61. Schreiben als Therapie

1. Juni 2018
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2 Minuten Lesezeit

Ich habe mit dem Schreiben ein paar Monate nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus begonnen. Zuerst war es mein Antrieb, wieder mit einem Stift Buchstaben um Buchstaben auf Papier zu bringen. Ich hatte keine Ahnung warum, aber der Antrieb war da. Ich wollte wieder Schreiben zu lernen. Schreiben als Therapie.

Schon im Krankenhaus habe ich versucht das Geschehen festzuhalten. Es blieb aber beim Versuch. Ich musste erst wieder die Technik lernen, einen Stift zu halten und Schreiben lernen.

Ich kann bis heute nur begrenzt mit der Hand schreiben. Die Finger ermüden schnell und dann wird es unleserlich. Aus diesem Grund habe ich begonnen, auf einem Tablet zu tippen. Gleich darauf kaufte ich mir eine Tastatur. Damit wurde es möglich länger zu Schreiben und die vielen Fehler auszubessern.

Schreiben

Schreiben lernen

Der Anfang war frustrierend. Ich brauchte für jedes Wort so lange, dass ich nicht mehr wusste, was ich schreiben wollte. Ich musste mich auf jeden einzelnen Buchstaben im Wort konzentrieren. Längere Wörter brachten mich an die Grenze.

Oft lasse ich Buchstaben aus. Erst beim wiederholten Durchlesen wird es mir bewusst, dass sie fehlen. An manchen Tagen geht es besser, an manchen schlechter.

Ich schreibe mit dem Zweifingersystem. Meine Finger, wie mein ganzer Körper, sind von den Schädigungen des Zentralnervensystems betroffen. Feinheiten erledigen sind mir noch immer kaum möglich. Ich übe zwar den Umgang, aber das Aufheben einer Nadel wird zum Geduldspiel.

Ist Schreiben meine neue Gabe?

Das Schreiben als Therapie

Das Schreiben wurde auch zur Therapie für mich. Ich versuche positiv zu schreiben und das verankert sich in mir drinnen. Es gibt mir auch die Möglichkeit zu reflektieren, was oft wichtig ist. Dadurch kann ich mein Gehirn trainieren, Gedankenwege zu finden. Ein Problem ist es noch weiterführende Gedanken zu verfolgen. Beim Schreiben muss ich mich damit auseinandersetzen. Jeder Satz wird so zur Herausforderung.

Mittlerweile haben sich bereits so viele Blogartikel, Aufzeichnungen und Notizen angesammelt, dass ich über ein Buchprojekt nachdenke. Es macht mir einfach Freude und ist etwas, was ich ausführen kann.

Gedanken

Zurzeit sind viele Veränderungen im Gange. Mit manchen davon komme ich nicht klar. Deshalb heißt es jetzt besonders auf meine Gedanken aufzupassen. Mit meinen Gedanken habe ich den Hirnabszess kreiert. Mit meinen Gedanken kann ich aber auch positives kreieren. Darum ist es so wichtig, was ich denke.

Veränderungen tun mir im Moment nicht gut. Trotzdem stehen sie an. Einen goldenen Mittelweg zu finden ist daher wichtig und das Umgehen wird immer wieder eine Herausforderung. Mit meinen Handicaps wird eigentlich alles zur Herausforderung. Denn es sind nicht nur die Geh- und Bewegungseinschränkungen, das schwerer wiegende ist das Gehirn.

Im Wald

NEUES Leben leben

Mit den Einschränkungen komme ich für mich klar, allerdings werde ich immer wieder vor Herausforderungen gestellt, die mein derzeitiges Potenzial weit übersteigen. So wandle ich nach wie vor oft am Limit dahin.

Auf jeden Fall bewege ich mich, Schritt für Schritt, vorwärts in ein neues Leben.


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Ich bin Jörg, wohne in der Nähe von Graz und blogge hier über meinen Weg zurück ins Leben, das ein Hirnabszess 2016 völlig auf den Kopf gestellt hat.
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