Persönlicher Hinweis:
Ich lebe seit einem Hirnabszess mit bleibenden neurologischen Einschränkungen. Diese betreffen unter anderem meine körperlichen Möglichkeiten, meine Belastbarkeit, mein Denken und mein Tempo. Alles, was ich hier schreibe, entsteht aus dieser Lebensrealität heraus und ist nur vor diesem Hintergrund vollständig zu verstehen.


Stage 2, die Nordalpen am HexaTrek

Nach dem Jura bin ich mit dem Boot über den Genfer See gefahren, nach Thonon Les Bains (Beginn des HexaTrek Stage 2, die Nordalpen). Es geht durch das Herzstück der Alpen, die für mich allerdings die größte Herausforderung darstellen. Es war ein jahrelanges herantasten und Training, um diese durchgängig langen Anstiege bewältigen zu können. Die Muskelschwäche und neurologischen Probleme sind ja nach wie vor da.

Vor den hier beginnenden Nordalpen habe ich gehörig Respekt, denn es beginnen für mich die größten Schwierigkeiten in Bezug auf Ausgesetztheit und die große Höhenlage. Im geheimen überlege ich mir, manche dieser Abschnitte zu umgehen, wobei es allerdings auch die Schönsten sind. Alleine traue ich mich aber noch nicht darüber.

Die Nord-Alpen, Hexatrek Stage 2
Mt.Blanc, die Nordalpen, Hexatrek Stage 2
Hexatrek stage 2

Neue Schuhe in Thonon

In Thonon finde ich auch Shops für neue Schuhe. Der Hexatrek forderte das Material bisher sehr stark, besonders die Schuhe, die bereits nach 700 km total hinüber sind. Am Camino war ich gewohnt, die Schuhe erst nach 1200 bis 1400 Kilometer zu wechseln, hier sind sie schon nach 550 km fast hinüber und nach 700 km total am Limit.

Neue Schuhe sind jetzt vonnöten. Erst im dritten Shop von Thonon werde ich fündig. Mein bisheriger, ein Hoka Speedgoat 5 in der Wide Version, war mein bisher bester Schuh. Allerdings werde ich die Wide Version hier kaum bekommen. Ich probiere alle möglichen Modelle durch, aber keiner ist auf den ersten Versuch bequem genug.

Mein alter Schuh schaut zwar optisch noch gut aus, aber die Sohle und die Dämpfung ist bereits sehr in Mitleidenschaft gezogen. Bereits nach 400 km begann sich die Sohle zu lösen und ich musste sie immer wieder mit Superkleber ankleben. Nach 700 km war nur mehr ein dünner Belag, zuwenig für die Alpen.

In einem Ausrüster Shop entscheide ich mich für den Altra Olympus 5, den ich bereits in England verwendete und mir daher vertraut ist. Seine breite Zehenbox ist bequem und er hat eine zwar gute, aber geringere Dämpfung, als der Speedgoat. Die beste Alternative zu allen anderen angebotenen ist er allerdings.

Es geht los, auf in die Alpen

In den Alpen geht es ständig rauf und runter. Eigentlich nicht viel anders als zuvor in den Vogesen – nur sind hier die Anstiege und Abstiege deutlich länger.

Mit 1000 Höhenmetern komme ich oft gerade einmal zehn Kilometer weit. Der Weg verlangt hier eine ganz andere Kraft. Jeder Schritt bergauf kostet Energie, jeder Abstieg wieder volle Konzentration.

Also heißt es für mich, einen neuen Rhythmus zu finden. Einen Rhythmus, der es mir erlaubt, am Tag mehr Höhenmeter zu bewältigen, ohne dabei meine Kräfte zu früh zu verlieren. Am Campingplatz de l'Essert werde ich deshalb einen Ruhetag einlegen. Der Körper braucht diese Pausen.

Nach meinem Ruhetag breche ich früh auf. Die Beine sind wieder frisch, der Weg ruft. Im Laufe des Tages hole ich Willy ein, der bereits am Vortag gestartet ist. Mit dabei ist auch seine Katze Jamy. Ein ungewöhnlicher Anblick auf diesem Weg.

Wir gehen ein Stück gemeinsam. Während wir Schritt für Schritt vorankommen, sitzt Jamy gemütlich auf Willys Rucksack. Von dort aus beobachtet sie aufmerksam ihre Umgebung. Still, konzentriert, fast so, als würde sie den Weg genauso studieren wie wir.

Es ist ein besonderer Moment. Mitten in dieser großen Berglandschaft unterwegs zu sein – und dabei eine Katze zu sehen, die ruhig auf einem Rucksack sitzt und die Welt betrachtet. Auch das sind diese kleinen Begegnungen am Weg, die eine Reise so besonders machen.

Als uns Regen überrascht, finden wir Unterschlupf unter dem Vordach einer geschlossenen Hütte und warten das Ende des Schauers ab. Wir werden von Kühen bedrängt, die ebenso unter dem Vordach Schutz suchen wollen.

Auf dem nächsten Abschnitt werde ich von Sam und Matt, zwei Thruhikern aus Neuseeland, eingeholt. Sie gehen in einem flotten Tempo, und ich beschließe, mich einfach hinter sie zu hängen.

Es ist angenehm, ihnen zu folgen. Ich kann meine Energie ganz auf das Gehen konzentrieren, statt ständig auf die Navigation achten zu müssen. Schritt für Schritt geht es weiter durch die Berge.

Am Nachmittag zieht Regen auf, und auch ein Gewitter ist angekündigt. Die Wolken werden dunkler, die Luft schwerer. Gerade noch rechtzeitig erreichen wir das Refuge de Chésery und finden dort Schutz vor dem Unwetter.

Da der Regen nicht nachlässt und das Gewitter länger anhält, beschließen wir schließlich, hier zu bleiben und zu übernachten.

Refuge de Chesery, Hexatrek

Die Herausforderung Cheval Blance

Am folgenden Tag stellt sich mir die Frage: Soll ich mit Sam und Matt den schwierigen Weg versuchen oder eine Abkürzung nehmen, um die steilsten und gefährlichsten Passagen zu vermeiden? Ich entscheide mich bewusst dafür, auf dem Hexatrek zu bleiben und nehme die Herausforderung der Cheval Blance an – einem anspruchsvollen Abschnitt, der nicht nur physische, sondern auch mentale Stärke erfordert.

Die Cheval Blance ist bekannt für ihre ausgesetzten Stellen, steilen Anstiege und technisch anspruchsvollen Passagen. Um es klarzustellen, wir reden hier vom Weitwandern und nicht vom Klettern, allerdings reicht das schon für mich, wenn die Hände des öfteren zu gebrauchen sind. Schon beim ersten Blick auf den felsigen Grat wird mir klar, dass dies keine einfache Etappe wird. Der Trail ist oft schmal, und ein falscher Schritt könnte fatale Folgen haben.

Die größte Frage ist für mich, wie werde ich all das Wahrnehmen? Diese Gedanken begleiten mich während des gesamten Aufstiegs. Sam und Matt, die sicher und zielstrebig vorgehen, geben mir das Selbstvertrauen, mich auf diesem schwierigen Weg zu bewegen.

Die steilen Passagen sind besonders fordernd. Die Hände kommen oft zum Einsatz, um den Fels zu greifen und mich sicher weiterzubewegen. An manchen Stellen führt der Pfad so nah an den Rand, dass der Abgrund tief unter mir zu sehen ist. Hier hilft es mich voll und ganz auf die Bewegungen und Schritte der Neuseeländer zu konzentrieren, die mir als erfahrene Thruhiker Sicherheit geben.

Diese Etappe verlangt mir mental alles ab. Vor allem die ausgesetzten Stellen fordern höchste Konzentration. Hier gibt es keinen Spielraum für Fehler. Jeder Schritt muss sitzen.

Es ist nicht nur die körperliche Anstrengung, die mich fordert. Es ist auch diese ständige Präsenz der Angst vor einem Sturz. Eine Angst, die immer wieder auftaucht – und die ich Schritt für Schritt überwinden möchte.

Der Blick geht nach vorne, der nächste Tritt wird gesetzt, dann der nächste. So arbeite ich mich weiter über den Grat.

Wenn ich daran denke, dass ich noch vor zwei Jahren selbst auf manchen Brücken große Probleme hatte, wird mir erst bewusst, welchen Weg ich seitdem gegangen bin. Genau für solche Momente bin ich hier unterwegs, speziell beim Walkabout oder am JOGLE?

Rückblickend wird mir erst langsam bewusst, was die Überquerung der Cheval Blanche für mich bedeutet hat. Sie war einer der intensivsten Momente meiner Reise – vielleicht sogar der Höhepunkt seit meiner Rehabilitation.

Noch vor zwei Jahren hätte ich mir das nicht vorstellen können. Der Gedanke an schwankende Brücken, an schmale, ausgesetzte Grate und an diese schwindelerregenden Tiefblicke hätte mich damals wohl umkehren lassen. Zu groß war die Unsicherheit. Zu wenig das Vertrauen in meinen eigenen Körper. Doch genau diese Wahrnehmung, dieses Gefühl für Gleichgewicht und Raum, versuche ich seit vielen Jahren wiederzugewinnen.

Hier, mitten in den Alpen, habe ich mich dieser Herausforderung gestellt. Schritt für Schritt. Und ich habe sie gemeistert.

Im Moment selbst spüre ich das kaum. Die Anspannung ist zu groß. Der Weg verlangt meine ganze Aufmerksamkeit. Erst Tage später beginnt mir bewusst zu werden, was da eigentlich geschehen ist. Denn auch die kommenden Etappen verlangen weiterhin Konzentration – es warten noch einige schwierige Passagen auf mich.

So ist es oft auf diesem Weg: Während ich gehe, denke ich kaum darüber nach. Ich gehe einfach weiter. Und erst später erkenne ich, wie weit mich diese Schritte eigentlich gebracht haben.

Ein Meilenstein in meiner Rehabilitation

Die Überquerung der Cheval Blanche ist für mich nicht nur der physische Höhepunkt dieser Wanderung, sondern auch ein emotionaler Meilenstein.

Noch vor zwei Jahren hätte mich allein der Gedanke an solche Passagen vor beinahe unlösbare Probleme gestellt.

Ich erinnere mich gut an das Jahr 2021, beim Walkabout durch Austria. Am Arlberg wäre ich beinahe gescheitert. Links vom Wanderweg fiel das Gelände steil zum Bach hinunter. Dieser Anblick war für mein Gehirn kaum zu verarbeiten. Der Blick in die Tiefe brachte alles ins Schwanken, und ich musste immer wieder die Augen schließen, um nicht schwindlig zu werden.

Auch Brücken, egal ob klein oder groß, bereiten mir bis heute Schwierigkeiten. Das leichte Schwanken, kombiniert mit den oft tiefen Abgründen darunter, bringt mich manchmal zum Innehalten. Dann stehe ich kurz still, sammle mich wieder und gehe erst weiter, wenn der Kopf bereit ist.

Und doch hat sich in den letzten acht Jahren unglaublich viel verändert. Durch unzählige Schritte, durch Geduld und kontinuierliche Rehabilitation habe ich gelernt, mit diesen Situationen immer besser umzugehen. Vieles, was früher kaum möglich war, gelingt heute wieder.

Ganz verschwunden ist diese Unsicherheit jedoch nicht. Sie kann jederzeit wieder auftauchen. Aber heute weiß ich: Auch dann kann ich weitergehen – Schritt für Schritt

HexaTrek, Cheval Blance, von Links: Matt, ich und Sam
von links: Matt, ich und Sam, im Hintergrund der Mt.Blanc

Dank der Unterstützung von Sam und Matt und auch durch meine eigene, manchmal fast sture Willenskraft, ist etwas Wirklichkeit geworden, das lange Zeit unerreichbar schien. Die Besteigung der Cheval Blanche wurde zum krönenden Höhepunkt meiner bisherigen Reise durch die Alpen.

Eine Reise, die mein Leben verändert hat.

Vor acht Jahren, noch im Krankenhaus, setzte ich mir dieses Ziel. Damals war es kaum mehr als ein Gedanke, ein leiser Wunsch, der irgendwo in der Zukunft lag, so fern und eigentlich kaum zu Erreichen. Heute sind diese Bilder vom Krankenhaus Wirklichkeit geworden.

Dieser Moment erfüllt mich mit tiefer Dankbarkeit und mit einer Freude, die sich kaum in Worte fassen lässt. All die Schritte, all die Mühen, all die Zweifel – sie haben mich bis hierher geführt.

Und doch ist da neben dieser Freude auch ein anderer Gedanke, der leise mitschwingt:
Was kommt jetzt?

Wenn ein Ziel, das einen so viele Jahre begleitet hat, plötzlich erreicht ist, entsteht auch ein neuer Raum. Ein Raum voller Fragen. Vielleicht aber auch voller neuer Wege.

Was will ich?

Meine Handicaps sind damit nicht verschwunden. Sie begleiten mich weiterhin auf meinem Weg. Und doch hat sich etwas verändert.

Jetzt beginnt eine neue Phase. Eine Phase, in der es darum geht, ein neues Ziel zu finden und ihm eine Richtung zu geben.

Was macht mich wirklich glücklich und erfüllt?

Welche Fähigkeiten möchte ich noch weiterentwickeln?

Welche Ängste möchte ich noch überwinden?

Und welchen Beitrag kann ich zur Welt leisten?

Fragen, die mich in letzter Zeit immer öfter beschäftigen. Denn trotz meiner Behinderungen spüre ich deutlich: Ich möchte noch etwas tun.

Dass ich nicht mehr arbeiten kann, so wie früher, ist mir inzwischen bewusst geworden. Diese Erkenntnis war nicht leicht. Aber sie hat auch etwas geklärt. Jetzt geht es darum, etwas anderes zu finden. Etwas zu schaffen, das zu meinen heutigen Fähigkeiten passt.

Körperlich wird es wohl weiterhin das Weitwandern sein. Das Gehen ist und bleibt meine wichtigste Therapie. Doch auch der Geist möchte beschäftigt werden.

Das Wandern wird in meiner Zukunft eine besondere Rolle spielen. Und ich sehe meine Handicaps heute mit anderen Augen. Vieles hat sich verbessert. Meine Wahrnehmung ist stabiler geworden, sicherer als früher.

Was jedoch bis heute nicht zurückgekehrt ist, ist das automatische Gehen. Trotz der vielen tausend Kilometer funktioniert es nicht so wie früher. Gerade hier, auf dem HexaTrek, merke ich das besonders deutlich.

Die Wege sind oft schwierig – zumindest für mich. Mein Gehirn muss bei jedem einzelnen Schritt aktiv mitarbeiten. Ich denke jeden Tritt bewusst. Jeder Schritt braucht Aufmerksamkeit.

Ein Fehltritt ist keine Option.

Diese ständige Wachsamkeit verlangt eine besondere Form der Achtsamkeit. Der Kopf darf nie abschweifen. Immer wieder prüfe ich: Wo setze ich den Fuß? Wie liegt der Stein? Wie steil fällt der Hang ab?

Die Schwierigkeiten an der Cheval Blanche, wie eigentlich auf dem gesamten HexaTrek, liegen vor allem in den ausgesetzten und steilen Passagen. Für einen erfahrenen Bergsteiger mögen diese Stellen vielleicht harmlos wirken. Mancher würde darüber wohl nur lächeln.

Für mich jedoch ist der HexaTrek eine ultimative Herausforderung.

Von den schwersten Stellen habe ich keine Bilder. Fotografieren war dort für mich schlicht unmöglich.

Ich wollte durch nichts abgelenkt sein. In diesen Momenten zählt nur eines: volle Konzentration. Kein Griff zum Handy, kein kurzer Blick zur Seite.

Also ging ich weiter, Schritt um Schritt. Ganz bei mir, ganz beim Weg. Jeder Tritt musste sitzen.

Chamonix und Les Houches

Meine Dankbarkeit ist groß, diesen Abschnitt überhaupt in Angriff genommen zu haben. Und sie gilt auch Sam und Matt. Ohne sie hätte ich mich wohl nicht getraut, diesen Weg zu gehen.

Auf einem teilweise mit Seilen gesicherten Steig führt der Weg weiter in Richtung Chamonix. Dabei bewege ich mich die meiste Zeit auf etwa 2100 Metern Seehöhe. Die Landschaft ist beeindruckend, doch der Weg verlangt weiterhin Aufmerksamkeit. Schritt für Schritt geht es weiter.

In Chamonix nutze ich die Gelegenheit, mich neu auszurüsten. In einem der vielen Sportgeschäfte kaufe ich mir ein neues T-Shirt und einige Heringe für mein Zelt. Außerdem tausche ich meinen Spirituskocher gegen einen Gaskocher. Mit meiner eingeschränkten Feinmotorik ist dieser doch deutlich einfacher zu bedienen, als mit Spiritus zu kochen.

Am Campingplatz in Le Houches nehme ich mir Zeit für alles, was unterwegs kaputtgegangen ist. Ich repariere meine Ausrüstung und bereite mich auf die kommenden Etappen vor.

Größere Ortschaften werde ich in den nächsten Tagen kaum erreichen. Deshalb muss ich diesmal mehr Lebensmittel mitnehmen und entsprechend mehr Gewicht tragen. Doch auch das gehört zu diesem Weg dazu.

Vorbei am Mt.Blanc, HexaTrek

Mit Le Houches verbinde ich besondere Erinnerungen. Im Jahr 2002 war ich schon einmal hier. Damals filmte ich die Radzwillinge auf ihrer Nonstop-Tour von Graz zum Mont Blanc.

Als ich nun wieder durch diese Gegend gehe, kreuze ich sogar den Weg, den wir damals beim Aufstieg auf den Mont Blanc genommen haben. Alte Bilder tauchen auf, Erinnerungen an eine ganz andere Zeit meines Lebens.

Mit diesen Gedanken im Kopf gehe ich weiter. Die nächsten Kilometer gehören teilweise zur Tour du Mont Blanc, und stellenweise verläuft sie auf genau denselben Wegen.

So mischen sich Vergangenheit und Gegenwart. Erinnerungen von damals begleiten meine Schritte von heute.

Mt.Blanc, HexaTrek

Schön langsam beginne ich zu realisieren, was ich hier eigentlich geleistet habe. Das Gehen bereitet mir große Freude, und jeden Morgen kann ich es kaum erwarten, wieder auf dem Trail unterwegs zu sein.

Mein Tagesablauf in den Alpen bekommt nach und nach eine Routine. Genau diese Routinen helfen mir sehr. Sie entlasten mein Gehirn, weil nicht mehr alles neu überlegt werden muss. Viele Abläufe passieren immer gleich – und das gibt mir Sicherheit.

Im Moment fühle ich mich wohl. Vieles funktioniert.

An die langen An- und Abstiege gewöhne ich mich immer besser. Mein Körper hat sich angepasst, auch wenn meine Muskelschwäche sich kaum verbessert hat. Gehe ich in die Hocke, kann ich meist nicht mehr alleine aufstehen. Ich brauche etwas, an dem ich mich hochziehen oder festhalten kann.

In Supermärkten sieht das manchmal etwas seltsam aus. Aber das ist einfach so, und ich kann es nicht ändern.

Dafür hat sich etwas anderes deutlich verbessert: mein Atmen. Früher brachte mich schon die kleinste Steigung außer Atem. Heute ist das anders. Ich kann länger und ruhiger gehen, auch wenn der Weg bergauf führt.

In Richtung Südalpen, des HexaTrek

Ab jetzt führt mich der Weg immer weiter nach Süden. Schritt für Schritt entferne ich mich vom Mont-Blanc-Gebiet.

Hin und wieder tauchen noch Schneefelder auf. Dort muss ich besonders vorsichtig sein. Das Gehen auf Schnee fällt mir nach wie vor schwer. Der Untergrund gibt nach, jeder Schritt fühlt sich unsicher an, und mein Gleichgewicht wird sofort stärker gefordert.

Eine weitere Schwierigkeit am HexaTrek sind die Wege selbst. Oft sind sie übersät mit Steinen und Felsen. Für viele Wanderer gehört das einfach dazu. Für mich bedeutet es jedoch, dass mein Gehirn bei jedem Schritt aufmerksam bleiben muss.

Jeder Tritt will genau gesetzt sein. Jeder Schritt verlangt Konzentration.

Achtsam jeden Schritt zu setzen, ist hier die wichtigste Voraussetzung. Doch genau das kostet viel Konzentration und Energie. Mein Blick bleibt meist am Boden, beim nächsten Tritt. Einen Ausblick in die Landschaft bekomme ich nur dann, wenn ich bewusst stehen bleibe.

Während des Gehens muss mein Gehirn bei jedem einzelnen Schritt bleiben. Abschweifen ist kaum möglich. Dadurch ist dieser Weg für mich um vieles anstrengender als jeder Camino, den ich bisher gegangen bin.

Eine meiner größten Sorgen war immer, in schwierigem Gelände plötzlich Doppelbilder zu bekommen. Genau das möchte ich vermeiden. Deshalb ist es für mich so wichtig, immer stabiler zu werden. Nicht nur hier in den Bergen, sondern auch später im Alltag – in der Stadt und überall sonst.

Die eigentliche Kunst besteht darin, mich an der Grenze meiner Möglichkeiten zu bewegen, ohne sie zu überschreiten. Und gleichzeitig diese Grenze Schritt für Schritt ein wenig weiter hinauszuschieben.

Galabier, der "Tour de France" Berg!

Am letzten Tag der Nordalpen gehe ich Nachmittags den Col du Galibier hoch. Der genaue Weg der GPS Daten ist nicht anzufinden, so gehe ich die ersten Kilometer die Straße hoch. Es ist ein eigenartiges Gefühl diesen Geschichtsträchtigen Berg zu Fuß zu erklimmen und nicht mit dem Rad. Diese Tage sind geprägt von der Tour de France, denn immer wieder quere ich bekannte Pässe, die ich großteils nur vom Fernsehen kenne.

Nach 5 Kilometern auf der Straße, wechsle ich auf den Bergpfad. Der weitere Aufstieg ist zäh. Ein kaum begangener und noch wenig sichtbarer Weg führt nach oben und oft geht es durch steiles Geröll, wo der Weg überhaupt nicht zu sehen ist. Mit dem Handy navigiere ich mich hier durch, wobei es oft kerzengerade den steilen Hang hoch geht.

Den Pass erreiche ich hoch über dem Tunnel und der Straße und klettere vorsichtig über die steilen Schotterwände ab. Das erste Gasthaus an der Straße hat geschlossen. Also gehe ich weiter in Richtung Tal, wo eine Herberge eingezeichnet ist. Doch auch dort habe ich kein Glück – sie ist ebenfalls geschlossen, und zwar endgültig.

So bleibt mir nichts anderes übrig, als weiterzugehen. Mein Weg führt mich nun in Richtung Col du Lautaret.

Die Nordalpen am HexaTrek sind geschafft

Mit dem Erreichen des Col du Lautaret habe ich die Nordalpen geschafft. Ein besonderer Moment auf diesem langen Weg.

Es ist bereits 18 Uhr, als ich oben auf der Passhöhe ankomme. Dort entdecke ich ein offenes Restaurant – ein kleiner Glücksfall nach diesem langen Tag. Ich gönne mir ein warmes Essen und lasse die Anstrengung langsam von mir abfallen.

Danach mache ich mich auf die Suche nach einem Biwakplatz in der Nähe. Ein ruhiger Platz für die Nacht, bevor am nächsten Tag ein neuer Abschnitt dieser Reise beginnt.

Auf in die Südalpen

Am bisher kältesten Morgen auf dem HexaTrek beginne ich den Abschnitt durch die Südalpen. Der Col du Lautaret, immerhin auf etwa 2050 Metern, bildet die Grenze zwischen den beiden großen Alpenregionen.

Noch liegt vieles im Schatten, als ich mich auf den Weg mache. Die Luft ist frisch und klar. Erst langsam kommt die Sonne über die Berge und begleitet meine ersten Schritte in diesem neuen Abschnitt.

So beginne ich meinen Weg durch die Südalpen, weiter am Hexatrek.

Weiter geht´s im nächsten Blogbeitrag.

Auf in die Südalpen, Hexatrek
Kälte am Morgen, auch im August, bei +30° tagsüber


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Ich lebe seit einem Hirnabszess mit bleibenden neurologischen Einschränkungen. Diese betreffen unter anderem meine körperlichen Möglichkeiten, meine Belastbarkeit, mein Denken und mein Tempo. Alles, was ich hier schreibe, entsteht aus dieser Lebensrealität heraus und ist nur vor diesem Hintergrund vollständig zu verstehen.


Vogesen - Doubs - Jura, 670 km am HexaTrek geschafft!

Die ersten 700 km des Hexatrek in Frankreich liegen hinter mir. Der erste Teil ist somit geschafft, mit den Vogesen und dem Jura.

Ich bin am Genfer See angelangt und jetzt warten die Alpen. Das Schreiben ist sehr anstrengend und mir fehlt die Tastatur, so gibt es nur einen kurzen Überblick.

Die Vogesen, am Hexatrek

Die Vogesen sind bereits ein absolutes Highlight meiner Reise. So viel Kultur und so viele Burgruinen wie hier habe ich noch nie erlebt. Obwohl ich eigentlich für mein Gehirn ein Sparprogramm verfolge, tut es unglaublich gut, mich intensiver mit der Geschichte und den Sehenswürdigkeiten dieser Region auseinanderzusetzen. Interessanterweise hatten auch die Habsburger hier ihre Finger im Spiel.

Die Wanderungen führen bergauf und bergab, oft durch dichte Wälder, die einen angenehmen Schutz vor der Sonne bieten. Ich biwakiere fast die ganze Zeit, was bedeutet, dass ich immer genug Wasser für die Nacht dabei haben muss. Dadurch ist mein Rucksack oft ziemlich schwer – meistens um die 10 kg und mehr.

Der Fluss Doubs, am Hexatrek

Nach den Vogesen folgt der Fluss Doubs. Der Regenwald Neuseelands wirkt fast wie ein Vergleich in Sachen Schönheit.

Die unzähligen Grüntöne, die das Auge erfreuen, sind wahrhaft heilend. Moose und Flechten hängen von den Bäumen, und man fühlt sich wie in einem verzauberten Land.

Allerdings ist alles stets feucht und nass, besonders am frühen Morgen. Die Wahl des Zeltplatzes ist zwar entscheidend, bietet aber kaum Schutz vor der allgegenwärtigen Feuchtigkeit.

Der Jura

Im Jura entscheide ich mich längere Distanzen zurückzulegen und dafür mehr Wasser zu tragen. Es kommen mindestens 3 Liter zusammen, wodurch sich das Gewicht meines Rucksacks mit der Verpflegung auf über 10 kg erhöht. So viel habe ich seit meinem Hirnabszess kaum noch getragen.

Mit etwa 1600 Metern erreiche ich den höchsten Punkt im Jura. Von hier aus bietet sich eine atemberaubende Aussicht auf den Genfer See und die dahinterliegenden Alpen, mit dem majestätischen Mont Blanc im Hintergrund.

Meine Schuhe haben mittlerweile ihr Limit erreicht, und ich weiß, dass ich vor den Alpen neue brauche. Die Sohle ist stellenweise so dünn, dass sie sich bereits ablöst. Das zusätzliche Gewicht macht sich bemerkbar – sowohl an meinen Füßen als auch an den Schuhen.

Hexatrek 1.Teil, ist vollbracht

Diese letzten acht Jahre, jeder einzelne Jakobsweg, das viele Gehen und das ständige Training für mein Gehirn – ich möchte keines dieser Erlebnisse missen. Manchmal mag mich vielleicht jemand schief anschauen wegen meiner Besessenheit, zu gehen. Doch jeder Schritt war notwendig, um an den Punkt zu kommen, an dem ich heute stehe.

Natürlich spüre ich noch immer die Auswirkungen der Halbseitenlähmung, den verlorenen Automatismus und die Muskelschwäche. Aber mittlerweile habe ich gelernt, damit zu leben. Ich gehe viele Dinge anders an, und oft wundere ich mich selbst, wie ich in vielem auf eine neue Weise funktioniere. Das einzige, was mir bleibt, ist, mich an ein Sprichwort zu halten:

„Es ist, wie es ist, weil es IST – und nicht, weil es gut ist.“

Mein anderes Schicksal, ein Pflegefall zu bleiben, war nur einen winzigen Schritt entfernt. Doch mein unbeugsamer Wille und die klare Entscheidung, zu leben, hielten mich davon ab, auf einen Rollstuhl angewiesen oder gar im Bett liegen zu bleiben.

Allmählich spüre ich wieder, was es heißt zu leben. ❤️🍀🙏

Hexatrek
Grand Ballon, Vogesen

Im nächsten Teil werde ich dann über die Alpen berichten! Bis dahin auf Facebook und neuerdings auch wieder auf Instagram.

https://www.instagram.com/von0auf101



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Mission JOGLE - von Inverness nach Glasgow

Ja, meine neue Bezeichnung von Across Britain heißt "Mission JOGLE". Gegeben wurde er mir unterwegs von einem Wanderer, mit dem ich mich einige Zeit unterhalten habe.

JOGLE steht als Abkürzung für John o´Groats to Lands End, also der Durchquerung Englands von Nord nach Süd. Im Gegensatz dazu steht LEJOG, für vom Süden nach Norden.

JOGLE
JOGLE + South West Costal Path

Great Glen Way, von Inverness aus

Der Tag beginnt früh in Inverness. Zunächst steht der Great Glen Way am Programm. Es geht einen Kanal entlang, unterbrochen von Seen, die die Ost mit der Westseite Schottlands verbindet. Kleinere Schiffe können hier queren und es war sicher ein imposantes Schauspiel, als er um 1830 gebaut wurde.

Von flach kann erst keine Rede sein, immer geht es über Hügel rauf und runter. Dazwischen aber immer wieder flache Abschnitte entlang des Kanals.

Schönes Wetter begleitet mich und macht das Gehen zum Vergnügen. Allerdings bin ich mit meinen Schuhen nicht ganz glücklich. Die Altras sind super Schuhe, aber nicht wirklich für mich. Ich habe Blasen, in erster Linie wegen einer gebrochenenen Einlage und die Dämpfung hat mittlerweile stark nachgelassen, was meinen Nervenstörungen nicht zusagt.

Am ersten Tag komme ich am Loch Ness an, dessen dunkles Wasser mich empfängt. Jetzt stehe ich also hier an diesem Ort, wo es das Ungeheuer von Loch Ness geben soll. Der Ort Drumnadrochit gleicht aber eher einem Disneyland, so viel ist hier los. Aber nur hier, denn Abseits am Trail bin ich fast den ganzen Tag alleine.

Der nächste Tag ist wieder voller Waldenergie, nur unterbrochen von kurzen Regenschauern. Nach dem Loch Ness kann ich erstmals die Schleusen sehen, welche die Schiffe höherbringen und später wieder runter. Der Kanal führt ja von Meeres- zu Meeresseite.

Der zweite Tag wird sehr lange, denn Forst- und Bauarbeiten machen einen langen Umweg nötig, ohne das ich es vorger wusste. Auf den steilen Anstiegen verliere ich viel Zeit und komme erst spät zum Zeltplatz, der aus forstlichen Gründen noch um eineinhalb Meilen nach hinten verlegt wurde. Erst um 10 Uhr Abends komme ich an, dafür zelte ich am Seestrand und bin alleine.

Der letzte Tag wird regnerisch, allerdings immer wieder von der Sonne unterbrochen. Wieder einmal später als gedacht, komme ich in Fort Williams an. Ich bekomme etwas außerhalb ein Bett in einem Hostel, aber nur für diese Nacht, sonst ist alles ausgebucht. Das heißt, ich werde ohne Ruhetag in den West Highlander Weg starten müssen.

West Highländer Way, Highlight am JOGLE

Um sechs Uhr in der Früh geht es bei Regen los, auf den West Highlander Way. Steil geht es hoch, auf schmalem Trail. Ich wohnte abseits, daher muss ich erst auf den Trail kommen. Ein Nachteil im Regen ist es, kaum Pausen machen zu können, da ich dann im Regen stehe. Hinsetzen ist auch fast nie möglich, weil dafür alles zu nass ist, auch unter Bäumen.

Allerdings wie früher beim Radfahren, habe ich mich daran gewöhnt, während des Gehen zu essen. Schon in der Früh richte ich mir alles griffbereit her, eingeschlichtet in die zahlreichen Taschen auf der Vorderseite des Rucksacks.

Der Weg wird immer anstrengender und lässt mich nur langsam vorankommen. Ich gehe über unangenehm große Steine und ich muss immerfort aufpassen, nicht umzukippen. Mein Ziel ist es, die ersten beiden großen Berge zu überwinden und dann zu gehen, soweit ich komme. Um fünf Uhr erreiche ich Kingshouse, eigentlich ein Nobelhotel, wo es aber eine Stube für die Wanderer gibt. Nach einem Kaffee mit Muffin gehe ich noch zwei Stunden im strömenden Regen und schlage mein Zelt zwischen Bäumen auf.

Es regnet so stark, dass ich hoffe, halbwegs trocken zu bleiben. Am nächsten Morgen richte ich alles her, springe aus dem Zelt, baue es ab und spurte los. Die hiesigen Mücken, Midges genannt, fallen sofort über mich her und da bleibt nur die Flucht. Alle nicht geschützten Hautstellen werden befallen und die Viecher beißen zu. Echt unangenehm.

Sie können allerdings nicht schnell fliegen, deshalb ist man geschützt, solange man geht. Bleibt man stehen, ist man sofort umzingelt. Deswegen bleibe ich tagsüber kaum stehen und esse im Gehen.

Zelt wird undicht
Regen am West Highlanderweg, JOGLE

Das Gehen über die Steine war für mich gestern am Limit und heute wird es nicht besser. Jeder Schritt ist eine Qual. Mein Gehirn ist übermüdet von der dauernden Anstrengung, alles auszugleichen und andenken zu müssen. Ab der zweiten Tageshälfte ist es ein dahinwanken, weil das Gehirn nicht mehr mitkommt.

Vorbei am Loch Lomond

Den Tag beende ich am Eingang zum Loch Lomond, weiter schaffe ich es nicht. Auf einer Bergkuppe zelte ich über dem See und es lässt sich sogar die Sonne erblicken. Ich schlafe zehn Stunden und komme am Morgen erst gegen Acht los. Es wird ein Tag, den ich nicht so schnell vergesse.

Der Trail ist schmal und wird immer blockiger, mit großen Steinen. Für zwei Kilometer brauche ich über eine Stunde, so wild geht es neben dem See voran. So etwas habe ich selten erlebt. Ich brauche die Hände, um vorwärts zu kommen. Es ist manchmal wie klettern und es ist mir unbegreiflich, wie hier manche mit ihren doppelt so großen und schweren Rucksäcken vorankommen können.

Einige hundert Meter nach dem Abschnitt treffe ich auf zwei englische Herren. Einen Fotoapparat umgehängt, kurzes Leibchen und kurze Hose, sehen sie aus, als ob sie aus einem Pub vom Tee trinken gekommen sind. So stelle ich mir typische Engländer vor.

Sie fragen mich nach dem Weg. Ich antworte: "Da kommt jetzt ein wirklich rauhes Stück, etwa ein, zwei Meilen lang.". Als Antwort bekomme ich: "Puuhhh, ja, bei uns waren die letzten zwei bis drei Meilen auch wirlich tricky (Schwierig). Wie weit ist es bis ans Ende des Sees?". Für sie ist es bis dahin noch mehr als 10 Kilometer, gar nicht so einfacher Trail, aber das schreckte sie gar nicht. Wir verabschiedeten uns und gingen jeder seine Wege.

Ich erwartete hinter jeder Biegung, dass es wieder los geht, mit den Schwierigkeiten, aber es kam nichts. Nach 5 Kilometern über gute Trails, erreichte ich eine Schiffsanlegestelle, wo man sich aussetzen lassen konnte, um einen kleinen Teil des Weges zurückzulegen. Ob, wie und wann die beiden am Ende ankamen, blieb mir verwehrt zu erfahren, aber sie hatten es sicher nicht leicht, wenn schon der erste Teil für sie anstrengend war.

Es kamen noch einige schwierige Abschnitte und nach 35 Kilometern, am Ende des Sees, schlug ich das Lager an einem dort befindlichen Campingplatz auf. Nach zwei Tagen im Regen, konnte eine Dusche nur gut tun. Es war leider 10 Kilometer unter meinem Soll, denn so hatte ich am nächsten Tag noch fast 50 Kilometer bis Glasgow.

Gegenverkehr

Wieder schlief ich lange und kam erst um acht Uhr weg. Nach dem üblichen Midges-Problem beim Abbau des Zeltes, ging ich bei Sonnenschein los, um bald darauf wieder meinen Poncho überzuziehen. Dieses Prozedere sollte sich sicher zwanzig- bis dreissigmal an diesem Tag wiederholen. Sonnenschein wechselte sich andauernd mit Regenschauern ab, die teils heftig waren.

In einem wunderschönen Hotel mit Restaurant bekomme ich ausnahmsweise eine Kanne Kaffee, mit den Hausgästen. Das war ein Highlight diesen Morgen. Verschwitzt von drei Tagen im Zelt, saß ich neben sauberst gekampelten Wanderern, mit ihrem frischen Gewand.

Ich war mit ein, zwei anderen vom Norden kommend unterwegs, der Haupteil startet in Milngavie Richtung Norden. Dementsprechend viel Gegenverkehr hatte ich, was oft nicht einfach war, wegen der schmalen Trails. Immer wieder musste ich stehenbleiben und den Gegenverkehr abwarten.

Ziemlich gerade, bergauf, bergab, ging es dahin in Richtung Milngavie und dann passierte es, kurz vor dem Ende des West Highland Way. Ein graviereder Fehler, müde und schon etwas unachtsam, fingerte ich das Handy heraus. Dabei entglitt es mir und fiel mit der Displayseite voran auf den steinigen Boden. Das Malheur war passiert. Das Display hatte an mehreren Stellen Sprünge und funktionierte nicht mehr. In einem kurzen Moment konnte ich noch zwei Fotos auf gut Glück vorm Steinbild am Ende in Milngavie machen, aber danach ging nichts mehr.

Mit unzähligen Umwegen und immer wieder der Versuch, nach dem Weg zu fragen, kämpfte ich mich nach Glasgow, ohne die Unterstützung des Handys. Der Weg ist nicht markiert und deswegen schwer anzufinden.

Am Limit erreiche ich das Hostel und war zunächst einmal gerettet. Allerdings nur zunächst, denn noch stand mir das Wäsche waschen bevor. Im Hostel gab es keine Waschmaschiene, aber gleich daneben, an der Tankstelle. Leider war diese kaputt und man schickte mich 15 min Wegzeit zur nächsten. Die machte aber gleich zu, erbarmte sich aber meiner und zu meinem großen Glück, konnte ich zumindest die Wäsche waschen, aber nicht trocknen. Also wieder zurück zur Tankstelle, wo zumindest der Trockner funktionierte. So konnte ich endlich wieder einmal trockene Wäsche anziehen.

Unterwegs war ich nur mit einer kurzen Laufhose, dem Anorak und nassen Schuhen. Alles andere musste in die Wäsche. Noch am Abend kaufe ich ein neues Handy, um weitergehen zu können. Allerdings überschreitete ich mein Geldlimit und neue Schuhe müssen damit warten.

Fazit dieses Abschnitts des JOGLE

Die Landschaft ist wunderschön. Selten habe ich mich so wohl gefühlt. Durch das viele Zelten, bin ich der Natur noch mehr ausgesetzt, was mir unheimlich gut tut.

Natur am JOGLE
Natur pur

Auf der anderen Seite kostet es viel Energie, mit Zelt und selbst zu kochen, unterwegs zu sein. Da ist Pilgern natürlich leichter. Es tut aber gut, einmal aus meinen Routinen herausgerissen zu werden und mein Gehirn zu fordern.

Dieser Abschnitt bleibt mir in Erinnerung, weil ich schon lange nicht mehr so an meine Grenzen gegangen bin, aber nur die bringen mich weiter. Auf meinem letzten Jakobsweg habe ich zum ersten Mal wieder gelebt, hier hat der Weg mehr therapeutische Wirkung.

Es ist faszinierend zu sehen, wie sich mein Körper weiter entwickelt. Dazu habe ich hier tolle Möglichkeiten. Es ist besser, als wie jede Reha-Anstalt.

Ich bin auf (in) meiner Mission JOGLE!



Persönlicher Hinweis:
Ich lebe seit einem Hirnabszess mit bleibenden neurologischen Einschränkungen. Diese betreffen unter anderem meine körperlichen Möglichkeiten, meine Belastbarkeit, mein Denken und mein Tempo. Alles, was ich hier schreibe, entsteht aus dieser Lebensrealität heraus und ist nur vor diesem Hintergrund vollständig zu verstehen.


Gedanken zu "Across Britain"

Wichtig ist es mir, die Sache dahinter zu sehen. Manchmal möchte ich mehr, als ich kann oder draufhabe und dann wird es schwierig. Wie im Moment mit einer schlimmen Blase am Fuß, nach 6 Tagen bei "Across Britain". Daher höre ich darauf, was mir die Blase zu sagen hat.

Ich lege einen weiteren Ruhetag ein, um das Erlebte besser verarbeiten zu können und meine schmerzende Blase am linken Fuß ausheilen zu können. Darauf sollte ich hören, denn eine entzündete Blase kann schnell das endgültige Aus bedeuten.

Es geht um den Prozess und die Suche nach Fortschritten

Kilian Jornet, Trailrunner und Alpinist, hat recht damit, wenn er sagt, man solle nicht an Rennen und Ergebnisse denken, sondern an den Prozess und die Suche nach Fortschritten.

Der Focus soll darauf gerichtet sein, Fortschritte zu erzielen. Übersetzt auf mich heißt das, nicht die Fernwanderung ist das Ziel, sondern vielmehr, welche Fortschritte ich mit meinen Handicaps insgesamt erzielen kann. Ein Camino Frances oder Across Britain kann ein gutes (Zwischen-)Ziel sein, um konzentriert zu bleiben. Allerdings mein wahres Ziel bleibt, Fortschritte in körperlicher, wie geistiger Weise nach dem Hirnabszess zu erzielen.

Ruhetag und Essen kochen, Across Britain
Am Ruhetag selber kochen, gutes für sich tun.

Across Britain als Ziel?

Wäre die erfolgreiche Durchquerung von England mein Ziel, könnte ich mich danach hinsetzen und damit aufhören, weiter zu suchen. Suchen nach meinem persönlichen Fortschritt, wo es allerdings kein Ende gibt. Kein Gipfel, kein Jakobsweg, keine Fernwanderung, kann diesen persönlichen Fortschritt ersetzen, denn der liegt in mir selbst.

Allein, daß ich mich dem Ausgesetzt habe, nach Schottland zu reisen, ist für mich als Erfolg zu verbuchen, alles weitere ist eine Draufgabe. Möchte ich Abbrechen, ist es auch gut, denn dahinter steht ein Ziel, welches viel größer ist, als "nur" durch England zu gehen.

Letztens habe ich auf Facebook gepostet:

"Was du für den Gipfel hältst, ist nur eine Stufe"

Seneca

Across Britain ist nur das Erreichen eines Zwischenzieles, also einer Stufe, denn das wahre Ziel liegt wie immer, weit dahinter.

Inverness, Across Britain
Inverness

Ich möchte als Mensch reifen und dazulernen, dass Maximum, was für mich möglich ist. Jedes Jahr wende ich diverse Zeit für (Fern-)Wanderungen und Jakobswege auf, im Gegensatz dazu trainiere und übe ich aber jeden einzelnen Tag auch zuhause.

Mein Focus liegt auf jeden dieser einzelnen Tage und letztendlich vertraue ich darauf, dass alles am Schluss zu guten Ergebnissen führt, ob auf Fernwanderung oder zu Hause. Früher waren es bei mir, Erfolge und Siege bei Radrennen zu haben. Das sollte aber nebenbei passieren. Heute sind Fernwanderungen und Jakobswege um konzentriert zu bleiben, mein Hauptziel ist es, wieder rein ins Leben zu kommen.

Across Britain, Farnwiesen
Durch tiefe Farnwiesen, nahe dem Ozean.

Meinen größten Sieg aber durfte ich bereits erleben, der mehr als jeder Sieg bei Radrennen zählt, nämlich den Hirnabszess zu überleben. Dieses neu gewonnene Leben (er-)leben zu dürfen und mit besonderen Inhalten füllen zu dürfen, ist so schön und damit bekommt auch Behinderung eine neue Bedeutung.

Manchmal vergesse ich allerdings darauf, werde aber schnell eines besseren belehrt. Meist mit Dingen, die nicht so lustig sind. Demut ist dann gefragt und nicht, mit dem Kopf durch die Wand, denn das erzeugt Schmerz!



Persönlicher Hinweis:
Ich lebe seit einem Hirnabszess mit bleibenden neurologischen Einschränkungen. Diese betreffen unter anderem meine körperlichen Möglichkeiten, meine Belastbarkeit, mein Denken und mein Tempo. Alles, was ich hier schreibe, entsteht aus dieser Lebensrealität heraus und ist nur vor diesem Hintergrund vollständig zu verstehen.


Seit einem Monat bin ich vom Walkabout durch Austria wieder zu Hause und versuche mich im Leben daheim einzufinden. Vor allem die Motivation aufzubringen, auch in kleinen Punkten wieder Fuß zu fassen und mich einzugewöhnen. Nach zwei Monaten aus dem Rucksack zu leben, kommt es einem eigenartig vor, plötzlich wieder im Überfluss zu leben. Ich sehne mich an die einfachen Tage zurück, wo ich nicht mehr brauchte als das, was im Rucksack war.

In diesem und letzten Teil über meinen Walkabout, beschreibe ich die letzten 250 Kilometer, die mich nach dem Erreichen aller Kardinalpunkte von Österreich, wieder nach Hause in Judendorf bringen wird.

Kärnten

Vom südlichsten Punkt konnte ich einige Erfahrungen mitnehmen, aber auch meine Begrenzungen wurden mir eindrücklich bewusst gemacht. Was geht und was nicht, bekam ein neues Gewand, denn die Grenzen wurden mir deutlich aufgezeigt.

Trotzdem konnte ich von Eisenkappel freudig weggehen, denn alleine das ich gehen konnte, war mir Freude genug. Mit den Einschränkungen des Gehirn, aber auch der Bewegung, komme ich immer besser klar.

Lavamünd war mein nächstes Ziel, am Fuße der Koralm gelegen. Immer mehr wurde es mir bewusst, ans Ende meiner Tour zu gelangen.

Die Hängebrücke "St. Lucia"...

...am Drauradweg, war nochmals eine Herausforderung. 58 Meter hoch und 140 Meter lang, spannt sie sich über den Feistritztalgraben. Wie ein Slackliner am anderen Ende einen festen Punkt fixiert, so konzentrierte auch ich mich darauf. Solche Augenblicke kosten mir noch immer viel Energie.

In Lavamünd verließ ich die Drau, die seit ihrem Ursprung an meiner Seite war. Am Fuße der Soboth nahm ich Quartier, denn am nächsten Tag stand mir der letzte große Aufstieg bevor, hinauf zur Koralm.

Soboth und Koralm

Ein letzter Blick hinunter zur Drau und dann ging es steil weiter hinauf zur Soboth. Zum Glück war das meiste zum Gehen und nicht zu steigen. Ob Schlurfschritt oder steigen, es macht einen großen Unterschied. Besonders, wenn danach noch der lange Weg zur Koralm ansteht. Jedes Körnchen Kraft wollte gespart sein, immerhin gab es erst dort eine Übernachtungsmöglichkeit. Die Alternative wäre das Zelt gewesen, die ich aber vermeiden wollte.

Nach einem letzten steilen Aufstieg erreichte ich die Koralm mit der Flugsicherungsstation. Der höchste Punkt meiner Tour war damit erreicht und ich beschloss, es die letzten Tage ruhig anzugehen.

"After Camino Depression"

Denn das schwierige ist das Nachhause kommen nach einem langen Weg. Nach einem Camino spricht man oft über die "After Camino Depression". Es ist in der Tat nicht leicht, sich wieder an das zu Hause zu gewöhnen. Ich war so im täglichen Gehen drin, dass mir ein paar Tage zum Herunterkommen guttaten.

Edelschrott und Piber waren die letzten Stationen auf meiner Tour. Immer näher kam das Ende des Walkabout und damit diese Zeit der Freiheit, in der ich mich trotz Corona befand. Ich genoss jeden Schritt auf diesen letzten Kilometern.

Zu Hause ankommen will vorbereitet und gelernt sein. Dreimal war ich in den letzten drei Jahren länger als einen Monat unterwegs. Daher hatte ich einiges an Erfahrung gewonnen, um vom Ende des Walkabout nicht überrascht zu werden. Ich konnte mein Gehirn bereits Tage vorm Ende daran gewöhnen.

Die letzten Meter des Walkabout

Obwohl ich fast jeden Meter in meiner unmittelbaren Heimat kenne, ging ich auf neuen Wegen zurück. Und plötzlich stand sie vor mir, die Kirche von Judendorf-Straßengel!

Vor zwei Monaten habe ich sie hinter mir gelassen und bin in Richtung Osten aufgebrochen. Jetzt gehe ich auf sie zu, vom Westen kommend. Inmitten von Wiesen und Bergen steht sie da und ist ein schöner zum Anblick Abschluss für meine Tour.

Zurück in Judendorf vom Walkabout
Zurück vom Walkabout
rbt

2.100 Kilometer und 59 Tage später bin ich zurück und habe damit Österreich zu Fuß umrundet. Es war zum ersten Mal nicht mein Verlangen, körperlich etwas Verbessern zu wollen. Nur vom Gedanken wegkommen, alles für Rehabilitation und Therapie zu machen. Das ist mir gelungen. Ob es mir auch im Alltag gelingt, wird sich erst zeigen, aber die ersten Wochen stimmen mich Hoffnungsvoll.

Das Ankommen ist trotzdem eine eigene Sache. Der Körper braucht seine Zeit, sich auf die Alltagsroutinen umzustellen, besonders das Gehirn.

Walkabout durch Austria

Am liebsten würde ich weitergehen. In den letzten fünf Jahren fühlte ich mich in der Natur am wohlsten. Meine Defizite sind immer gleich stark, aber es macht einen Unterschied, ob ich mich in der Natur befinde oder in der Stadt. Es war sicher nicht meine letzte Fernwanderung oder Thru-hike.

Da das Laufen immer noch nicht möglich ist, habe ich im Gehen eine Art der Fortbewegung gefunden, die mir entgegenkommt. Es beinhaltet so viel Positives für Körper und Geist und brachte mir das Leben wieder näher. Das Pilgern wird ein Bestandteil meines Lebens bleiben, ebenso wie das Wandern.

So intensiv, wie ich mich auf meinen ersten Pilgerreisen dem Inneren zuwenden konnte, so schön habe ich immer wieder das Wandern empfunden, wenn es mehr um das Äußere ging.

Hirnabszess und Gehen

Der Hirnabszess veränderte mein Leben, wie es nur wenige nachvollziehen können. Selbst für mich ist es manchmal nicht leicht zu verstehen, was in mir vorgeht.

Eines ist mir aber bewusst: Vor wenigen Jahren war ein Hirnabszess noch absolut tödlich. Nur durch die Weiterentwicklung von Antibiotika konnte die Lebensgefahr einigermaßen reduziert werden, allerdings mit der Sache, dass mehr oder weniger große Behinderungen zurückbleiben.

Mein wiedergewonnenes Leben beinhaltete die letzten fünf Jahre ausschließlich Rehabilitation und Therapie und wird es auch weiterhin bestimmen. Allerdings darf ich nicht darüber vergessen, zu Leben. Denn was hätte es sonst für einen Sinn gehabt, den Hirnabszess zu überleben?

Ich verstehe Menschen immer besser, die in einer ähnlichen Lage wie ich sind, aufgeben zu wollen. Der Spruch, "Das Leben hat nur so viel Sinn, wie du ihm gibst!", bekam eine wichtige Bedeutung für mich. Es hatte einen Sinn, dass ich überlebe, es ergab aber keinen Sinn für mich, im Bett zu liegen und ein Pflegefall zu sein.

Ich wollte wieder selbständig werden, koste es was es wollte. Wenn ich an die Zeit im Krankenhaus denke, war mein Wunsch, es wieder alleine aufs Klo zu schaffen. Dafür nahm ich Monate Training in Kauf, mit ungewissen Ausgang.

Training, Training, Training

Ja, ich sah es als Training, wie wenn ich früher für ein Radrennen trainierte. Ein Ziel vor Augen haben, gab mir darin Sinn, eigentlich unmöglichen möglich werden zu lassen. Meine Motivation musste größer sein, als alle Hindernisse auf dem Weg dahin. Nur so konnte ich diese Zeit der kleinsten Schritte überstehen.

Als ich nach vier Monaten im Krankenhaus das erste Mal alleine die paar Meter aufs Klo schaffte, konnte ich meine Ziele ändern. Damals fuhr ich noch im Rollstuhl zurück, also war mein nächstes Ziel, selbständig von dort wieder zurückzugelangen. Damit hatte ich mir wieder ein Stück mehr an Freiheit erarbeitet. Denn Freiheit war mir, als im Zeichen des Schützen geborenen, sehr wichtig.

So ging es Monat für Monat weiter. In kleinsten Schritten, die für mich kaum wahrnehmbar waren, kam ich trotzdem vorwärts. Kaum jemand bekam mit, was ich dafür tat, da ich das meiste alleine machte. Vier Monate nach dem Krankenhaus erreichte ich zum ersten Mal den 300 Meter entfernten Waldrand. Von da an wurde der Wald und die Natur mein wichtigster Teil, auf dem Weg zurück ins Leben.

Auch die Motivation für Gymnastik und Krafttraining war ungebrochen. Besonders die Stärkung des rechten Fußes war mir wichtig, denn durch die Halbseitenlähmung war die rechte Seite gleich doppelt betroffen. Die Nervenstörung war die andere, die gleich den ganzen Körper betraf. Ich hatte an der gestörten Propriozeption zu arbeiten, durfte aber die Lähmung nicht vergessen und an den Übungen fürs Gehirn. Alles erforderte die gleiche Menge an Energie.

Hatte ich den Tag in der Kraftkammer verbracht, konnte ich am nächsten Tag nur fürs Gehirn was machen und war danach auf die gleiche Art erschöpft, wie mit körperlicher Arbeit.

Durch Österreich

Als bisheriger Höhepunkt meiner Rehabilitation, wurde mein Weg zu den Kardinalpunkten von Österreich, mein Walkabout. Gleichzeitig war es mein längster je gemachter, durchgehender Weg zu Fuß. Ich vereinte hier alles in den letzten Jahren gelernte und versuchte es umzusetzen. Der Sinn des Walkabout war es, meine Identität wiederzufinden.

Es war auch ein Auseinandersetzen mit vielen Traumen. Ich stellte mich Dingen, die ich mir vorher nicht zugetraut habe. Ich darf mich aber nicht auf den Lorbeeren ausruhen, gerade jetzt heißt es weitermachen und dranbleiben.

Meinen Körper weiter zu trainieren ist mir wichtig, da er mir noch länger dienen soll. Daher ist mein Weg nicht zu Ende, sondern mit dem nach Hause kommen hat ein neuer begonnen.

Wohin es mich noch bringen wird, weiß ich nicht. Noch habe ich einige Ziele nicht erreicht und daran werde ich die nächste Zeit weiter arbeiten. Besonders der Umgang mit Corona wird für die nächsten Monate ein wichtiger Bestandteil meines Lebens werden.


Nun folgt der Abschnitt zum südlichsten Punkt in Kärnten. Ich hatte zwar das Gefühl, mit dem Walkabout und dem Erreichen des westlichsten Punktes von Österreich mein persönliches Ziel erreicht zu haben, aber natürlich wollte ich die Runde um Österreich zu Ende gehen.

So hatte jeder Abschnitt seine bestimmte Aufgabe und ab jetzt konnte das Leben und das Genießen im Vordergrund stehen. Dadurch, dass ich schneller war als gedacht, konnte ich auch öfter ein Zimmer nehmen, was es für mich viel einfacher machte, obwohl ich das Zelten liebte. Die Regeneration war doch um einiges besser und ich musste einsehen, dass mein Körper noch nicht so funktionierte, wie ich gerne gehabt hätte.

Es war "mein" Walkabout und das machte ihn so besonders. Es ging zum ersten Mal nicht darum, etwas verbessern, therapieren oder trainieren zu wollen, wie bisher am Jakobsweg. Ich hatte nur das Ziel, durch Österreich zu gehen und die entferntesten Orte aller Himmelsrichtungen zu besuchen. Allerdings, dass wirkliche Ziel lag in mir selbst. Kilometer, Tage, Strecke waren mir eigentlich egal. Ich entschied immer erst in der Früh, welche Strecke ich nehmen wollte oder tagsüber wie weit ich ging. Ich wollte frei sein und mich meiner Fesseln der Krankheit entledigen.

Walkabout durch Austria

Plötzlich eine andere Sichtweise

Ich wusste es zwar, aber richtig aufgefallen ist es mir erst in Bangs/Vorarlberg, als ich auf dem Weg zurück nach Feldkirch plötzlich die Sonne von vorne hatte. Bisher war ich mit der Sonne im Rücken nach Westen unterwegs. Ab sofort sollte mir die Sonne am Morgen ins Gesicht scheinen. Ein wesentlicher Unterschied, denn damit war ich, physisch wie psychisch, auf dem Weg nach Hause.

Noch lagen über 800 Kilometer vor mir, je nachdem, welchen Weg ich einschlagen wollte. Für mich war es fix, ich wollte den Jakobsweg zurück über Südtirol versuchen. Das war irgendwie auch im Sinne des Walkabout, meine Identität zu finden. Denn eine meiner Wurzeln liegt in Südtirol, genauer gesagt in Meran, wo meine Vorfahren herkamen. Nur rund 50 Kilometer ging ich daran vorbei, wahrscheinlich auch deshalb meine Liebe zu den Bergen.

Es war ein eigenartiges Gefühl, dass mich jeder einzelne Schritt näher nach Hause brachte. Ich ging von Früh bis Abends und legte, für mich, große Strecken zurück.

Luxus vorm Arlberg

An einem Tag ging es  von Feldkirch zurück bis an den Fuß des Arlberg. Ich übernachtete in Stuben, wo ich mir ein Zimmer über booking.com buchte. Da die meisten Hotels erst im Laufe des Juli aufsperren werden, wurde ich nicht im gebuchten, sondern im Haupthaus untergebracht. Ein Luxus, den ich nicht erwartete, hatte ich doch aufs Geld zu schauen.

Mit durchgeschwitzten Gewand und abgekämpft saß ich im Empfangsbereich eines gut ausgestatteten Hotels und trank Kaffee, während mein Zimmer vorbereitet wurde. Meine Erscheinung passte nicht ganz hierher, aber das machte nichts. Trotzdem fühlte ich mich wie ein Waldläufer, der nach Wochen der Wildnis wieder einmal die Stadt betrat.

Die Annehmlichkeiten des Zimmers nutzte ich voll aus, wusch meine Kleidung und bereitete mich auf den nächsten Tag vor, der Überquerung des Arlberg. Schon um 5 Uhr früh schlich ich mich aus dem Hotel, welches noch im Tiefschlaf lag.

Der Arlberg Pass

Der Aufstieg zur Passhöhe stand mir bevor und danach wollte ich Landeck erreichen, was einen langen Tag bedeutete. Mein Weg führte mich zuerst Großteils über die Straße, da ich den Aufstieg über die Schneefelder meinen Knöcheln, wegen der fehlenden Tiefensensibilität, nicht zumuten konnte und wollte.

Im Schnee kommt die fehlende Propriozeption stärker zur Geltung, besonders bergauf. Egal ob Schnee, tiefer Sand oder hohe Wiese, ich tue mich schwer und es erschöpft mich schnell.

Schon so früh am Morgen den Arlberg zu überqueren, war ein tolles Gefühl. So alleine zu sein zwischen den hohen Gipfeln, inmitten des Schnees und der grünen Wiesen - ich war glücklich das Erleben zu dürfen.

Mir stand aber auch ein weiter Weg bis nach Landeck bevor. Bis dorthin wollte ich nämlich kommen, um wieder am dortigen Campingplatz zu übernachten. Ab Sankt Anton führte mich der Weg entlang der Rosanna zurück nach Landeck, meist am Radweg. Die letzten Kilometer ging es noch auf Single-Trails überraschend steil bergauf, bergab, ehe ich Landeck erreichte. Zufrieden schlug ich dort mein Zelt auf, hatte ich doch nur zwei Tage von Feldkirch hierher gebraucht.

Gehen

Gehen war  mein Leben geworden und gab mir Sinn. Wenn ich genug gehe, funktioniert auch alles andere besser. 10 Minuten stehen oder mit der Straßenbahn fahren, kann so anstrengend sein, weil ich dafür jeden Muskel für die Stabilisierung brauche und schnell ermüde. Durch die Muskelschwäche kann ich diese aber nicht wirklich trainieren. Gehen ist noch das Einfachste, wenngleich mir noch immer die Automatik fehlt.

Einen Fuß vor den anderen setzen, ist eigentlich alles. Im Prinzip schleudert der andere dann von alleine nach vorne und ich brauche kaum Kraft dazu. Was anderes ist Höhersteigen. Hier muss ich aktiv das Bein noch vorne oben bewegen. Daher gerate ich bei Bergen sehr schnell ans Limit, wenn es steil wird. Mich am Limit zu bewegen ist begrenzt, daher habe ich gehörig Respekt vor den hohen Bergen. Der Grad zwischen "geht" und "geht nicht mehr" ist sehr gering. Darum führe ich auch Biwaksack und Zelt bei mir, um mich jederzeit niederlegen und den Tag beenden zu können, egal wo ich bin.

Kloster Stams

Auch am nächsten Tag bin ich erneut wieder früh aufgebrochen, ich wollte erneut Stams erreichen und im dortigen Stift übernachten. Hier gab es ein Pilgerzimmer, für das ich mich am Vortag anmeldete. Am späten Nachmittag kam ich an und wurde von Frater Lukas herzlich empfangen. Ich entschied mich spontan im Stift einen Ruhetag einzulegen, der mir vor dem Weg durch Südtirol sicher guttat.

Ich konnte am Stiftsleben teilnehmen, was sehr interessant war. Gemeinsames Essen mit den Mönchen, Chorgesang und viel Ruhe taten mir gut. Es war eine willkommene Abwechslung und mein erster richtiger Ruhetag am Walkabout. Trotz der vielen Kilometer die ich täglich ging, stand das Leben und Genießen im Vordergrund.

Mit Frater Lukas gab es tolle Gespräche und Einblick in das Stiftsleben. Zur selben Zeit war eine Gruppe von BloggerInnen zu Gast im Stift und sie berichteten über das Stift. Hier ein Bericht von  https://www.travelworldonline.de/auszeiten-kloster/, in dem auch ich mit meinem Walkabout vorkomme.

Der Brennerpass

Vor Südtirol stand allerdings noch der Brennerpass am Programm. Ich kannte ihn bisher nur von Autobahnfahrten, mit viel Verkehr und laut. So war mir das Stubaital in Erinnerung, als schneller Alpenübergang. Es wurde dann eine faszinierende Wanderung durch ein Tal, dass Abwechselnd ruhig war und dann wieder von der Autobahn beherrscht.

Es war toll, zumindest die österreichische Seite, mit den Füßen zu entdecken. Allerdings waren die Wege nicht sehr viel begangen und deshalb oft sehr zugewachsen. Das erschwerte das Vorwärts kommen. Besonders die Abschnitte, die nur für den Jakobsweg waren, gab es dieses Jahr nicht, da dieses Jahr anscheinend kaum wer unterwegs war.

So stand ich vor einem mit Hüfthohen Gras bewachsenen Hang ohne Weg. Eine entfernt sitzende Bäuerin rief mir zu und deutete mir, geradeaus nach oben durch die Wiese zu gehen. "Es san no net viele heuer vorbeikommen, einfach grod die Wiesen hoch!", rief sie mir zu. Normalerweise gehe ich durch keine Wiese mit hohem Gras, aber die Bäuerin winkte energisch nach oben. Also stapfte ich Schritt für Schritt den Hang hinauf, wo das tiefe Gras sich wie tiefer Pulverschnee anfühlte.

Jakobsweg durchs Gras, Walkabout

Solche Abschnitte bringen mich ans Limit, denn mein Gehirn kann die Eindrücke nicht zusammenbringen, die auf mich einwirken. Das Sehen, das Empfinden und das Fühlen, alles auf einen Nenner bringen. Da kann ich nur abschalten und muss durch, bis ich nicht mehr kann. Dann Pause, Augen zu, den Puls zur Ruhe kommen lassen (zumindest der Versuch), versuchen alle äußeren Reize auszuschalten und nach einigen Minuten wieder weiter.

Zu oft am Tag darf ich das allerdings nicht machen, denn ich bin allzu schnell auf Null und dann geht gar nichts mehr. Wegen der Muskelschwäche muss ich extrem aufpassen. Daher tut mir Gehen als Ausdauertraining gut, denn mit gesteigerter Ausdauer kompensiere ich fehlende Kraft. Das lässt mich auch zuhause im Alltag länger durchhalten.

Den Brenner erlebte ich so anders, als ich ihn bisher kannte. Viele Steige und Wege führen abseits der Autobahn und zeigten mir ein völlig anderes Bild, als ich vom Brenner im Kopf hatte. Da kam es wieder einmal zum Vorschein, was es ausmachte, sich die Heimat zu Fuß, Schritt für Schritt, zu erwandern. Es gab auch Abschnitte neben oder unter der Autobahn, im Gegenzug dazu aber auch stille und ruhige Wege, abseits vom Verkehrslärm, inmitten grüner Wiesen.

Einige "Wahrnehmungstests" standen auch am Programm, besonders eine lange Hängebrücke blieb mir in Erinnerung. Mein Gehirn kann noch nicht die Bilder zusammenfügen, vom Blick in die Tiefe, der Luft um mich herum und das ich sicher stehe. Am Camino del Norte 2019 brauchte ich einmal 30 Minuten Erholung, um nach einer langen Brücke über einen Meeresarm weiterzugehen. Eine Brücke wie diese hier, hätte ich vor zwei Jahren kaum geschafft.

Der verkehrte Jakobsweg durch Südtirol nach Ost-Tirol

Ich erreichte später als gedacht die Passhöhe am Brenner und war überrascht vom Treiben auf italienischer Seite. Viele offene Cafés, mit Sitzgelegenheiten im Freien und voll mit Menschen. Ich kaufte ein wenig Verpflegung für den Moment ein, denn ich wollte noch das 15 Kilometer entfernte Sterzing erreichen. Am Radweg ging es entlang ins Tal, nicht wissend, dass ich viele Kilometer in den nächsten Tagen auf Asphalt verbringen würde. Das war die italienische Seite, völlig anders als im Stubaital.

In mir reifte der Entschluss, auf diesem Radweg Italien so schnell wie möglich hinter mir zu lassen. Nach einem wilden Abstieg auf einem schmalen Pfad, vom mittlerweile auf einer ehemaligen Bahntrasse führenden Radweg, erreichte ich Gössensaß. Von hier war es nicht mehr weit nach Sterzing. Kurz kam mir in den Sinn, über den Jaufenpass in Meran vorbeizuschauen, um von dort über Bozen, wieder nach Österreich zu gelangen. Die Corona Situation war zwar gerade gut, aber für mich war das Handling mit den Regeln im Ausland doch zu schwierig und ich verwarf den Plan. Um meine Identität zu finden, war der Weg durch Österreich genug, wenn es auch interessant gewesen wäre, meine Südtiroler Wurzeln zu suchen. Dafür gibt es ein andermal, da bin ich mir sicher.

Von Sterzing führte mich der Radweg vorbei an Franzenfeste mit seiner Festung, weiter nach Aicha und Sankt Sigmund, wo ich übernachtete. An solchen Tagen wünschte ich mir, Laufen zu können. Für Nachmittag bis Abend waren schwere Gewitter vorausgesagt und die schwarzen Wolken trieben mich lange vor sich her. Mein Schritt war nicht schnell genug und das Gewitter holte mich auf den letzten Kilometern ein.

Ich fand in St. Sigmund sogar eine Pension für Jakobsweg-Pilger und war wieder einmal gut aufgehoben. Am nächsten Tag lag Bruneck auf meinem Weg. Es war die erste Gelegenheit des Tages, an Kaffee und ein Frühstück zu kommen. Zunächst noch alleine durch ein paar Gassen, steuerte ich schnurstracks auf die Innenstadt zu. Plötzlich stand ich inmitten des Treibens und bekam fast eine Schock. Fast alle Menschen auf der Straße waren mit Maske unterwegs, nur auf den Sesseln vor den Cafés nahmen sie sie ab. Was für ein Unterschied zu Sterzing und die ersten zwei Tage in Südtirol.

Hier hatte alles eine Schwere, was mit der bisherigen Lebensfreude in Italien nicht zusammen passte. Meine Erfahrung über Italien bekam einen Dämpfer. In jedes Geschäft durften nur drei Personen, der Rest hatte draußen zu warten. Mein Gehirn kam nur langsam damit zurecht, denn ebendiese Veränderungen waren der Grund, dass ich nicht weiter weg in Ausland, zum Camino in Spanien, gegangen bin.

Mein Gehirn braucht zu lange, um es zu verstehen und reagieren zu können. Darum wollte ich eigentlich in Österreich bleiben und wagte nur den kurzen Abstecher nach Südtirol. Meine Kaffeepause ließ ich mir aber nicht vermiesen, trotzdem kehrte ich der Stadt recht bald den Rücken und war wieder alleine am Radweg unterwegs. Hier fühlte ich mich besser aufgehoben und in meinem Element. Zu Gehen bedeutete mir viel, viel mehr als alles andere.

Toblach - der Ursprung der Drau

Die meiste Zeit ging ich am Radweg. Kilometer um Kilometer verstrichen und ich genoss es, zu gehen. Dass es Asphalt war, war mir egal. Ich wollte unterwegs auf einem Campingplatz übernachten, aber dort angekommen, war kein Platz mehr für mein kleines Zelt frei. Für € 25,- hätte ich allerdings einen 90 m2 Platz bekommen, mit Strom und Sat-Schüssel Anschluss. Für ein 1-Mann Zelt ein bisschen überdimensioniert und außerdem war es mir zu teuer. Lachend lehnte ich dankend ab und spazierte weiter.

In Toblach fand ich zuerst nichts, außer Hotels über € 100,- die Nacht, was mir dann doch auch zu teuer war. In Gedanken bereitete ich mich schon auf eine Nacht im Zelt vor, als ich plötzlich eine Jugendherberge fand. Ein altes, früher großes Luxus-Hotel, wurde zu einem Hostel umfunktioniert. Wegen Covid war pro Zimmer nur eine Person erlaubt und es kostete mich nur € 30,-.

Erleichtert und glücklich ließ ich mich ins Bett fallen, denn für diese Nacht waren Gewitter vorausgesagt. In der Nacht tobten dann wirklich Gewitter und ich war froh, nicht im Zelt übernachtet zu haben. Am nächsten Morgen ging es seit langer Zeit wieder mit recht frischen Temperaturen los. Traumhafte Wege begleiteten mich in Richtung Grenze, wo sich auch der Ursprung der Drau befand. Zunächst war es mir noch nicht bewusst, aber das kleine Rinnsal neben mir war die Drau. Sie sollte ich bis zum Verlassen von Österreich fast immer an meiner Seite haben.

Vom Ursprung waren es nur 8 Kilometer bis zur Grenze von Österreich. Von rechts schauten die Berge rund um die Drei Zinnen auf mich herunter, zunächst noch vom Nebel bedeckt, der sich aber bald verzog. Auch der Radverkehr nahm zu. Ausgestattet mit E-Bikes, bevölkerten unzählige Radfahrer den Weg. Kaum jemand hatte sein Rad wirklich unter Kontrolle. In Kurven waren die meisten überfordert, da sie mit Elektrounterstützung weit schneller unterwegs waren, als mit einem normalen Bike. Es wäre interessant die Unfallstatistik zu lesen, vor allem die Unfallhäufigkeit mit oder ohne E-Bike.

Über Lienz nach Villach

Mein nächstes Ziel war Lienz. Die Drau war in der Zwischenzeit zu einem mächtigen Fluss angewachsen, zumindest für österreichische Verhältnisse. Es gab nicht viele alternative Wege, daher war es am besten der Drau zu folgen, nach Lienz, Spittal und später Villach.

In Villach beschloss ich, rund um den Faakersee einen weiteren Ruhetag einzulegen. Noch stand mir der südlichste Punkt bevor, der gar nicht weit von der Grenze zur Steiermark lag. Da der Schluss nochmal besonders viele Höhenmeter beinhaltete, wollte ich noch einmal Kraft sammeln.

Habe ich Erholung nötig?

Ja und nein! Ich dachte den ganzen Walkabout nicht ein Mal daran, dass ich in irgendetwas besser werden wollte. Mein Ziel lag nicht in der Verbesserung meiner Defizite, sondern ich wollte etwas machen, ohne den Gedanken an Therapie zu haben. Ich wollte den Walkabout machen, weil ich ihn für mich machte.

Weil ich es für mich machte, kam ich nie in eine Ermüdung oder Erschöpfung, deshalb brauche ich auch keine Erholung. War ein schwieriger Abschnitt, erholte ich mich danach im moderaten Gehen. Außerdem hatte ich, praktisch jeden Tag, meine 10 Stunden Ruhe oder Schlafenszeit. Besonders seit es ab Vorarlberg wärmer geworden ist, tat ich mich auch im Zelt leichter zu übernachten.

Es stand das Leben wieder im Vordergrund, das Aufarbeiten war zu Ende und ich wollte es ab jetzt gemütlicher angehen. Dinge wieder versuchen, die ich schon lange nicht mehr gemacht habe, wie zum Beispiel faul am See zu liegen. Das Leben zelebrieren fiel mir immer wieder ein, das hatte ich 2019 am Camino Norte erstmals wieder kennengelernt und am Camino France 2020 weitergeführt. Dann kam allerdings Corona und machte es mir unmöglich, weiter das Leben zu lernen.

Daher mein Walkabout durch Österreich, der einen Schlussstrich unter fünf Jahre Rehabilitation ziehen sollte. Das Gehen ist meine Erholung, daher brauchte ich auch keine Pause oder Erholung davon. Trotzdem besteht das Leben aus mehr, als nur Gehen. Das wollte ich auch am Weg praktizieren, denn hier konnte ich mein Gehirn darauf konditionieren, wieder zu Leben und nicht nur im Gedanken der Therapie zu sein.

Zum südlichsten Punkt von Österreich

Nach fast zwei Tagen Pause, wo ich das Treiben rund um den See genießen konnte, war ich wieder auf Achse. Am Campingplatz von Gotschuchen verbrachte ich meine bisher angenehmste Nacht im Zelt und erreichte am nächsten Tag Bad Eisenkappel, den südlichsten Ort von Österreich. Damit hatte ich die entferntesten Orte aller Himmelsrichtungen von Österreich erreicht, die auch als Kardinalpunkte bezeichnet werden.

Dafür brauchte ich 1850 Kilometer und die letzten ca. 250 Kilometer nach Hause in der Steiermark sollten auch kein Problem mehr darstellen. Erst dann war die Runde beendet. Zuerst wollte ich mich aber noch am südlichsten Punkt versuchen. Dieser liegt auf rund 2000 Meter Seehöhe und war von den Vier Punkten der am schwierigsten erreichbare.

Vorher aber feierte ich meinen Erfolg mit Kaiserschmarren und einem Glas Rotwein. Emotional ging mir vieles durch den Kopf, besonders vom Anfang meiner ersten Schritte und wie lange ich dafür brauchte. Immer mehr wurde es mir bewusst, dass es keine Selbstverständlichkeit war, was ich in den letzten Jahren erreichte und jetzt hier bei einem Glas Wein sitzen durfte. Es wurde nur durch meinen starken Willen möglich und daran, dass ich dranblieb. 

25 Jahre Bewusstseinsbildung und mentales Training im Sport bildeten die Grundlage für meine Rehabilitation, ohne die kaum alles möglich gewesen wäre. Ich prostete mir selber zu, denn es war Zeit zu feiern. Dankbar beendete ich diesen Tag, mit dem Wissen, dass die letzten Jahre nicht umsonst waren.

Der Aufstieg

Der Ort war erreicht, den Punkt wollte ich natürlich auch versuchen zu erreichen. Hin und zurück vom Gasthof waren es 34 Kilometer. Davon ging es die ersten 14 Kilometer das Tal hinein, von 500 bis 1000 Meter Seehöhe. Dann begann der steile Aufstieg durch den Wald, hoch zur Baumgrenze.

Eine Rinne querend, stieg ich in ausgesetztem, felsigen Gelände höher. Der Weg war durch ein Stahlseil gesichert. Hier stieß ich an meine Grenzen und musste aufpassen, diese nicht zu überschreiten. In etwa 1500 Meter Höhe ging es nicht mehr weiter, ich wollte mein Limit nicht herausfinden. Aufkommender Schwindel zeigte mir, dass ich besser umdrehen sollte. Erst als ich mich umdrehte und in die Tiefe blickte, wurde es mir bewusst, wie sehr ich mich am Limit bewegte. 

Langsamer als aufwärts, stieg ich nach unten. Jeder Schritt musste angedacht werden und erst wenn ich mir sicher war, konnte ich den Fuß auch belasten. Angespannt und steif erreichte ich den Einstieg. Die ersten Meter torkelte ich auf der Forststraße dahin. Zum Glück hatte ich die Stöcke, um mich auszubalancieren. Wie als wollten sie mir was sagen, tanzten zahlreiche Schmetterlinge um mich herum und erinnerten mich an die Leichtigkeit.

Zufrieden mit mir und der Welt ging ich zurück nach Bad Eisenkappel. Mit Kärntner Kasknödel feierte ich erneut.

"Die Wahrnehmung im Raum"

Zu Beginn habe ich lange nicht verstanden, was das bedeuten soll und es erklärte mir auch niemand. Hier brauchte ich nicht viel der Erklärung. Eindrucksvoll wurde es mir näher gebracht. Mit geschlossenen Augen verbrachte ich einige Zeit auf einem Felsen angelehnt und sitzend. Immer wieder durch die Augen blinzelnd, versuchte ich mich an den Ausblick zu gewöhnen und wieder Sicherheit zu erlangen.

Wahrnehmung am Walkabout

Die Erinnerung an den März 2018 kam auf, als ich zum ersten Mal am Jungfernsprung bei der Burgruine in Gösting stand. Ich traute mich nicht, trotz Gitter, an den Rand heran. Ich wollte mich am Gitter festhalten, konnte aber die Entfernung dorthin nicht abschätzen und griff ins Leere. Am Boden kriechend, versuchte ich es zu erreichen. Ich zog mich daran hoch, traute mich aber nicht, daran angelehnt zu stehen. Mit einer Armlänge Abstand blieb ich stehen. Diese Momente gingen mir durch den Kopf.

Jungfernsprung auf der Burgruine Gösting
Beim zweiten Mal traute ich mich schon näher ran

An dieser Wahrnehmung im Raum arbeite ich noch immer. Dazu gehört das Gehen und Bewegen im Raum besonders. Es ist ein Hinderungsgrund, dass ich noch nicht Laufen kann. Durch gezielte Steigerungen kann ich mich immer besser daran gewöhnen. Das ist zwar keine Behebung, aber diese Gewöhnung daran ist eine Verbesserung, die nur mit dranbleiben, möglich ist.

So brachte mir der Walkabout viele neue Erkenntnisse über mich selbst. Die größte Erkenntnis aber ist, solange ich Körper und Geist bewege, solange bleibe ich in einem guten Zustand. Dieses Dranbleiben ist so wichtig für meinen Gesundheitszustand. Im Gehen habe ich eine optimale Bewegung gefunden, obwohl ich vom Laufen noch immer träume.

Der Weg nach Hause in die Steiermark, zum Endes Walkabout Austria

...ist das Thema des nächsten Beitrags. Leider kann ich jeden Tag nur ein paar Zeilen schreiben, daher dauert auch so lange. Es geht zwar besser als gedacht, trotzdem möchte ich mich noch steigern. Gut Ding braucht aber Weile.


Nach dem Erreichen des nördlichsten Punkt von Österreich, stand mir der lange Weg nach Vorarlberg bevor. Über 600 Kilometer, mit der Überquerung des Arlberg, als persönlichem Höhepunkt. So hoch kam ich seit dem Hirnabszess vor 5 Jahren noch nie hinaus. Am Walkabout sollte sich das ändern.

Wieder galt es, nicht zu viel nachdenken, einfach gehen und alles Weitere auf mich zukommen lassen.

Im Waldviertel

Ich kam erst gegen 18h vom nördlichsten Punkt in Rottal weg. Der Plan war, über Haugschlag, Litschau, Gmünd und Karlstift, auf geradem Wege zur Donau hinab zu kommen und dann dem Jakobsweg zu folgen.

Die tägliche Suche nach dem Weg, war zu mühsam. Ich wollte möglichst ohne Navigieren gehen und das versprach mir der Jakobsweg am ehesten.

Zunächst stellte sich mir allerdings die Frage nach dem Übernachten.  Es wurde immer später und die Möglichkeiten weniger. Die Entscheidung fiel mir aber leicht, ich wollte so lange gehen, wie Licht war und mich dann einfach in ein Bushäuschen legen, um dann möglichst früh wieder auf Achse zu sein.

Gesagt, getan - sehr früh bin ich wieder aufgebrochen. Die Wartehäuschen im Waldviertel sind, wahrscheinlich aufgrund der Witterung, kleine, rundum fast geschlossene Hütten und damit ideal zum Pausieren, vor allem bei schlechtem Wetter.  Bestens für mich geeignet, denn das Zelt aufbauen erforderte einfach viel mehr Energie, die ich mir hier ersparte.

Bushäuschen im Waldviertel am Walkabout

Durch Nebelverhangene, mystische Landschaft, ging es durch Wälder, vorbei an Seen, durch kleine Dörfer oder an einzeln gelegene Häuser vorbei.

Gmünd

In Gmünd nahm ich mir ein Zimmer in einer Pension, die schon viel erlebt hatte. Ein älteres Ehepaar führte sie und ich erfuhr einiges von Ihnen, ihrer Pension, der Stadt und der Eisenbahn, die hier alle verband. Wir sprachen über Dampfloks, die gemeinsam in der Früh anfeuerten und den Himmel verdunkeln ließen oder wie sich die Stadt im Laufe der Zeit veränderte.

Auf meinem Walkabout in Gmünd

Ich merkte, dass diese Kommunikation nicht nur mir gefehlt hat, sondern seit Corona praktisch jedem Menschen. Das machte es so wertvoll für mich, Zeit für die Menschen unterwegs zu haben, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und ihre Geschichten zu hören. Auf diese Art der Gespräche freute ich mich jederzeit.

Karlstift

In Karlstift war ich erneut sehr spät unterwegs. Wieder stand mir eine Übernachtung im Zelt bevor. Ich ging bei einem der letzten Häuser vorbei, als mich ein Hund anbellte. Kurz darauf kam die Besitzerin hinter einer Hecke hervor und es folgte eine Unterhaltung.  Das Ergebnis war, dass ich mein Zelt auf ihrem Grund aufstellen konnte und es noch weitere spannende Unterhaltungen mit ihr und ihrem Mann gab.

Besonders die Aussage,"Wir sind jetzt über 60 Jahre verheiratet", berührte mich sehr. Was hatten die beiden nicht alles erlebt und durchlebt. Es war noch manch andere Aussage dabei, die mir die Tränen in die Augen trieb. Kurz vor dem Finster werden brachte mir die Dame noch einen Krug voll Wasser. Dankbar für diese Begegnung schlief ich ein.

Es war kühl, eigentlich sogar kalt, aber mit dem ersten Tageslicht baute ich das Zelt ab, um den Sonnenaufgang auf 1.000 Meter Seehöhe erleben zu können.

Diese Tage war ich die meiste Zeit Selbstversorger, denn fast alle Gasthäuser hatten zu. Es war immer so viel Essen in meinem Rucksack, dass ich damit über den nächsten Tag kam, im Notfall mit Müsliriegeln und Wasser. Ich konnte mich nicht darauf verlassen, ein offenes Kaufhaus anzutreffen oder eine Tankstelle, denn die waren oft abseits meiner Route, zu weit, um hinzugehen.

Nach Karlstift führte mich mein Weg entlang der tschechischen Grenze. Oft tief im Wald, begegnete ich keiner Menschenseele. Komischerweise kamen öfter Gedanken um Bären auf. Gab es denn in dieser Wildnis an der Grenze zu Tschechien welche?

Ich dachte öfter an den Appalachen Trail in Amerika, wie ich mich gegenüber Bären verhalten würde. Davonlaufen ginge sowieso nicht, also spürte ich hinein, wie groß mein Vertrauen zu mir selbst war? Es war eine gute Übung, die mir in den folgenden Wochen öfter helfen sollte. Ich spürte, dass ich immer mehr in meiner Mitte war und Tiere merken das sofort.

Vor allem Hunde, deren Besitzer mir oft sagten: "Das macht er nie!". Ich zog Hunde richtig an, aber nicht um angegriffen zu werden, sondern zuerst vorsichtiges beschnuppern, um danach gekrault zu werden.

Enns, der Beginn des Jakobsweg

In Enns führt der Hauptweg des Jakobsweges durch Österreich vorbei. Ein mehr oder weniger gut markierter Weg, der mich bis nach Vorarlberg bringen sollte. Zum ersten Mal war wirklich schönes und warmes Wetter.

Oberösterreich war das Land der Erinnerungen ans Radfahren. Fast in jedem Städtchen bin ich schon Radrennen gefahren. Ansfelden, Wels, Lambach, Schwanenstadt und viele mehr, lagen auf meinem Weg. Obwohl ich schon oft hier war, war für mich alles neu. Mit der Langsamkeit der Füße entdeckte ich jeden Meter und hatte Zeit, die Eindrücke zu verarbeiten.

Es waren aber nicht nur die Erlebnisse im Außen, die mich beschäftigten, die Inneren waren besonders stark. Stand der erste Teil des Walkabout unter dem Aufarbeiten vom Krankenhaus, so war es diesmal die Zeit danach.

Pfeifend, singend und tanzend zog ich dahin und muss für manchen ein recht komisches Bild abgegeben haben. Das war mir aber egal, denn durch die Tanztherapie hatte ich gelernt, meinen Körperimpulsen nachzugeben und mich darin nicht stören zu lassen. Die Hände fuchtelten oft umher und ein manchmal schwankender Gang ließen mich aussehen wie betrunken. Das half mir, mehr Lockerheit in den Körper zu bekommen, auch wenn es von Außen komisch aussah.

Pfeifend am Walkabout

Das schwere Gewicht des Rucksacks und der Vorwärtsdrang lassen mich oft starr werden. Seitliche Schritte und bewegen der Arme brachten wieder mehr Lockerheit. So wechselte ich oft ab, mit dem Ergebnis, dass ich wesentlich leichter und lockerer Gehen kann.

Obwohl ich oft langsam ging, legte ich Kilometer um Kilometer zurück und war am Abend verblüfft, so weit gekommen zu sein. Ich buchte nie im Voraus ein Quartier, sondern schaute ab 17 Uhr, wo ich war und welche Gasthöfe am Weg lagen. So hatte ich zwölf Stunden am Tag fürs unterwegs sein und so kamen auch die Kilometer zusammen.

Teststraßen

Ein wichtiger Punkt waren die Teststraßen, die es nur in den größeren Städten gab. Sonst nahm ich auch Apotheken in Anspruch oder was am Weg lag. Manchmal bedeutete das auch einen Umweg, den ich nur dann machte, wenn er nicht zu groß war.

Die Umstellung von "Negativ" auf "Nicht nachgewiesen" am Test, habe ich nie erfahren. Das erste Mal sah ich das in Sankt Johann in Tirol. Ich konnte das Ergebnis natürlich nicht abwarten und ging weiter. Irgendwann kam das SMS und ich schaute darauf. "Nicht nachgewiesen"???

Was war das jetzt? War mein Test ungültig oder fehlerhaft?

Zurückgehen nach Sankt Johann war mir nicht mehr möglich, daher wollte ich in der nächsten Stadt nachfragen. Zum Glück war der alte Test noch für diesen Tag gültig.Erst später sollte ich erfahren, dass die Bezeichnung geändert wurde.

Das Testen bekam ich dann immer besser in den Griff, allerdings waren die Teststraßen oft zu weit auseinander. Apotheken waren meist nur mit einem großen Umweg möglich, hatten Öffnungszeiten oder nur spezielle Termine für die Testung, die in meinen Weg nicht hineinpassten. Für solche Fälle musste dann eine Selbsttestung  her, die aber nur einen Tag gültig war.

Das immer zu bedenken, stellte mein Gehirn vor eine große Herausforderung. Ein anderer Aspekt war die große Ansammlung von Tests. Normalerweise verwendet man beim Pilgern einen Pilgerpass, worin die Stempel der Herbergen und Kirchen unterwegs dazu dienen, den Weg nachzuverfolgen. Mein Pilgerpass war die Sammlung der Tests, anhand derer ich meinen Weg durch Österreich verfolgen konnte.

Durchs Deutsche Eck nach Tirol

Es war lange für mich fraglich, ob ich über das Deutsche Eck gehen konnte oder innerhalb von Österreich bleiben musste? Zweiteres hätte einen Umweg von 150 km bedeutet und das über die Berge.  Die Situation um Corona beruhigte sich aber so weit, dass ich neben dem Deutschen Eck sogar erstmals den Jakobsweg retour durch Südtirol ins Auge fasste, um nach Kärnten zu gelangen. Mit diesen beiden Alternativen konnte ich die hohen Berge meiden, die für mich eigentlich noch nicht möglich waren.

Eine Nacht verbrachte ich auf einem Campingplatz im Deutschen Eck und am nächsten Tag war mein Ausflug nach Deutschland wieder vorbei.

Begegnungen am Walkabout

Das Salz in der Suppe waren aber nach wie vor die Begegnungen für mich. Wie  unterschiedlich die Charaktere durch Österreich waren, dass konnte ich auf jedem Meter, den ich vorwärtskam, bemerken. Zu Fuß unterwegs, bekam ich einen anderen Zugang zu den Menschen.

Auf der Flucht vor einem Gewitter nahm ich in Scheffau Zuflucht bei einer Liftstation. Der dortige Kaffee-Automat war defekt und kurzerhand wurde ich vom dortigen Skiverleih zum Kaffee eingeladen. Eine lockeres Gespräch entstand mit dem Seniorchef und seiner Frau, was mir das Warten verkürzte und mir neue Einblicke gab. Für mich waren das Bausteine auf dem Weg, lebte ich doch durch den Hirnabszess schon seit fünf Jahren im Social Distancing.

Hansis Sport in Scheffau
Walkabout durch Austria

Die Tage vergingen, abwechselnd im Zelt und in Gasthöfen verbringend. In Zams verpasste ich die Teststraße wegen einer Sperre am Weg. Ich musste Forstarbeiten abwarten, die mich viel Zeit kosteten. Ich ging noch weiter bis Landeck und verwendete den dortigen Campingplatz. Mit dem dortigen Betreiber, Lorenz, habe ich mich lange unterhalten, der als ausgebildeter Sportwissenschafter Interesse an meiner Tour hatte.

Der Arlberg

Am nächsten Tag startete ich schon besonders früh. Mein Ziel war der Arlberg, den ich, wenn möglich, an diesem Tag überqueren wollte. Die ersten Kilometer zogen sich dahin, besonders das viele auf und ab forderte mir einiges ab. Da ich am Vortag  nur einen Zutrittstest machte, hatte ich heute keinen gültigen Test. Erst in Sankt Anton kam ich an der dortigen Apotheke vorbei, die ich nutzte, um mir einen Test abzuholen. Um vierzehn Uhr startete ich in den Anstieg zum Arlberg. Ich musste damit rechnen, noch vor dem Gipfel im Zelt übernachten zu müssen.

Langsam, aber stetig stieg ich höher. Eigentlich ist es ein normaler Wanderweg, aber es gab ausgesetzte Stellen, die mir alles abverlangten.Ob Brücken oder ausgesetzte Stellen, meine Wahrnehmung kam dabei ans Limit.

Erst am Abend erreichte ich den Pass und musste dabei beim Absteigen einige Schneefelder queren. Ich war glücklich, als ich das letzte hinter mir lassen konnte. Ich stieg noch bis Langen am Arlberg ab, wo ich erst spät mein Zelt aufbaute. Trotz der Höhe, wurde es meine wärmste Nacht bisher, seit ich unterwegs war. Es sollte eine Ankündigung sein, was mich in den nächsten Tagen erwarten sollte.

Vorarlberg - zum westlichsten Ort und Punkt

Über Nüziders ging es nach Feldkirch. Die Temperaturen stiegen auf 35° und die Sonne brannte nieder. Ich fühlte mich wohl dabei, denn mein Nervensystem arbeitet bei solchen Temperaturen einfach besser. In Feldkirch übernachtete ich im Kloster und wollte erst am nächsten Tag die 8 Kilometer nach Bangs gehen.  Es war ein überwältigendes Gefühl, Österreich trotz meiner Handicaps durchquert zu haben. Der Walkabout hat seinen Sinn erfüllt.

Gesagt getan, am 18. Juni erreichte ich den westlichsten Ort und kurz darauf auch den westlichsten Punkt. So sehr emotional der Vortag war, so hatte ich kaum Gefühle. Es war ein Abhaken der Punkte und dann gings zurück nach Feldkirch.

Es gäbe natürlich noch 1000 andere Erlebnisse dazu zu erzählen, aber ich brauche Zeit, um alles verarbeiten zu können. Daher braucht auch mein Buch noch einige Zeit.

Im nächsten Teil des Walkabout geht es dann von Vorarlberg über Südtirol zum südlichsten Ort, Vellach/Eisenkappel in Kärnten.

(Zum ersten Teil des Walkabout)


Mein Walkabout durch Austria ist zu Ende. In 59 Tagen legte ich rund 2100 Kilometer durch Österreich zurück, unterwegs zu den entferntesten Orten aller vier Himmelsrichtungen. Dieser Bericht handelt vom Weg zum nördlichsten Punkt. Der Weg zum westlichsten und südlichsten folgt.

Das Ende des Weges ist zugleich ein Anfang, denn wie beim Pilgern gilt auch hier:

"Der Weg beginnt am Ende!"

Walkabout

Der Walkabout beinhaltete mehrerlei!

Ich wollte meinem ICH wieder näher kommen. Wer oder was bin ich, diese Frage stellte ich mir ja schon seit dem Hirnabszess!

Es ist mir gelungen, meinen Körper und Geist wieder (fast) zusammenzubringen. Darauf arbeite ich seit langem hin und ich kann mich an die Aussage nach meinem ersten Camino erinnern, dass es noch einige Caminos brauchen wird, ehe es so weit ist. Ja, es dauerte, aber ich habe einen guten Weg für mich gefunden und mir, was genauso wichtig war, die Zeit dazu gegeben.

Eine große Unterstützung war und ist noch immer, dass therapeutische Tanzen. Zuerst noch in der Gruppe, dann in Einzelsitzungen, konnte ich speziell an den verschiedensten Punkten arbeiten. Ein großes Danke dafür an meine Therapeutin Hannah T., die wesentlichen Anteil daran hatte, dass ich mich überhaupt auf den Weg machen konnte. Das therapeutische Tanzen ist eine Form der Therapie, die ich nie als solche angesehen oder empfunden hatte. Es half mir besonders durch das letzte Jahr der Pandemie und brachte eine gewisse Beruhigung in mein Leben.

Tücher vom therapeutischen Tanzen begleiteten mich.
Tücher vom therapeutischen Tanzen begleiteten mich

Was hat sich also getan in den letzten zwei Monaten?

Der Start des Walkabout war noch im Lockdown im Mai, deshalb wählte ich zunächst den Weg über die Berge, von mir zuhause bis zum Neusiedlersee. Es war mir wichtig zu sehen, wie ich in den Bergen zurecht komme und ob ich für diese Art zu Gehen schon bereit war. Denn in Österreich ist es etwas anderes, als in Spanien zu Pilgern.

Somit war ich als Selbstversorger in den ersten drei Tagen unterwegs, trug alles bei mir, auch das Essen. Alle Hütten waren geschlossen und zu meiner Überraschung, auch die Brunnen. Diese ersten Tage hatte ich immer wieder große Probleme, an genug Wasser zu kommen. Das Gewicht zum Tragen war höher als beim Pilgern. Denn neben dem Wasser hatte ich auch Zelt und Unterlegmatte mit dabei.

Am Wetterkreuz traf ich auf meine erste Begegnung. Mit dem Einheimischen Andreas unterhielt ich mich länger und es tat gut, meine Geschichte erzählen zu können und einfach Small Talk zu erleben. Seit Corona war das für mich kaum mehr möglich.

Das Essen musste ich rationieren, denn eines hatte ich übersehen. Für drei Tage hatte ich Essen mit und ein Einkaufen war erst am vierten Tag möglich. Allerdings waren am vierten Tag noch bis dahin 6 Stunden zu gehen, das hatte mein Gehirn nicht registriert. 300 mml Wasser und ein Müsliriegel mussten für diese Strecke reichen.

Erst in Gloggnitz kam ich zu Essen und Wasser. In einer Fleischerei kaufte ich mir etwas Warmes, mein erstes warmes Essen seit vier Tagen. Natürlich gab es das nur als Take Away und so blieb mir nichts anderes übrig, als auf einem Parkplatz, am Boden sitzend, es zu verdrücken.

Walkabout

Die beiden  nächsten Tage zum Neusiedlersee waren verregnet, gekennzeichnet von Orientierungsproblemen und Stromproblemen für das Handy.  In einer Tankstelle mit Take Away Kaffee, bat ich darum, mein Handy für eine viertel Stunde zu Laden, ich wollte abseits im Freien warten. Es schüttete in Strömen und ich wurde schroff hinauskomplimentiert, mit den Worten, "Des is net erlaubt bei uns!". Na ja, das waren sehr streng angelegte Corona-Regeln, aber denen musste ich mich beugen und ich stiefelte im Regen weiter.

In Neufeld an der Leitha kam ich am Handy Neufeld Shop vorbei, wo mir Yusuf meinem Handy wieder Leben einhauchte, damit ich überhaupt weitergehen konnte. Ein großes Dankeschön dafür. Ich war abhängig von der Technik, um mich orientieren zu können. Ohne Technik ließ mich mein durch die Krankheit verlorener Orientierungssinn im Stich.

Lockdown und Öffnung

In Neusiedl am See entschied ich mich das Ende des Lockdowns abzuwarten, bevor ich weiterging. Ich wollte nicht riskieren, weitere Tage im Lockdown und Regen zu verbringen, die mein Gesamtziel, nämlich durch Österreich zu gehen, womöglich unmöglich gemacht hätte.

Die Folgen des Hirnabszesses schränken meinen Körper noch zu sehr ein und ich wollte nicht dauernd am Limit sein, was es sonst zu schnell gewesen wäre. Der Weg alleine war sowieso schon am Limit für mich. Am 19.Mai endete der harte Lockdown und ging in einen weichen über. Gasthöfe, Hotels und Cafes konnten wieder aufsperren, wenn auch mit Regeln, die es mir nicht einfach machten.

Alle zwei bis drei Tage brauchte ich eine Teststraße, denn Eigentests hatte ich nur begrenzt mit. Zu viel nachdenken durfte ich nicht, ich ließ besser alles auf mich zukommen und musste dann eben reagieren.

Der östlichste Ort und Punkt von Österreich

Regen und Sturm machten es nicht leicht. In unwirtlichem Wetter erreichte ich Deutsch-Jahrndorf und ich ging noch die fünf Kilometer zum östlichsten Punkt, an das Dreiländereck Österreich, Slowakei und Ungarn. Alleine stand ich dort im Regen und Sturm, nach 266 Kilometern zu Fuß. Meinen ersten Ort und Punkt konnte ich damit abhaken.

Den Punkt mache ich immer mit, wenn er leicht erreichbar war, der Ort aber war mein Ziel. Denn ich wusste, der Unterschied vom südlichsten Ort und Punkt war sehr groß und für mich unter Umständen nicht machbar, da es zu ausgesetzt ist. Die Tour hatte ja den Sinn, besser ins Leben zu kommen und nicht alles dranzusetzen, um irgendwie an den weitesten Punkt zu kommen.

Tesla-Pilgern

Mein Freund Bernd begleitete mich ab Neusiedl für zwei Tage und stellte mir sein Auto fürs Übernachten zur Verfügung. Ein total luxuriöses Übernachten, denn der Tesla war im Innenraum immer ideal temperiert, anders als im Zelt. Bernd kreierte daraufhin das "Tesla-Pilgern".

Für mich hatte es den Vorteil, solange zu gehen wie ich wollte, denn dort wo ich war, stellte er das Auto ab und ich brauchte im Regen nicht das Zelt aufzubauen. Wie gesagt, ein total luxuriöses Schlafen, denn Gasthäuser gab es in dieser Gegend kaum, bzw. welche die offen hatten. Danke Bernd!

Tesla-Pilgern
Tesla-Pilgern

Als nächstes: Weinviertel

Das Weinviertel blieb mir sehr ambivalent in Erinnerung. Als Erstes fällt mir dazu nur Regen, Regen und Regen ein!

Es gab natürlich auch sonnige Tage, die aber fast immer mit Regen endeten. Mehrere Stunden am Tag stiefelte ich im Regen, nassen Gras und Schlamm dahin. An die wenigen Sonnenstunden erinnert sich mein Gedächtnis kaum, obwohl es die auch gab. Meist war der Vormittag sonnig und ab Mittag begann es zu Regnen.

Dafür entschädigten die Menschen unterwegs, auf die ich traf. Kommunikation war ein Thema, welches speziell seit dem Social Distancing eines wurde und das mich seit dem Hirnabszess begleitet. Ob Tom und Susi, die mich für eine Nacht aufnahmen, der Bauer, der mich im Vorgarten seines Hauses zelten ließ, oder Alexander Rüdiger, der mich kurz am Weg besuchte, trotz seiner Zeitknappheit. Es waren Begegnungen, die mir viel bedeuteten.

Natürlich gab es Regeln wegen Corona, aber wenn man die einhielt, stand der Menschlichkeit nichts im Wege.

Mit Stromproblemen hatte ich in dem Ausmaß nicht gerechnet. Durch den vielen Regen war es nicht möglich, über das Solar-Paneel Strom zu erzeugen. Da viele Tage im Zelt waren, musste ich irgendwie schauen, dass mein Handy Strom hatte. Denn das Handy war meine Navigation. Ich ging auf recht gerader Linie in Richtung nördlichster Punkt. Allerdings bestand diese Gerade aus unzähligen Abbiegungen, besonders zwischen den Feldern. Einmal falsch gehen, konnte einen immensen Umweg bedeuten.

Daher war mein Telefon ständig in Gebrauch. Die Komoot-App führte mich auf total schönen Wegen durchs Land, die ich ohne die App nie gefunden hätte. Aber es zeigte sich auch mein verloren gegangener Orientierungssinn, denn ohne App war ich verloren.

Ich watete durch Schlamm und Nässe. Die Temperatur war mit ca. 13° zwar angenehm, aber der Wind machte es viel kälter, als es war. Kam die Sonne heraus, wurde es warm und die grün leuchtenden Felder waren eine Wohltat fürs Auge und Gehirn. Das war aber nicht von Dauer, denn der wolkenlose Himmel veränderte sich schnell in eine graue Masse und Regen setzte wieder ein.

Durch das viele Gehen im Regen, wurden meine Schuhe sehr beansprucht. Sie hatten doch schon einige Kilometer drauf und sind innerhalb weniger Tage gebrochen und ließen das Wasser hinein. Das zusammen mit dem schwierigen Gehen auf den durchtränkten Feldwegen, brachte mir einige Blasen ein, wo ich doch sonst nie Blasen hatte. Aber diese Blasen wollten mir was sagen, war ich doch auf einem Walkabout, der eine besondere Aufgabe zu erfüllen hatte.

Trotz aller Plagen, verlor ich nie meine Freude. Ich war glücklich hier gehen zu können, egal ob der Umstände. In mir drinnen breitete sich ein innerer Friede aus, dem auch das Äußere nichts anhaben konnte.

Meinen Ersatzschuh hatte ich ab Salzburg eingeplant, dass sie jetzt schon brechen würden, hatte ich nicht bedacht, noch vor dem nördlichsten Punkt. So waren nasse Füße ab jetzt mein ständiger Begleiter und umso achtsamer musste ich mit mir, meinen Füßen und meinen Gedanken umgehen.

Durchs Waldviertel zum nördlichsten Punkt

Das regnerische Wetter hielt auch im Waldviertel an und die Übernachtungen im Zelt waren feucht und kalt. Etwa alle drei Tage nahm ich ein Quartier, wenn es eines gab. Ich durchquerte viele kleine Ortschaften, in denen das Gasthaus geschlossen war. Offene gab es nur in größeren Orten und damit war auch mein Übernachten auf diese begrenzt.

Corona forderte seinen Tribut und es war traurig zu sehen, welche Formen das annahm. Für kleine Gasthäuser am Land zahlte sich das Aufsperren nicht aus, denn mit den verbundenen Regeln war es unwirtschaftlich zu öffnen. Zwischen "ich trau mich" und "es geht schief", war ein schmaler Grat.

Gerade auf dem Weg zum nördlichsten Punkt musste ich immer wieder aufs Zelt ausweichen.

Aufarbeiten in Niederösterreich

Niederösterreich war für mich das Aufarbeiten vom Krankenhaus. Es kamen Dinge hoch, die ich lange verdrängt oder vergessen hatte. Wenn ich torkelnd durch den Schlamm watete, kamen in mir Erinnerungen hoch, vom Gehen lernen, von meinen ersten Schritten und der schnellen Erschöpfung. Fortschritte ließen sich für mich kaum erkennen und das Ziel schien unerreichbar. Trotzdem gab ich nicht auf und ich lernte mit "Step by Step" umzugehen. Andererseits motivierte es mich, nie aufgegeben zu haben. Das ließ es erst zu, mich auf diesen Walkabout zu begeben. Erinnerungen von meinen ersten Camino Frances, wechselten mit Erlebnissen aus dem Krankenhaus ab. Mein oftmaliges dahin stolpern am Camino, wegen der Halbseitenlähmung, aber auch mein Wille, es quasi einfach wegzugehen!

Dann gab es Momente, in denen war ich so glücklich und ich erfreute mich an oft kleinsten Dingen am Wegesrand. Ich beobachtete Schnecken und Ameisen und ich hatte das Gefühl, besonders zu Tieren eine besondere Beziehung aufbauen zu können. Natürlich hatte ich auch Gelegenheit, die verschiedensten Tiere zu sehen. Oftmals kamen sie als Krafttiere, in allen Varianten, in mein Leben. Dann hatten sie mir etwas besonderes zu sagen.

Unterwegs zum nördlichsten Punkt das Krafttier Käfer

Zum nördlichsten Ort und Punkt

Erst am späten Nachmittag kam ich nach Haugschlag und etwas später zum nördlichsten Punkt, an der tschechischen Grenze. Es war ein gutes Gefühl, die Heimat zu Fuß zu erwandern und jeden Meter tatsächlich zu Fuß zu erobern. Nach 514 Kilometer und 14 Tagen stand ich um 17h30 am nördlichsten Punkt von Österreich.

zum nördlichten Punkt

Trotz der Anstrengung fand ich es nie anstrengend. Die Leichtigkeit ist seit langem auch Thema im therapeutischen Tanzen, die langsam immer mehr Einzug in meinem Leben halten darf. Das Leben darf leicht sein und ich setzte immer nur einen Fuß vor den anderen und das über den ganzen Tag.

Allein, dass ich das konnte, machte mich überglücklich. Wenn mich jemand auf das Wetter ansprach, dann antwortete ich: "Ich habe über Monate im Krankenhaus keinen Regen auf meiner Haut gespürt, es war mein Ziel, dass wieder zu erleben!"

Regen macht mir nichts aus, einzig vor Gewittern habe ich gehörig Respekt. Allerdings musste ich auch einsehen, dass mein körperliches Befinden das Campieren noch nicht so gut verträgt und der Regen, verbunden mit Kälte, es mir doch schwerer machte, als gedacht.

Es gab viele Erlebnisse auf dem Weg zum nördlichsten Punkt Österreichs, die ich nicht mehr missen möchte.

Mein weiterer Weg zum westlichsten Punkt...

...Österreichs gibt es in ein paar Tagen im nächsten Artikel. Es tut mir gut, die Erlebnisse niederzuschreiben. Denn seit ich zu Hause bin, ist es so, als ob ich nie losgegangen sei!



Persönlicher Hinweis:
Ich lebe seit einem Hirnabszess mit bleibenden neurologischen Einschränkungen. Diese betreffen unter anderem meine körperlichen Möglichkeiten, meine Belastbarkeit, mein Denken und mein Tempo. Alles, was ich hier schreibe, entsteht aus dieser Lebensrealität heraus und ist nur vor diesem Hintergrund vollständig zu verstehen.


Das Erreichen von Vorarlberg, mit dem westlichsten Punkt von Österreich, war der bisher schwierigste Teil auf meinem Walkabout durch Austria.

Am 32.Tag gelangte ich zum am Rhein gelegenen Punkt, am wohl heißesten Tag meiner Tour, mit 34 Grad im Schatten.

Herausforderung Arlberg

Der Arlberg war die bisher Herausforderndste Strecke, kam ich doch in Höhen, die für mich erstmals möglich waren. Es wurde ein "Grenzgang", besonders für die Wahrnehmung.

Mehr dazu, wenn ich wieder zu Hause bin.

Jetzt geht es nach einem Ruhetag in Stams weiter, über den Brennerpass nach Südtirol, um bei Sillian wieder Österreich zu betreten.

Buen Camino 🙏



Persönlicher Hinweis:
Ich lebe seit einem Hirnabszess mit bleibenden neurologischen Einschränkungen. Diese betreffen unter anderem meine körperlichen Möglichkeiten, meine Belastbarkeit, mein Denken und mein Tempo. Alles, was ich hier schreibe, entsteht aus dieser Lebensrealität heraus und ist nur vor diesem Hintergrund vollständig zu verstehen.


Das Unterwegs sein am Walkabout durch Austria Teil 2, beschäftigt mich mehr als gedacht. Daher komme ich auch nicht zum Blogschreiben.

Ich habe bisher den östlichsten und nördlichsten Punkt von Österreich erreicht und bin auf dem Weg nach Vorarlberg.

Ich werde danach einen Bericht verfassen, ich brauche nämlich Zeit, alles zu verarbeiten. Es passiert soviel am Weg, vor allem in der Aufarbeitung.

Besonders der Weg ins Waldviertel war herausfordernd. Seit Oberösterreich bin ich am Jakobsweg unterwegs. Gesamt derzeit etwa 900 Kilometer.

Von dieser Wegstrecke ein paar Fotos:

Ich bin Jörg, wohne in der Nähe von Graz und blogge hier über meinen Weg zurück ins Leben, das ein Hirnabszess 2016 völlig auf den Kopf gestellt hat.
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