Warum zieht es manche Menschen immer wieder in den Wald? Nach meinem Hirnabszess spürte ich früh, wie gut mir die Natur tat. Heute verstehe ich besser, warum Wald und Nervensystem so eng zusammenhängen.
Warum zieht es manche Menschen immer wieder in den Wald? Nach meinem Hirnabszess spürte ich früh, wie gut mir die Natur tat. Heute verstehe ich besser, warum Wald und Nervensystem so eng zusammenhängen.
Nach über 700 Kilometern war Santiago nicht das Ende meines Weges. Ich ging weiter nach Muxía und Finisterre, blieb mehrere Tage am Meer und nahm mir erstmals bewusst Zeit für das Nichtstun. Dort begann ich zu verstehen, warum mir das Gehen so wichtig geworden ist und weshalb ich immer wieder aufbreche. Dieser Bericht erzählt von stillen Tagen am Atlantik, von neuen Entdeckungen, von der Neugierde auf das Leben und von Gedanken, die erst dann auftauchen, wenn man aufhört, immer nur weiterzugehen.
Nach über 370 Kilometern am Camino Norte begann in Oviedo endlich der Camino Primitivo. Was folgte, waren lange Tage durch Wälder und Berge, Regen, Nebel, stille Morgenstunden und die Suche nach dem eigenen Rhythmus. Ein persönlicher Bericht über das Gehen, die Einsamkeit und einen Weg, bei dem nicht Santiago das Wichtigste war, sondern das Unterwegssein selbst.
900 Kilometer zu Fuß. Camino Norte und vor allem Camino Primitivo. Zehn Jahre nach meinem Hirnabszess. Vielleicht ist dies kein gewöhnlicher Camino-Bericht. Denn ich möchte nicht erzählen, welche Herberge besonders schön war, wo das Essen am besten schmeckte oder welcher Ausblick mich am meisten beeindruckte. Natürlich gab es all das. Aber darum soll es hier nicht gehen.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, an dem ich jetzt stehe:
zu wissen, dass ich beides kann – mit Ziel gehen und ohne.
Ich war lange zu Hause und merke, wie es wieder enger wird.
Zu viel Denken, zu viel im Kopf.
Es ist Zeit, wieder loszugehen.
Der Camino Primitivo ist für mich kein Ziel, sondern der Weg zurück in einen Zustand, in dem alles einfacher wird.
Was man nach einem Hirnabszess nicht sieht Nach meinem Hirnabszess musste ich vieles neu lernen. Ein Hirnabszess ist vereinfacht gesagt eine Entzündung im Gehirn.Was das genau bedeutet, habe ich erst im Nachhinein wirklich verstanden. Die Folgen spüre ich bis heute. Gehen.Denken.Sprechen. Das klingt im ersten Moment greifbar. Aber das eigentliche Problem sieht man nicht. Ich […]
Wenn ich heute an meine ersten Caminos zurückdenke, dann sehe ich nicht nur die Wege, die Landschaften und die Begegnungen vor mir. Ich sehe auch die Ausrüstung, mit der ich damals unterwegs war, und ich merke, wie sehr auch sie ein Teil dieses ganzen Weges geworden ist.
Zehn Jahre sind seit meinem Hirnabszess vergangen. Mein Leben wurde am 27. März 2016 unterbrochen. Allerdings bekam ich die Chance, ein zweites Leben zu beginnen. Es ist weitergegangen, aber anders als zuvor.
„Folge dem, was dich lebendig macht. Und was dir Freude bereitet.“
Dieser Satz begleitet mich seit vielen Jahren. Vielleicht ist er die Essenz aus zehn Jahren Gehen, Üben, Wiederholen – und wieder Aufstehen. Zehn Jahre, in denen ich lernen durfte, was Lebensqualität wirklich bedeutet.
Meine Regulation kommt durcheinander. Unterwegssein im Pilgern oder auf einem Weitwanderweg bringt meine Regulation wieder in einen besseren Zustand.