Mit dem Abszess am Thalamus hat für mich vor drei Jahren ein neues Leben begonnen. Mit „neu“ sind zwei Dinge gemeint. Ich muss alles neu lernen, von der Bewegung bis zum Denken. Mit dem anderen ist gemeint, dass ich akzeptiere, dass nichts mehr ist wie zuvor.

Auch der Geist brauchte einen Neustart und ihn mit meinem Körper wieder zusammen zu bringen. Das ist das schwierigste Unterfangen. Nicht nur im Kopf daheim zu sein, sondern auch Emotional und mit Gefühlen.

Vor dem Krankenhaus
Vor dem Krankenhaus

Der Thalamus bringt mein Leben ans Limit

Dieser Tage wurde es mir wieder bewusst gemacht, dass mein Gehirn noch enormen Aufholbedarf hat und mich schnell ans Limit bringt. Das etwa Nuss große Abszess hat einen großen Bereich meines Gehirns unwiederbringlich zerstört. Dummerweise am Thalamus, dem Steuersystem des Körpers.

Es ist nicht nur zuständig für die Koordination der Bewegung, sondern beinhaltet auch die Steuerung der Emotionen und Gefühle. Gründe genug, warum ich so schnell an mein Limit stoße. Gerade das in so vielen Bereichen Nicht-Denken können, hat enorme Folgen.

Synapsen stellen Kontakt zu anderen Zellen her. Viele wurden zerstört und es gelang mir bisher nur einen kleinen Teil wieder herzustellen. Erfolge beruhen fast nur darauf, wieder Synapsen zu bilden.

Abgrenzen

Aufkommende negative Belastungen rechtzeitig zu erkennen und mich konsequent davon abgrenzen, ist eine wichtige Lernaufgabe.

Abgrenzen

Ich habe schon öfters über den Zustand der positiven emotionalen Stabilität geschrieben. Heilung ist nur in solch einem Zustand möglich. Es hat zum Beispiel keinen Sinn, widerwillig ins Fitnessstudio zu fahren und dort lustlos Gewichte zu stemmen, um die körperliche Fitness zu verbessern. Freude ist ein unumgänglicher Punkt, um Gesund zu werden, egal was ich mache. Keine Freude, kein Gesund werden.

Genauso belastend sind für mich Termine bei Behörden und Ämtern. Ich muss mich so konzentrieren, dass ich danach wie gerädert bin und das für mehrere Tage. Ich muss genau überlegen, was kann ich mir zumuten und was nicht. Und es ist weniger, als was ich oft glauben möchte.

Mein Weiter-kommen

Es ist ein Millimeterweises Vorwärtstasten in allen Bereichen und erfordert Zeit und Disziplin. Meine ganze Konzentration gilt dem Gesund werden und mein Focus soll darauf gelegt sein.

Besonders im Denken gilt es, mich enorm zu verbessern. In der Bewegung eingeschränkt zu sein verstehe ich und eine gewisse Mobilität wird immer möglich sein. Dazu wäre es egal ob ich Gehen kann oder im Rollstuhl sitze.

Aber gewisse Dinge nicht denken zu können, behindert einem im Alltag doch mehr als man glaubt.

Denken?

Behindert oder Verhindert

Für viele Behandlungen übernimmt die Krankenkasse keine Kosten, als Beispiel weder für Ostheopathie noch Cranio-Sakral-Therapie. Weiters gibt es noch viele alternative Therapien, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Es wird noch viel Wasser die Mur hinunter rinnen, bis sich daran was ändert. Ich fühle mich nicht behindert, sondern verhindert.

Mein neues Leben erfordert viel Training für meine Rehabilitation. Dieses „mehr“ beinhaltet natürlich auch Nichtstun. Das ist genauso wichtig wie das Tun.

„Es gibt nicht nur den äußeren Teil einer Behinderung, den jeder Außenstehender sofort erkennt. Von den unsichtbaren Behinderungen bekommen die wenigsten etwas mit.“

Monica Lierhaus

Da kommt oft die Frage auf, wenn ich eh soviel tue, dann bin ich eh bald wieder hergestellt. Aber das ist für einen normalen Menschen nur schwer verständlich. Die Nerven haben ihre eigene Zeitrechnung und können in ihrem Heilungsverlauf nicht künstlich beschleunigt werden. Bei mir bekommt selbst der Spruch „Schritt für Schritt“, eine eigene Bedeutung.

Man kann es nur bedingt mit anderen Krankheiten vergleichen, es gibt kaum Erfahrungswerte. Natürlich wird auf die Auswirkungen therapiert, aber über die Folgen gibt es kaum Erfahrungen. Die gibt es nur darin, was man bei bestimmten Defiziten machen kann und diesen Empfehlungen folge ich. Ob es Verbesserungen bringt, kann ich nur ausprobieren.

Training

Ruhe und Harmonie

Schlussendlich geht es aber nur darum, den Energiefluss wieder in Harmonie zu bringen. Egal ob durch Schul- oder Alternativmedizin, es kann beides helfen. Aber alle Therapien helfen nicht darüber hinweg, dass es lange dauern wird. Bei mir gilt wirklich eine andere Zeitrechnung.

Ruhe und Erholung spielen eine große Rolle, um meinen Organismus wieder zum Funktionieren zu bringen. Dazu gehört eine positive Einstellung, seelische Ausgeglichenheit und Geduld.