Fitness Studio

Ich beginne mittlerweile den vierten Winter im Fitness Studio. Viel hat sich seit den ersten Tagen nach dem Krankenhaus getan, aber der Kraftzuwachs ist nach wie vor eine Herausforderung geblieben, Kraft erhalten ist die Devise. Fünf Monate liegen im Bett und hochdosierte Antibiotika-Gaben haben Spuren hinterlassen. 

So wach und bewegt wie möglich, so heißt heute die Devise auf der Intensivstation. Die ersten zwei Wochen war damals nicht viel möglich, aber danach begann die Mobilisation, wenn auch minimal.

Auf der Intensivstation

In den ersten Tage war ich nur Minutenweise auf und bei Bewusstsein. Körperliche Mobilisation war damals nicht möglich. Nach zwei Wochen wurde aber alles versucht, um mich in irgendeiner Form zu Mobilisieren. Der Zustand in dem ich mich befand, ist schwer zu beschreiben. Selber Gedanken zu verfolgen war mir unmöglich, ich konnte nur auf etwas reagieren, was sich mir gegenüber befand.

Ich lebte nur im JETZT und nicht in der Vergangenheit oder Zukunft. Mir selbst ist das gar nicht aufgefallen und ich war auch der Meinung, alles mitzubekommen.Das dem nicht so war, musste ich Monate später erkennen, habe ich doch nicht einmal den Ausflug in die Zahnklinik mitbekommen, wo mir der erste von mehreren Zähnen gezogen wurde. Einzelne Augenblicke sind mir aber in Erinnerung geblieben.

Auf der Intensistation,
auch dort Fitness erhalten

Körperliche Mobilisation

Die erste körperliche Mobilisation an die ich mich erinnere, tat ich aus eigenem Antrieb. Ich wusste nicht warum oder wozu, aber ich wollte es unbedingt machen. Meine rechte Seite war gelähmt, trotzdem versuchte ich mit der rechten Hand, die Rollbinden für den Venenschutz aufzurollen. Es war so anstrengend, dass ich öfters dazwischen eingeschlafen bin. Für die vier Binden brauchte ich Minimum eine Stunde, wenn ich nicht dazwischen einschlief.

Es gelang mir nicht einmal, mich umzudrehen, ich hatte keine Kraft dazu. Sie war mir aus dem Körper entwichen und einfachste Dinge wurden zu Herausforderungen, gegen die meine früheren Extremrennen ein Kinderspiel waren.

Nach drei Wochen wurde ich neben dem Bett das erste Mal aufgesetzt. 10 Minuten in möglichst aufrechter Position sollte ich durchhalten, aber schon nach wenigen Minuten ließen meine Muskeln nach und ich sank in mich zusammen. Einmal am Tag musste ich aus dem Bett und wenn es nur für wenige Minuten war. Der Umstand, dass ich von all den Kabeln und Leitungen befreit werden musste, machte die Sache nicht leichter.

Die Krankenschwestern leisteten hervorragende Arbeit und ich bin ihnen unendlich dankbar dafür. Ich konnte ja nicht mithelfen, selbst aus dem Bett mussten sie mich herausheben. Was da geleistet wurde, davon wissen die wenigsten. Alle haben meine Wertschätzung für das, was da geleistet wird.

Wichtig für später

Jede einzelne Mobilisation war unendlich wichtig für mein späteres Befinden. Ich war körperlich und geistig auf einem Tiefpunkt angelangt und es sollte lange dauern, bis ich mich wieder bewegen konnte. Ich bin heute bald im vierten Jahr angelangt und noch immer ist das Finden der körperlichen Fitness mein Hauptaugenmerk.

Der Grund ist eine neurologische Störung. Ich kann trainieren was ich will, eine Steigerung der Kraft ist kaum möglich. Irgendwie ist die Leitung zwischen Muskel und Nerven gestört. 

Warum gehe ich dann ins Fitnessstudio

Im Moment stelle ich mir selbst die Frage, ob es sinnvoll ist, ins Fitnessstudio zu gehen. Aber wenn ich schon nichts aufbauen kann, ist es sinnvoll, zumindest das Bisherige zu erhalten. Trotzdem bin ich am recherchieren und ausprobieren, was mir helfen könnte. 

Der momentane Zustand ist für mich noch nicht zufriedenstellend. Zu schnell bin ich erschöpft oder habe für einfachste Sachen keine Kraft. Ich konnte mich nach dem Krankenhaus bis zu einem gewissen Punkt emporarbeiten, aber nicht mehr. Daher ist meine Fitness zu erhöhen einer meiner wichtigsten Punkte. Die Feinmotorik zu verbessern geht dabei meist nebenher.

Denn die Fitness ist deshalb so wichtig, weil sie den Lebenskomfort enorm erhöht. Das Fitnessstudio ermöglicht mir zum Beispiel, wieder ins Kino zu gehen. Eine Stunde aufrecht zu sitzen, erfordert ein stabiles Körpergerüst. Gehen ist oft leichter, denn gerade das Statische ermüdet mich sehr schnell. Darum ist es oft leichter zu Gehen, als zu Stehen. Aber auch beim Gehen brauche ich immer wieder Pausen.

Nach langen Autofahrten erfordert es oft Überwindung zu Gehen. Mein Muskelkorsett ist so schwach, dass ich einfach noch zu schnell ermüde.

Das Training um die Fitness zu erhalten

Im Grunde ist noch jede Bewegung Training, ist mein Alltag Training. Das Pilgern brachte mir bisher eine gute Ausdauer. Trotzdem ist es nur mit entsprechend vielen Pausen möglich. Da ich aber nicht ständig auf Pilgerschaft gehen kann, ist das Fitnessstudio eine gute Alternative. 

Im Moment bin ich dabei herauszufinden, was gut ist. Training mit Gewichten, aber nicht zu schwer, ist derzeit angesagt. Die Muskelkraft lässt sich nicht verbessern, daher ist ein Erhalt wichtig. Leichte Gewichte mit vielen Widerholungen mache ich zur Zeit. Das soll mir zumindest die Kraft erhalten, die ich zur Zeit habe.

Verleztzungen versuche ich zu vermeiden, denn der Aufbau danach benötigt lange Zeit. Eine Leistungsdiagnostik wäre hilfreich, um meine Pulszonen zu bestimmen. Allerdings immer bezugnehmend auf meine Defizite, also nicht bis zur körperlichen Ausbelastung, wie früher im Sport.

Dazu mache ich Koordinationstraining am Boden mit dem Wackelbrett, Stufensteigen oder Stretching Übungen. Das Fitnessstudio hat den Vorteil, dass ich bei wärmeren Temperaturen trainieren kann. Bei Minusgraden lässt die Muskelschwäche es oft nicht zu, mich schnell genug zu bewegen, um warm genug zu bleiben. 

Fitness erhalten

Der Tagesablauf

Es ist wichtig auf mich zu hören und nur das zu machen, was mir gut tut. Mein Tagesablauf ist abhängig von meinem Befinden, zu schwankend ist es noch. Aus diesem Grund ist das Pilgern sehr gut für mich. Dabei mache ich nur was mir gut tut. Eine niederschwellige Bewegung ist ideal. 

Wie weit ich gehe, mache ich von meinem Befinden abhängig. Geht es mal nicht so gut, kann es auch nur der Weg in die nächste Herberge sein. Der Druck, eine gewisse Strecke zurücklegen zu müssen, ist bei mir nicht vorhanden. Das wichtigste ist, ohne Druck unterwegs zu sein. Es macht mir Freude und ich habe eine Struktur am Camino, besser als zu Hause.

Struktur ins Leben bekommen

In den Tagen daheim ist es genau so wichtig, eine Struktur zu haben. Dabei hilft mir das Fitnessstudio und die Therapien. Ich wurde 2016 aus meinem Arbeitsalltag gerissen und kann seither nicht mehr arbeiten. Diese Struktur fehlt mir.

Vor allem kann ich nichts erschaffen. Die Kreativität und Gestaltungsmöglichkeit ist mir abhanden gekommen, aber nicht weil ich es nicht möchte, sondern weil ich es nicht kann. Langsam und Schritt für Schritt, erarbeite ich mir wieder einiges. Fotografieren, für den Blog schreiben, Instagram und Facebook helfen mir dabei, mich auch kreativ zu betätigen. Filmen oder Schneiden ist leider noch nicht dabei. Da fehlt noch das zusammenhängende Denken und auf einen Gedanken aufbauen können.

Mein vorrangiger Job ist es derzeit, meinen körperlichen Zustand zu verbessern. Wird man körperlich behindert, wird alles andere zur Nebensache. Die Fitness erhalten, um wieder mehr Lebensqualität zu bekommen, ist mein größter Wunsch und dafür tue ich alles. Man wird sehen was die Zukunft bringt, daher

„NEVER GIVE UP!“