Der Jänner war eine schwierige Zeit für mich. Ein hartnäckiger Hartspann im Bereich der Brustwirbelsäule macht mir schon lange zu schaffen. Physiotherapie soll mir helfen. An für sich gut. Allerdings kam es anders, als ich mir vorstellte.
Aufgrund einer Verletzung vor vielen Jahren im Radrennsport hatte ich Probleme mit einem verschobenen Wirbel. Ab und zu klemmte ich mir einen Nerv ein und das schmerzte dann. Im Sport hatte ich damals eine gut ausgebildete Rückenmuskulatur und die Muskeln hielten mein Korsett hervorragend. Deshalb hatte ich auch selten Rückenprobleme.

Wie mein Hartspann entstand

Während meiner Zeit im Krankenhaus verlor ich allerdings meine Muskeln durchs lange Liegen. Nicht nur am Rücken, sondern überall. Während der zweiten Reha passierte es dann. Ich klemmte mir einen Nerv ein. Für neurologische Patienten sind keine Massagen dort vorgesehen. Ich hatte zwar Physiotherapie, aber nicht im Bereich der Wirbelsäule. So musste ich die letzte Woche durchbeißen und all die Aufgaben und Übungen in der Reha unter Schmerzen durchstehen. Der eingeklemmte Nerv wurde wieder besser, aber es bildete sich mit der Zeit ein Hartspann, der mir immer mehr Probleme bereitete. Das war der Auslöser, das ich Hilfe suchte.
Massage
Die erste Massage war noch wunderbar und ich spürte Erleichterung. Danach war die Physiotherapie an der Reihe. Die erste Aussage der Therapeutin, „Sie haben am Rücken ja überhaupt keine Muskulatur!„. Das war nicht gerade aufbauend. Immerhin trainiere ich schon seit einem Jahr und mache das Bestmöglichste. Sie verstand meinen Weg seit dem Hirnabszess überhaupt nicht. Ich versuchte es zwar zu erklären, aber im Nachhinein gesehen muss ich sagen, es gelang mir nicht.

Von 0 an wieder beginnen, mit viel Physiotherapie

Im letzten Jahr war ich froh, überhaupt wieder gehen zu können. Ich machte Übungen für den Rücken, die Arme und die Beine. Ich musste den ganzen Körper von 0 an aufbauen. Da zusätzlich das Zentralnervensystem betroffen ist, hatte ich trotz der Anstrengung nur minimalen Erfolg. Deshalb geht es auch so langsam weiter. Meine Muskeln bauen sich nur so schnell auf, wie die Nerven sich erholen können. Es geht nicht schneller.
Die Therapeutin zog ihre eigenen Schlüsse und folgerte daraus ihr Programm. Sie zeigte mir ja an für sich gute Übungen für die Rückenmuskulatur. Aber bei einer sollte ich mich über einen Ball abrollen und damit den Rücken dehnen und stärken. Für einen Hartspann gut, aber bei mir war ja alles noch fragil und locker. Schmerzen waren nach der Übung die Folge und ein verklemmtes ISG-Gelenk. Ich dachte mir nur: „Auch das noch!“
Gym Ball

Ich fühlte mich wie gelähmt!

Am Abend konnte ich mich nicht mehr rühren und lag wie gelähmt im Bett. Am nächsten Morgen kam ich fast nicht aus dem Bett. Die Schmerzen in Kombination mit meiner Schwäche war beängstigend. Ich fühlte mich zurückversetzt in die ersten Tage zu Hause, nach 5 Monaten Krankenhaus. Einfach nur Aufstehen war damals schwierig. Ich musste erst wieder gehen lernen. Jeder Schritt war hart erkämpft. Dasselbe fühlte ich jetzt wieder.
Die Folge war, dass ich die verordneten Massagen und Bewegungstrainings nicht für meinen Hartspann nutzen konnte, sondern für die Wiederherstellung. Meine Therapeutin war das nächste mal krank. Als Ersatz bekam ich einen sehr verständnisvollen Therapeuten, der sich gut in meine Lage versetzen konnte. Er fand einen guten Mix aus akuter Behandlung und mir für die Zukunft etwas mitzugeben. Diese Physiotherapie half mir sehr gut.
Hartspann, physiotherapie
Ich ließ alle noch folgenden Behandlungen auf ihn umschreiben und war, den Umständen entsprechend, zufrieden. Auf seine Art der Physiotherapie sprach ich gut an.

Der Jänner – der Monat des Schmerzes

So habe ich dieses erste Monat im neuen Jahr mit viel Schmerz verbracht. Trotzdem sehe ich guter Dinge in die Zukunft. Es ist natürlich manchmal hart zu wissen, dass es noch einige Jahre für gravierende Verbesserungen braucht. Aber im Vergleich dazu hätte ich auch im Rollstuhl sitzen oder sterben können. Das muss ich mir immer wieder herholen und bin dann nicht mehr ungeduldig, weil etwas noch nicht funktioniert.
Die Herausforderung ist damit groß genug, auch weiterhin dran zu bleiben. Aufgeben gibt es nicht. Auch wenn es manchmal nicht einfach ist.

Gehen und Gleichgewicht trainieren

Aktuell hat es gerade so viel Schnee, das ich das Gleichgewicht gut üben kann. Noch geht es breitbeinig und mit den Händen ausgleichend durch den Schnee. Sicheres Gehen ist die Voraussetzung fürs Laufen.
Gleichgewicht trainieren im Wald   (Für youtube-Video Bild oder hier anklicken)
Noch immer wird es mir beim Aufstehen schwindlig. Auch Stufen steigen ist herausfordernd. Ein zufällig in die Hand bekommenes Buch erzählt von den Erlebnissen einer Frau mit Gehirnblutung. Viele ihrer Erlebnisse kann ich auf mich ummünzen und jetzt besser zuordnen. Sie benötigte 8 Jahre bis zur vollständigen Genesung und zeigte damit, dass das Gehirn sehr mächtig ist und sich regenerieren kann. Sie räumt auch der Vorstellungskraft viel Platz ein. Das stimmt mich zuversichtlich.
Mal schauen wie lange es bei mir dauert.
Gehirn