Sport gehörte schon lange vor meinem Hirnabszess zu meinem Leben. Ich war im Radrennsport und Extremradsport unterwegs, später auf dem Mountainbike und beim Trailrunning. Lange Trainingseinheiten, Ausdauer und körperliche Belastungen waren mir vertraut.
Damals konnte ich nicht wissen, wie wichtig diese Erfahrungen einmal werden würden.
Nach meinem Hirnabszess 2016 ging es plötzlich nicht mehr um Geschwindigkeit oder Leistung. Ich konnte nicht mehr gehen und musste grundlegende Bewegungen neu erlernen.
Meine sportliche Vergangenheit half mir dabei enorm. Ich kannte meinen Körper, war regelmäßiges Training gewohnt und wusste, dass Entwicklung Zeit braucht. Was früher Training für den Sport gewesen war, wurde nun Training für meinen Alltag.
Ich lernte wieder zu gehen – allerdings nicht mehr so wie früher. Die Automatik kam nicht vollständig zurück. Bis heute muss ich viele Bewegungen bewusster steuern.
Radrennsport, Extremradsport, Mountainbike und Trailrunning haben mich geprägt. Nach dem Hirnabszess bekam Bewegung jedoch eine völlig neue Bedeutung.
Heute geht es mir weniger um sportliche Leistung. Bewegung hilft mir, Fähigkeiten zu erhalten, meinen Körper wahrzunehmen und mein Nervensystem zu regulieren.
Der Sport von früher hat mir geholfen, wieder auf die Beine zu kommen. Aus ihm entwickelte sich schließlich auch das Weitwandern, das heute einen wichtigen Teil meines Lebens ausmacht.
Mein Ziel ist nicht mehr, wieder der Sportler von damals zu werden. Es geht darum, mit dem, was geblieben ist, möglichst viele Möglichkeiten zu erhalten.

