaps begleiten mich jederzeit und erinnern mich jede Sekunde daran.

Da kommen solche Tage recht, um mich anderen Dingen widmen zu können. Im Wald entdeckte ich einen besonderen Baum, der wie aus einem Felsen gewachsen schien. Eine faszinierende Erscheinung, wie er um den Felsen herum wuchs.

Seit Corona hat sich viel verändert und besonders das Leben lernen unmöglich gemacht. Das trifft mich am meisten. Nur wenige Ausnahmen, wie der Walkabout, haben mich das Leben wieder spüren lassen. Die meiste andere Zeit ist mein Gehirn mit den Regeln und Bestimmungen für Corona beschäftigt, damit kommt es kaum klar.

Seit Corona befinde ich mich fast nur in Therapie und Rehabilitation und besonders mein Gehirn leidet darunter. Darum war dieser Tag in der Natur so besonders, wie schon lange nicht mehr.


In der Natur und ins Gleichgewicht kommen!

Schon als Energetiker vor über 20 Jahren, war es mein Ziel, Körper und Geist ins Gleichgewicht zu bringen. Denken und Fühlen, sind mit den Organen und deren Funktion nicht voneinander zu trennen. Durch den Hirnabszess bzw. schon vorher, war dieses Gleichgewicht durcheinander gebracht und verursachte den Abszess. 

Seit bald sechs Jahren ist mein ganzes Tun darauf ausgerichtet, wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Bis Anfang 2020 therapierte und trainierte ich die verschiedensten Bereiche, zu denen auch wieder soziale Kontakte gehörten. Der Camino Norte 2019 und der Winter-Camino im Februar 2020 war eine tolle Steigerung, aber mit dem Beginn von Corona im März 2020 begann eine neue und andere Phase.

Camino Frances 2020

Was gehört zum Gleichgewicht?

Körper und Geist gehören zusammen. Daher ist es sinnlos, den Focus nur auf eines zu legen. Meine Rehabilitation hat ganzheitlich zu erfolgen, denn nur das bringt meinen Körper und Geist zusammen. Manches fällt wegen Corona flach oder ist mir wegen der veränderten Strukturen nicht möglich.

Um nach einer schweren Krankheit wieder ins Gleichgewicht zu finden, sind mehrere Punkte notwendig:

Punkt 1: Gute Ernährung, viel Bewegung und mehr als ausreichender Schlaf, gehört als Basis dazu.

Ich versuche einfach gesund zu leben, als Basis. Gesundes Essen, so gut es geht. Ich bin limitiert beim Kochen, denn aufwendiges Kochen funktioniert für mich nicht, da stoße ich zu schnell an Grenzen des Gehirns. Trotzdem bringe ich es ganz gut hin. Bewegung ist unerlässlich, um gesund zu bleiben. Bewege ich mich weniger, fühle ich mich schnell nicht wohl. Der Schlaf ist die Zeit wo ich mich erhole. 10 Stunden in der Nacht sind mein Minimum. Trotzdem ist nicht entscheidend wie lange ich schlafe, sondern wie munter und erholt stehe ich danach auf. Zum Schlaf in der Nacht, brauche ich noch viele Ruhephasen über den Tag.

Punkt 2: Psychologische Hilfe

Die Psyche gehört zum Gleichgewicht, darum ist darauf Augenmerk zu legen. Aktive Beteiligung ist dabei notwendig, denn nur so kann Veränderung erreicht werden. Trauma-Aufarbeitung, Psychologe oder Selbsthilfegruppen, sind alles Möglichkeiten, die man in Anspruch nehmen sollte. Bei mir gehört auch das therapeutische Tanzen zur psychologischen Hilfe, da es nicht nur Bewegung ist, sondern auch eine entsprechende Geisteshaltung gefördert wird, die der Bewegung dient. Ziel ist es, aufbauende Gedanken und Gefühle zu haben und keine Zeit in negativer Stimmung zu verbringen. Louise Hay sagt:

"Jede Zelle in unserem Körper reagiert auf jeden einzelnen Gedanken, den wir denken."

Louise Hay

Punkt 3: Achtsamkeit

Sie verhilft zum Focus auf sich selbst und steigert das seelische Wohlbefinden. Es hilft sehr, sich fokussieren zu können.

Punkt 4: Informieren

Informieren gehört für mich dazu, Eigenverantwortung zu übernehmen. Alles in Bezug auf die Erkrankung, wie mögliche Hilfen, Therapien oder andere alternativer Maßnahmen, die Hilfe versprechen. Vieles was ich mache, habe ich selbst herausfinden müssen, denn über die Ärzte erfährt man kaum was, außer das Übliche. Dabei können alternative Ansätze oft so hilfreich. Das therapeutische Tanzen hätte mir gerade am Anfang so viel gebracht, aber diese Information bekam ich nie.

Punkt 4: Soziales Leben

Das ist einer der schwersten Punkte für mich, da ich erst seit 2019 damit begonnen habe, das soziale Leben zu beginnen. Ich habe es erst zu lernen. Corona hat das allerdings größtenteils zum Erliegen gebracht.

Gleichgewicht

Krankengeschichte

Etwas Schweres auf uns eintreffend, kann es uns aus der Bahn werfen. Neben dem Körperlichen war es unbedingt notwendig, auch ein neues seelisches Gleichgewicht zu finden. Bewältigungsstrategien zu entwickeln, gehörte besonders am Anfang zu meiner Rehabilitation. Immer wieder etwas finden, was mein Problem lösen kann. Diese Herausforderungen nehme ich bis heute immer wieder an.

Mit Verleugnung und Verdrängung muss ich aufpassen und genau abschätzen, wann ist es sinnvoll und wann nicht. Die Handlungsfähigkeit zu erhalten, kann aber oft besser sein und Verdrängung hilft dann.

Immer wieder zwischen hilfreichen und nicht hilfreichen Strategien unterscheiden zu können, um mich an neue Lebensumstände anzupassen, ist wichtig. Es würde mir nichts helfen, die Handicaps zu verdrängen, genauso schlecht wäre es, Themen zu vermeiden, Selbstbeschuldigung, Selbstmitleid oder sich falschen Illusionen hingeben.

Zum Glück habe ich mich nie in der Opferrolle befunden, dadurch war es mir möglich, aktiv an mir zu arbeiten und niemals aufzugeben, auch wenn die Vorzeichen schlecht standen. So hat jeder seinen eigenen Weg zu finden und ich habe meinen gefunden.

Ich habe noch immer eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), wo ich oft nur mit Verdrängung durchkomme. Langsames Aufarbeiten ist wichtig und sehr gut hat mir dabei das Pilgern geholfen.

Psychologische Hilfe und Pilgern ist im Moment aufgrund der Corona Situation nicht so einfach für mich, aber ich befinde mich trotzdem auf einem guten Weg.

Gehen sei deine Medizin! Hippokrates

Das viele Gehen, Pilgern oder am Walkabout, hat mir bisher am meisten gebracht. Ich habe mich für eine Rehabilitation, abseits einer herkömmlichen medizinischen, entschieden und das Heft selbst in die Hand genommen.

Die Schulmedizin hat Berechtigung in der Akutmedizin und damit sehr gute Erfolge, ist aber weniger in der Nachversorgung für mich gut. Für die Gesundwerdung und -erhaltung hat das österreichische Krankheitssystem nur beschränkt Sachen zu bieten.

Wer geht heutzutage zu seinem Hausarzt und fragt ihn: "Ich fühle mich gesund, was kann ich machen, dass es so bleibt?"

Wer hat das schon einmal gemacht? In Österreich geht man in der Regel nur zum Arzt, wenn man krank ist!

Gerade die Corona-Zeit zeigt es sehr gut, wie ganzheitliche Gesundheitsvorsorge LEIDER NICHT vorgezeigt wird!

Wieder nur durch Eigenregie kommt man da weiter, denn von der Politik oder Ärzteschaft kommt kaum was. Seit einem Jahr hört man nur übers Impfen, aber nichts vom gesunden Leben und wie das erhalten. Die seit bald zwei Jahren geschürten Ängste und die daraus folgende Probleme werden uns noch viel zu schaffen machen.

Gesundheit ist nicht vorgesehen in unserem Krankheitssystem. Gerade viele alternativen Sachen sind nur in Eigenregie möglich und werden von der Krankenkasse nicht bezahlt oder unterstützt. Das therapeutische Tanzen ist ein Beispiel, was so viel bringen kann. Es geht darum, ins Gleichgewicht zu kommen. Das "Tanzen" bringt mir dieses innere und äußere Gleichgewicht gleichermaßen, dessen Ausdruck in der Bewegung sichtbar wird.

Gleichgewicht trainieren im Wald
Durch den Wald tanzen!

Der Hirnabszess hat viel zu tun mit dem Gleichgewicht.

Einerseits der Schwindel, der mich immer wieder taumeln lässt, andererseits das innere Gleichgewicht, das Aspekte wie Gefühle, Emotionen und Kommunikation beinhaltet. Ein Gefühl für sich selbst finden, darin hilft mir das therapeutischen Tanzen.

Beim Gehen werden ebenso alle diese Aspekte geübt und trainiert. Es sind so viele Dinge zu beachten, dass es eben nur Step by Step vorwärtsgeht und man eine gehörige Portion Geduld aufbringen muss. Ich arbeite noch immer an kleinsten Fortschritten und das im sechsten Jahr.

Eigene Grundannahmen einmal hinterfragen?

Gut ist es, immer wieder seine Grundannahmen zu hinterfragen. Sind sie mir noch dienlich oder hilft es mir wirklich noch weiter? Das kann neue Möglichkeiten in sich birgen.

Es sind viele Möglichkeiten, die einem wieder mehr ins Gleichgewicht bringen können und da ist es gut, den eigenen Weg zu finden. Jetzt, in dieser Corona Pandemie, ist das besonders wichtig. Sich selbst wiederzufinden wäre heutzutage nicht nur für mich wichtig.

Das, was ich mache, wäre im Grunde genommen, in abgewandelter Form, für viele wichtig. Nur so kann ein gesundes Augenmaß dafür entwickelt werden, was zu mehr innerer und äußerer Gesundheit verhilft.

Zu diesem Gleichgewicht gehört auch die Harmonie, die nie vergessen werden darf. Mehr darüber ein andermal. Gleichgewicht und Harmonie finde ich zum größten Teil in der Natur.

"Wer in seinem Inneren geordnet und wohl bestellt ist, der kümmert sich nicht um das sonderbare und verkehrte Treiben der Menschen. Nur soweit wird der Mensch gehindert und zerstreut, als er von den Dingen in sich aufnimmt."

Thomas von Kempen
Im Wald und am Berg unterwegs

Das Jahr 2021, jedes Monat in Bild und ein bisserl Text!

Dieses Mal gebe ich einen Rückblick darüber, was im Jahr 2021 mein monatliches Highlight war. Ein Bild steht für jedes Monat und dazu ein bisschen Text.

Dieses Jahr wird eingehen in ein sehr wechselseitiges Jahr, mit Höhen und Tiefen, wobei mir Tiefen den Ansporn geben, meine Motivation hochzuhalten.

JÄNNER, im Jahr 2021

Langlaufen im Jahr 2021, Jänner
Langlaufen auf der Teichalm

Für den Jänner 2021 nehme ich das Langlaufen, welches mir wichtige Verbesserungen in Sachen Stabilität und Sicherheit brachte.

Mein Gleichgewicht wird immer besser, zumindest wenn ich in Bewegung bleibe. Es geht mal mehr, mal weniger gut. Ständiges Training dafür bleibt notwendig, denn wenn ich nicht übe, geht ist rückwärts.

Langlaufen ist eine gute Möglichkeit, in jeder Situation mein Gleichgewicht halten zu lernen. Außerdem ist es ein gutes Training für meinen Oberkörper und die Arme. Seit Corona bin ich in keinem Fitnessstudio mehr und versuche das Trainieren mit Gewichten zu kompensieren.

FEBRUAR

Therapeutisches Tanzen, im Februar 2021
Therapeutische Tanzen, meine beste Therapie

Für den Februar habe ich lange überlegt? Neben Langlaufen, Radfahren und viel Gehen, war das therapeutische Tanzen sehr entscheidend für dieses Jahr.

Alles, was ich möchte, ist eine Verbesserung der Wahrnehmung. Das therapeutische Tanzen gibt mir dazu ein immer besseres Spüren, von dem, was ich gerade fühle. Dieses erspüren konnte ich in all meinen anderen Aktivitäten anwenden und damit vorwärtskommen.

Mein Dank gilt meiner Therapeutin Hanna, die mich seit zwei Jahren therapeutisch begleitet und einen wichtigen Teil in meiner Rehabilitation spielt.

MÄRZ

Der steirische Apfel, März 2021
Gehen ist des Menschen beste Medizin, oder zumindest für mich!

Der März war für mich optimal. Im Tal kein Schnee, zum Langlaufen in den Bergen aber dafür genug. Schönes Wetter begünstigte das Wandern in den umliegenden Hügeln meines zu Hause und unterstützen das Gehen lernen.

Bei gemeinsamen Touren mit meinem Freund H., der Schmerzpatient ist, konnte ich das automatische Gehen schulen. Besonders auf Single Trails bergauf, konnte ich mich verbessern, indem wir redeten.

APRIL

Ausrüstung zusammenstellen, April 2021
Ausrüstung für den Walkabout

Der April stand neben der Therapie auch unter der Vorbereitung auf den Walkabout und dem Aussuchen der Ausrüstung.

Da ich zum Unterschied beim Pilgern in Spanien diesmal mit Zelt und Unterlegmatte unterwegs war, hatte ich besonderen Augenmerk auf das Gewicht zu legen.

Für mehr als 5 Kilogramm Basisgewicht + Wasser und Essen, ist meine Skelettmuskulatur noch nicht ausgelegt. Durch meine gewonnenen Erfahrungen beim Pilgern und Anleihen aus dem Ultraleichtwandern, konnte ich es ganz gut hinbringen. Weitere Verbesserungen sind eine Kostenfrage.

Ansonsten stand der April weiterhin unter Therapie, Trainieren und Verbessern, in allen Belangen.

MAI

Walkabout in Niederösterreich - Weinviertel
Walkabout in Niederösterreich - Weinviertel

Im Mai begann mein Walkabout, mit dem ich einen Abschluss nach fünf Jahren Therapie finden wollte. Ziel war es, die vier Kardinalpunkte, bzw. den östlichsten, nördlichsten, westlichsten und südlichsten Ort von Österreich zu erreichen.

Im Mai erwischte ich sehr viel Regen und die Zeit von Judendorf, zum östlichsten Punkt im Burgenland und weiter durch Niederösterreich, wurde zum Aufarbeiten der Zeit im Krankenhaus und die Jahre danach.

JUNI

Glücklich sein!
Glücklich sein!

Den ganzen Juni verbrachte ich am Walkabout. Nach dem Aufarbeiten im Mai war jetzt Glücklichsein angesagt. Ich hatte seit dem Hirnabszess noch nie eine so unbeschwerte und glückliche Zeit verbracht, wie in diesen Tagen, rund um Österreich.

Ein Walkabout hat den Sinn, sich seiner Identität bewusst zu werden und das ist mir, zum größtem Teil, auch gelungen. Dieser Weg durch meine Heimat bedeutete mir viel, denn wegen Corona wollte ich in Österreich bleiben.

JULI

Auf der Koralm, im Juli 2021
Koralm (2140 m), wenige Tage vor dem Ende

Im Juli erreichte ich nach 2.100 km wieder Judendorf und beendete meinen Walkabout nach 59 Tagen. und erreichte alle vier Kardinalpunkte Österreichs.

Weitwandern und Gehen gibt mir Sinn im Leben und werde ich weiterhin ausüben. Wieder zurück, brauchte ich lange, um mich daheim einzufinden.

AUGUST

Den Tag genießen, August 2021
Den Tag genießen

Wieder Leben zu lernen hat sich mit Corona verändert. Statt in die Stadt und ins Kino zu gehen, muss ich mich neu orientieren. Ich bevorzuge seitdem die Natur und die Ruhe. Mit der Hochsensibilität geht es mir damit zwar besser, aber kaum komme ich in den Straßenverkehr, merke ich, wie meine Wahrnehmung abbaute.

Die Anforderungen durch Corona im Lebensalltag, egal ob Einkaufen oder mit der Bahn fahren, kostet mir enorm viel Energie und verringerte meine Konzentrationsfähigkeit.

SEPTEMBER

Gesäuse, im Jahr 2021
Gesäuse, Obersteiermark

Den Herbst verbrachte ich öfters im Gesäuse. Das schöne Wetter nutzte ich des Öfteren für Ausflüge, um zu leben und nicht immer im Gedanken der Therapie unterwegs zu sein. Die Ausflüge waren dazu willkommen und brachten eine Abwechslung.

OKTOBER

Radfahren, im Jahr 2021
Radfahren für bessere Wahrnehmung

Im Oktober trainierte ich Radfahren, für eine bessere, bzw. schnellere Wahrnehmung. Nach dem Walkabout musste ich mit dem Rad fast bei neu anfangen. Das zeigte mir wieder, wie schnell ich wieder gelerntes verlieren kann.

Dranbleiben ist das Gebot der Stunde und das im richtigen Maße. Im rechten Moment "Innehalten" ist genauso wichtig. Der Walkabout brachte mir viel, aber die Corona-Zeit veränderte meine Rehabilitation und macht Therapie weiterhin nötig. Das neue Leben schaut anders aus, wie es vor Corona war. Das wird mir immer bewusster.

NOVEMBER

Balancieren, Gleichgewicht trainieren
Balancieren und Gleichgewicht trainieren

Der November wurde schwieriger mit meiner Rehabilitation. Das Wetter, der erste Schnee, es wurde kälter, das alles zerrte an mir. Alles Bedingungen, die mir das Leben schwer machen. Meine im Sommer gewonnene Leichtigkeit verschwand langsam und wich wieder mehr der Schwere.

Übungen vom therapeutischen Tanzen verwendete ich wieder vermehrt, um mehr Leichtigkeit zu erfahren, was aber gar nicht so leicht ist, machten doch die Kälte und der Schnee meine Bewegungen schwerfälliger. Der Herbst/Winter ist eine Zeit, die es zu Übertauchen gilt.

DEZEMBER

Vollmondwanderung im Dezember
Vollmondwanderung

Ein auf und ab im Dezember. Der Lockdown ließ mich wieder auf die Therapie fokussieren, Therapie in Eigenregie allerdings. Wandern zu Vollmond soll meine Wahrnehmung verbessern und die restliche Zeit verbrachte ich im Balance-Park oder ich machte Übungen zu Hause.

Bei einer Wanderung stürzte ich am Glatteis, was mir zunächst eine Prellung am Handgelenk einbrachte. Die Erschütterung war aber so hart, dass mein gesamter Körper geprellt zu sein schien. Es war meine erste stärkere Verletzung seit dem Hirnabszess, vor über fünf Jahren. Ich habe seither viel erlebt, muss aber nach wie vor sehr vorsichtig bei meinen Bewegungen sein.

Das Jahr 2021

Der Walkabout hat sicher alles andere überstrahlt und er hat mich wieder einen Schritt weiter gebracht. Ich darf mich aber nicht darauf ausruhen, denn Rückschläge werfen mich noch immer zu weit zurück.

Das Jahr 2021 ist mit der Corona-Pandemie allerdings ein Jahr, welches wieder einmal, wie das Vorjahr, meine Rehabilitation sehr verlangsamte.

...aber wie lautet mein Motto:

"Never give up!"


Zum Abschluss wünsche ich jedem ein gesundes, gutes neues Jahr und das sich jedem seine Träume erfüllen mögen und schließe mit einem Zizat von Antoine de Saint-Exupéry:

"Die Zukunft soll man

nicht voraussehen wollen,

sondern möglich machen."


Den Vollmond erLeben!

Die Tage um den Vollmond im Dezember 2021, nutzte ich für Wanderungen in der Nacht, um die Kraft des Mondes in dieser Zeit zu erleben. Den Rhythmus der Natur und des Lebens bringt mir der Mond auf eine Art näher, die mir sehr hilft. Denn Rhythmus und Routinen sind so wichtig für mich, um mit dem Leben besser umgehen zu können.

Es waren Wanderungen in der Nacht, wie bei eingeschalteter Lampe. Der Schein des Mondes machte die Stirnlampe nur selten notwendig und man spürte die Verbundenheit zur Natur noch stärker.

Mond erleben

Der Rhythmus des Lebens

Der Hirnabszess stellt mich immer wieder vor total unterschiedlichen Herausforderungen. Dabei ist es gut, wenn ich mich im Rhythmus der Natur bewegen kann, denn mit Rhythmus fällt alles leichter.

Der Rhythmus ist schon lange Teil des therapeutischen Tanzens. Ihn in allen unterschiedlichen Varianten zu erfahren, lässt ein entspannteres Leben zu. Besonders interessant ist es, zu einem schnellen Musikstück sich bewusst für eine langsamere Bewegen zu entscheiden und trotzdem in einem Rhythmus zu bleiben.

So lernte ich es, mich durch nichts aus der Ruhe bringen zu lassen, auch wenn alles um mich herum schnell ist. Langsam und bedächtig reagieren zu können, auch wenn es schnell wurde, brachte mir mehr Ruhe in den Tag. Der Mond zeigt uns dabei einen Rhythmus des Lebens und zeigt ihn durch seine verschiedenen Mondphasen, die jede seine eigene Bedeutung hat.

Therapie im Alltag erleben

Der Rundweg um Peggau war ein besonderes Erlebnis. Es war mir zwar klar, dass ich verschiedene Eigenschaften trainierte, es also mehr Training als Leben war. Trotzdem kann ich im Nachhinein sagen, dass das Erleben im Vordergrund stand.

Solche Tage sind mir die liebsten, denn Training durch Alltag ist das Schönste für mich. Deshalb gehe ich auch so gerne Pilgern, besonders in Spanien. Klar muss ich noch immer spezifisch an mir arbeiten, aber alles zu seiner Zeit. Ich komme immer besser damit klar. Da Corona das Leben sowieso veränderte, fällt die Stadt oder ins Kino gehen und anderes für mich weg. Das Leben findet für mich fast ausschließlich in der Natur statt.

Der Rundweg

11 km lang ist der Weg und man fühlt sich zeitweise so fern der Zivilisation. Durch den hellen Mond hatte man eine Aussicht auf die umliegenden Berge, bis zur Koralm. Es erstrahlte alles so unwirklich.

Das meiste besteht aus Forststraßen, so ist auch im Schnee gehen nicht so beschwerlich. Der Mond scheint dabei immer wieder durch die Bäume, ist aber meist am Himmel zu sehen.

Der Weg führt rund um den Steinbruch und die Felswand in Peggau. Trotz der Nähe, ist man sehr abseits unterwegs.

Das Leben als Training

In der Nacht gehen zu können, hängt eng mit meiner Wahrnehmung zusammen. Auf meinem letzten Camino Frances im Winter war ich oft ein bis zwei Stunden im Finsteren unterwegs, bis es hell wurde.

Durch die gestörte Propriozeption ist es eigenartig, aber ein gutes Training für die Automation. Der Augensinn ist ausgeschaltet und andere Sinne werden aktiviert oder anders wahrgenommen. Es kann anstrengend sein, aber gleichzeitig tut es mir gut.

Meine Sinne für die Wahrnehmung laufen auf Hochtouren, allerdings eben ohne den Sehsinn, der ja eigentlich mein Hauptsinn ist, um gehen zu können. Nur mit dem Licht des Mondes war es ein Erleben, dass meine Wahrnehmung schulte. Dazu der Vollmond, der einem Energie gibt und eine besondere Wirkung hat.

Vollmond am Camino

Meine erste "Nachtwanderung" hatte ich am Camino in Spanien. Unter dem Vollmond ging ich durch die Berge nach Finesterre, ans Meer. Ein unglaublicher Anblick, zu einer Zeit, wo ich noch gehen lernte und mir niemand etwas wegen meiner fehlender Propriozeption sagte.

Vollmond am Camino erleben

Mein Fazit:

Das Nachtwandern tut mir sehr gut. Vielleicht bekomme ich auf diese Weise meine Wahrnehmung und das Gehen noch besser in den Griff. Ich werde es in jedem Fall weitermachen und öfter auch in der Nacht gehen.

Mit den verschiedenen Mondphasen kann ich auch die Helligkeit regulieren. So kommt immer wieder etwas Neues in mein Leben, dass es wert ist, es zu machen. Auf diesem Wege wird auch meine Motivation hochgehalten.

"Die Sonne verleiht dem Mond seinen Glanz"

Anaxagoras, griechischer Philosoph, (499 - 427 v. Chr.)

Ich bin Jörg, wohne in der Nähe von Graz und blogge hier über meinen Weg zurück ins Leben, das ein Hirnabszess 2016 völlig auf den Kopf gestellt hat.
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