Der Ausbruch zum Winter Camino gibt mir genau das, was ich derzeit brauche. Die Bestätigung, dass in meiner Rehablilitation doch was weiter gegangen ist. Die Schritte sind so klein, dass ich einen Ausbruch aus meinem Leben von zu Hause brauche, um den Unterschied zu erkennen. 

Der wichtigste Unterschied zu noch vor einem Jahr ist der, dass ich trotz Handicaps beginnen kann zu Leben. Es besteht nicht mehr nur aus Therapie und Training. Hier am Camino fällt es mir besonders leicht, das Leben zu leben.

Ausbruch zum Winter Camino

Ausbruch zum Camino

Es begann mit der Pyrenäen Überquerung. Es war wieder die gleiche Unsicherheit des „was wird mich erwarten“ wie beim ersten Mal, nur das es diesmal nicht direkt über die Berge ging, sondern den Winterweg herum, der nur wenig über 1000 Meter hoch geht.

Es tut so gut, gehen zu können, ich kann gar nicht sagen, wie glücklich ich bin. Jede Minute, Stunde und Wochen des oft harten Trainings werden mir hier zurück gegeben. Das dranbleiben hat sich trotz Muskelschwäche ausgezahlt. Dieser Ausbruch tut gut und bringt mich wieder weiter.

Es geht noch immer nicht gerade leicht zu gehen, aber im Vergleich zum ersten Camino Frances sind Welten Unterschied. Besonders der Tunnelblick und die Wahrnehmung ist so viel besser. Ich kann die Landschaft noch besser genießen und nehme alles viel besser wahr.

Pyrenäen

Einzig die größeren Städte tun mir noch immer nicht gut. Den Spaziergang durch Logrono habe ich abgebrochen und mich in ein Cafe gesetzt. Aufkommende  Gangunsicherheit und Schwindel lassen mich vorsichtig sein. Zu viele Reize prallen auf mich ein und ich bin froh, die Stadt am nächsten Tag wieder verlassen zu können.

Was ist anders als im Sommer?

Das Entscheidenste sind die vielen geschlossenen Herbergen. Es sind an für sich genug offen, aber sie beeinflussen die Weglänge. Entweder entscheidet man sich für 20 – 25 Kilometer, oder das doppelte. Im Sommer ist im Schnitt alle 5 – 10 Kilometer eine offene zu finden.

Außerdem sind weniger Bars geöffnet, aber immer noch genug, um versorgt zu sein. Es ist auf jeden Fall besser, wie im Juni am Camino Norte, trotzdem ist es eine Umstellung. 

Die Bekleidung

Ja, die Bekleidung. Das Wetter ist wärmer als gedacht. Das macht meinen Rucksack schwerer. Lange Unterwäsche, Daunenjacke, Handschuhe und warme Haube muss ich tragen, anstatt das ich es anhabe. Dazu habe ich eine Thermosflasche bis Logrono mitgetragen und nie gebraucht. 

800g habe ich per Post nach Hause geschickt, denn jedes Gramm zählt. Einiges Zeug trage ich weiter mit, denn noch warten die Berge und das Wetter kann ja schlechter werden. Dann tut es gut, ein bißchen Reserve zu haben.

In Erinnerung bleibt mir der Tag nach den Pyrenäen. Nur mit Kurzarmtrikot war es einige Zeit möglich, in der Sonne zu gehen.

Am Camino, der Ausbruch

Das Wetter

Außer Schnee hatte ich bisher alles. Regen wechselte immer wieder mit Sonne ab. Dabei war auch ein wolkenloser Tag mit herrlichem Sonnenaufgang. Der Weg ist allerdings sehr matschig und feucht. Die Gore Text Schuhe sind bisher eine gute Wahl. Ob sie auch im Schnee eine gute Wahl sind, wird sich noch zeigen.

Alles in allem hat sich der Ausbruch aus meinem Leben zu Hause bisher mehr als gelohnt!

Regenwetter

Von Paulo Coelho

„Niemand ist die ganze Zeit mutig.  Das Unbekannte ist eine ständige Herausforderung, und Angst ist Teil der Reise. Was ist zu tun? Sprich mit dir.  Sprich alleine. Sprechen Sie mit sich selbst, auch wenn andere denken, Sie seien verrückt geworden. Während wir reden, gibt uns eine innere Kraft die Sicherheit, die Hindernisse zu überwinden, die überwunden werden müssen. Wir lernen Lehren aus den Niederlagen, die wir erleiden müssen. Und wir bereiten uns auf die vielen Siege vor, die Teil unseres Lebens sein werden. Und nur zwischen Ihnen und mir wissen diejenigen, die diese Angewohnheit haben (und ich bin einer von ihnen), dass sie nie alleine reden: Der Schutzengel ist da, hört zu und hilft uns beim Nachdenken.“


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