JOGLE – Meine Wanderung durch Großbritannien | Von 0 auf 101
JOGLE – Zu Fuß durch Großbritannien
Wie aus einer Idee eine Durchquerung wurde
Im Winter vor meiner Wanderung fiel mir ein Buch über den South West Coast Path in die Hände. Der Fernwanderweg entlang der südwestenglischen Küste weckte sofort mein Interesse. Ich konnte mir gut vorstellen, dort längere Zeit unterwegs zu sein.
Doch während ich nach weiteren Möglichkeiten suchte, begann ich, Großbritannien als Ganzes zu betrachten. Plötzlich war da nicht mehr nur dieser eine Küstenwanderweg, sondern eine Insel, die sich von Norden nach Süden durchqueren ließ.
Österreich hatte ich bereits zu Fuß umrundet. Warum also nicht ein weiteres Land auf eine andere Weise kennenlernen?
Was wäre, wenn ich ganz im Norden beginnen und bis in den äußersten Süden gehen würde?
Aus dieser Überlegung entstand mein Plan, Großbritannien von John o’Groats in Schottland bis Land’s End in Cornwall zu durchqueren. JOGLE – John o’Groats to Land’s End.
Warum ich immer wieder lange Wege suche
Der wichtigste Grund für diese Wanderung war allerdings nicht die Durchquerung eines Landes.
Seit meinem Hirnabszess im Jahr 2016 ist das Gehen für mich mit Einschränkungen verbunden. Vieles, was früher selbstverständlich war, muss ich bewusst ausführen, üben und immer wieder neu anpassen.
Lange Wanderungen geben mir die Möglichkeit, genau daran zu arbeiten. Nicht unbedingt, um immer schneller zu werden oder größere Leistungen zu erbringen. Sondern um meine Fähigkeiten im Gehen zu erhalten, zu verbessern und neue Möglichkeiten im Umgang mit meinen Einschränkungen zu entdecken.
Dabei möchte ich nicht ständig dieselben Wege gehen. Neue Landschaften, andere Bedingungen und unbekannte Situationen fordern mich auf unterschiedliche Weise heraus.
Großbritannien kannte ich damals noch überhaupt nicht. Gerade die Vielfalt seiner Landschaften machte dieses Vorhaben für mich besonders reizvoll.
Ein Leben, reduziert auf das Wesentliche
Was mich am Weitwandern besonders fasziniert, ist die Einfachheit des Lebens unterwegs.
Gehen, essen, schlafen. Den nächsten Weg finden, für ausreichend Versorgung sorgen und einen Platz für die Nacht suchen.
Viel mehr braucht es zunächst nicht.
Seit meiner Erkrankung ist meine Fähigkeit, mit den Anforderungen eines komplexen Alltags umzugehen, eingeschränkt. Ich komme besser zurecht, wenn ich mein Leben auf wenige wesentliche Dinge konzentrieren kann.
Auf langen Wanderungen ist genau das möglich.
Dieser Minimalismus bedeutet für mich deshalb nicht nur Freiheit von überflüssigem Besitz oder unnötigen Verpflichtungen. Er ist auch eine Möglichkeit, mit meinen Einschränkungen zu leben, ohne mich ausschließlich auf sie reduzieren zu müssen.
Ich wollte nicht einfach irgendwo sitzen und mein Leben auf das beschränken, was gerade noch möglich war. Ich wollte herausfinden, was innerhalb meiner Möglichkeiten noch alles entstehen konnte.
Die Herausforderung liegt nicht nur im Gehen
Natürlich war eine solche Durchquerung auch eine Herausforderung.
Doch die eigentliche Schwierigkeit bestand für mich nicht allein in der Länge des Weges.
Wie würde ich mit der Anreise zurechtkommen? Wie mit der Orientierung in einem fremden Land? Würde es mir gelingen, die täglichen Abläufe zu organisieren, mit unerwarteten Situationen umzugehen und dabei meine körperlichen und kognitiven Grenzen ausreichend zu berücksichtigen?
Solche Fragen begleiten mich auf meinen Wanderungen immer wieder.
Gleichzeitig wusste ich aus meinen bisherigen Erfahrungen, wie gut mir das Unterwegssein in unterschiedlichen Landschaften tut.
JOGLE war deshalb für mich nicht nur eine Wanderung durch Großbritannien. Es war eine weitere Möglichkeit, das Gehen zu üben, selbstständig Entscheidungen zu treffen und meinen eigenen Lebensraum zu erweitern.
Meine Wanderung von John o’Groats bis Land’s End
In den folgenden Berichten erzähle ich von meiner Durchquerung Großbritanniens. Von den Landschaften, den Begegnungen und den Schwierigkeiten unterwegs. Aber auch von den vielen kleinen Erfahrungen, die eine solche Wanderung für mich wertvoll machen.
Denn es geht mir nicht nur darum, ein Ziel zu erreichen.
Es geht darum, unterwegs zu bleiben und immer wieder neue Möglichkeiten zu finden.
Meine Reiseberichte – von John o’Groats bis Poole
In den folgenden Beiträgen nehme ich dich mit auf meine Wanderung durch Großbritannien. Von den ersten Tagen im Norden Schottlands über die unterschiedlichsten Landschaften Englands bis nach Land’s End.
Ich erzähle von meinen Erlebnissen unterwegs, von Begegnungen, Schwierigkeiten und Entscheidungen. Aber auch davon, wie ich versuchte, mit meinen Einschränkungen zurechtzukommen, meine Fähigkeiten im Gehen weiterzuentwickeln und meinen eigenen Rhythmus zu finden.
Nach der Durchquerung Großbritanniens führte mich mein Weg auf dem South West Coast Path weiter bis nach Poole.
Die einzelnen Berichte erzählen diese Reise aus meiner damaligen Perspektive – mit allem, was unterwegs dazugehört hat.
Alle Berichte meiner JOGLE-Wanderung
Hier findest du die einzelnen Abschnitte meiner Wanderung von John o’Groats bis Land’s End.
Das Abenteuer „Across Britain“ – oder wie es hierzulande genannt wird: JOGLE – hat begonnen. Zwei bis dreitausend Kilometer warten auf mich, je nachdem wie ich gehe. Im Hinterkopf geistert in mir herum, dass ich wieder alle vier Kardinalpunkte erreichen möchte, also die vier entferntesten Punkte aller Himmelsrichtungen.
Wichtig ist es mir, die Sache dahinter zu sehen. Manchmal möchte ich mehr, als ich kann oder draufhabe und dann wird es schwierig. Wie im Moment mit einer schlimmen Blase am Fuß, nach 6 Tagen bei "Across Britain".
Ja, meine neue Bezeichnung von Across Britain heißt "Mission JOGLE". Gegeben wurde er mir unterwegs von einem Wanderer, mit dem ich mich einige Zeit unterhalten habe. JOGLE steht als Abkürzung für John o´Groats to Lands End, also der Durchquerung Englands von Nord nach Süd.
Zwischen meinem letzten Blog und heute liegen 800 Kilometer, randvoll mit Erlebnissen und Ereignissen. Meine Mission JOGLE wurde dem Namen gerecht, es wurde eine Mission für mich. 1.350 Kilometer habe ich somit hinter mir.
Mein letzter großer Teilabschnitt des JOGLE steht bevor. Ich entscheide mich für den Weg an der Küste, mit dem South West Coast Path. So lerne ich auf meiner Mission JOGLE beinahe alle großen Weitwanderwege Englands kennen.
Meine Durchquerung von Großbritannien ist Wirklichkeit geworden. Mit dem Erreichen von Lands End und mit dem südlichsten Punkt, Point Lizard, habe ich den JOGLE und die Nord/Süd Durchquerung von Großbritannien abgeschlossen.
Wenn ich heute an meine ersten Caminos zurückdenke, dann sehe ich nicht nur die Wege, die Landschaften und die Begegnungen vor mir. Ich sehe auch die Ausrüstung, mit der ich damals unterwegs war, und ich merke, wie sehr auch sie ein Teil dieses ganzen Weges geworden ist.
ÜBER MICH
Willkommen in meiner Welt des Neuanfangs! Ich bin Jörg und nachdem ein Hirnabszess mein Leben auf den Kopf gestellt hat, teile ich hier meine Erfahrungen und Erkenntnisse zu Gesundheit, Natur und dem heilenden Potenzial des Gehens und Pilgerns. Schreib mir gerne eine E-Mail, hinterlasse Kommentare oder begleite mich auf meinem Weg. Dein Interesse ist ein wertvoller Beitrag zu meiner Reise. Vielen Dank dafür!