Warum das Aufbrechen am schwersten ist?

24. Januar 2020
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4 Minuten Lesezeit

"Das Aufbrechen ist am schwersten. Unterwegs zu sein, ist leicht und schön!"

Dieser Spruch beinhaltet viel Wahrheit. Ich habe mich für die Reise zwar entschieden, allerdings habe ich die Vorbereitung darauf unterschätzt.

Mein Gehirn arbeitet noch schwerfällig und die achtsame Auswahl der Bekleidung nötigte mir viel Kraft ab. Das habe ich unterschätzt. Ich bin mir zwar recht sicher darin, was ich brauche, aber mein System kommt damit durcheinander, wenn ich Alternativen suchen und ausprobieren muss. Da ist der Sommer leichter.

Es ist diesmal anders, als sonst. Es kommt viel unbekanntes auf mich zu und vor allem, wie ich es handhaben werde. Alles außerhalb des Gewohntem fühlt sich neu, aber auch erschreckend an.

Aufbruch
Vorbereitung

Aufbrechen, wann und wohin ich will!

Aufbrechen zu können ist Freiheit. Schöner ist es noch, bereits unterwegs zu sein. Denn zum Aufbrechen gehört vorher einiges dazu. Hat man das überwunden, ist man unterwegs.

Ich kann mich noch an meine Aufbrüche zu Extrem-Radrennen oder Bergfahrten erinnern. Alles musste bedacht sein, vom Werkzeug bis zum kleinsten Ding. Ob in die Sahara, am Denali oder der Crocodile Trophy, alles war Schwerstarbeit bis zum letzten Augenblick.

Denn hatte man etwas vergessen, konnte man es nicht um die Ecke kaufen. An solchen kleinen Dingen konnte der Erfolg oder das Scheitern hängen.

Bisher machte ich mir vor dem Camino auch Gedanken, allerdings waren sie noch nie so weitreichend wie bisher. Ein Camino im Winter ist eben doch was anderes und für mich besonders.

Ist die Ausrüstung optimal?

Es ist für mich sehr schwer abzuschätzen, was ich wirklich brauche und das ich das dann in der richtigen Weise integrieren kann. Dazu ist ein fortführendes Denken notwendig. Der Wintercamino brachte mich dabei in neue Sphären des Denkens und ist schon vor dem Losfahren eine Herausforderung.

follow your heart, Aufbrechen in mein neues Leben

Wichtig ist, dass ich mich nicht unter Druck setze, nicht verbissen versuche alles umzusetzen und mir auch die Möglichkeit offen halte, nach Hause zu fahren, sei es, weil es mir doch zu kalt ist oder wegen anderer Gründe.

Ob die Bekleidung reicht, wird erst der Weg zeigen. Meine früheren Erfahrungen als Bergsteiger und Extremsportler helfen mir nur mehr bedingt.

Wenn ich an meinen Sieg beim Iditasport Race in Alaska denke, hat mein Empfinden damals nichts mehr mit dem heute zu tun. Ich wusste damals, im Gegensatz zu heute, sehr genau wo mein Limit lag.

Mit diesem Limit an Kleidung war ich in der Wildnis Alaskas unterwegs. Fehler durften nicht passieren. Bei meinem zweiten Platz war ich sogar Temperaturen von bis zu -35° ausgesetzt.

Heute muss ich meinen Körper noch einmal neu kennenlernen.

Mein Limit

Es heißt, mich langsam wieder ans Leben herantasten, dass geht oft nur über's Limit. Würde ich das seit drei Jahren nicht tun, dann wäre ein Weiterkommen unmöglich.

Die Spange zwischen dem jetzt Zustand und einem Pflegefall ist sehr gering, auch jetzt noch.

"Never give up!", ist auch heute noch mein Leitspruch.

Die Bekleidung

Da ich von der Erwerbsunfähigkeitspension leben muss, bleibt nicht viel Geld für die Ausrüstung über. Mittlerweile bin ich allerdings Spezialist für doch einigermaßen Qualität, aber auch Billig-Ausrüster. Die noch im Abverkauf, wird Pilgern leistbar.

Für den Wintercamino habe ich mir zusammengerechnet, daß meine Hauptbekleidung rund € 350.- ausmacht. Zum Spass habe ich mir angeschaut, was die in etwa gleiche Ausrüstung bei einer Markenfirma gekostet hätte. Es hätte im Vergleich dazu € 1.550.- gekostet.

Ok, ich habe nichts von Mammut, Salewa oder Skinfit, trotzdem stehe ich nicht weit hinten an. Meine Berghose begleitet mich jetzt schon am dritten Camino und hat im Ausverkauf € 49.- gekostet.

Meine Fleecejacken kosteten zwischen € 20.- und € 40.- und die Unterleibchen habe ich im Ausverkauf um € 5.- erstanden.

Bekleidung

Das teuerste ist die Regenjacke und -hose, die ich noch zu Trailrunningzeiten erstand. Sie sind superleicht und sie alleine würden beinahe mein Gesamtbudget ausmachen. Zum Glück sind mir die Sachen aus früherer Zeit erhalten geblieben.

Das Material, die Schuhe

Auch das restliche Material hatte ich größtenteils zu Hause. Neuanschaffungen waren kaum nötig. Einzig der Schuhverbrauch ist groß. 5 Paar Trailrunning Schuhe habe ich bisher in den letzten dreieinhalb Jahren aufgebraucht. Ein Paar hält etwa einen Camino lang durch, also rund 1000 Kilometer.

Dann sind sie allerdings durchgegangen und am Limit. Der Hoka hatte allerdings auch am Ende noch eine sehr gute Dämpfung, obwohl oben das Mash eingerissen ist. Trotzdem bleibe ich der Marke treu und verwende ihn auch jetzt im Winter, nur das GoreTex Modell. Zusammen mit Gamaschen sollte er auch für den Camino einsetzbar sein.

Meine Schuhe sind nach 1000 km am Ende

Das Aufbrechen

Ich musste mich dann schlussendlich entscheiden, was ich wirklich mitnehme. Es war ein Grund, warum ich das Aufbrechen diesmal so schwer empfand. Ich gehe praktisch jeden Tag und bei jedem Wetter, allerdings fühlte ich mich fast immer anders. So war es schwer herauszufinden, was ich wirklich benötige.

Schlussendlich entschied ich mich für Sicherheit und nehme etwas mehr mit, als ich vielleicht brauchen werde. Das schlägt sich allerdings in einem höheren Rucksackgewicht nieder, das höher als mein Limit ist.

Aufbrechen zum Training

Mit der Körperschwäche muss ich einen Kilo mal drei rechnen. Deshalb habe ich immer versucht, unter 5 Kilo Gesamtgewicht für den Rucksack bleiben.

Diesmal sind es aber 8 Kilogramm, inklusive Verpflegung. Das ist recht schwer und ob es möglich ist, wird der Weg zeigen. Ich lasse mich überraschen und es gibt ja die Möglichkeit, etwas heim zu schicken oder herzuschenken.

Das Aufbrechen so schwer sein kann? Aber nach vier Jahren kann ich es mir schon zutrauen!


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Ich bin Jörg, wohne in der Nähe von Graz und blogge hier über meinen Weg zurück ins Leben, das ein Hirnabszess 2016 völlig auf den Kopf gestellt hat.
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