Den Jahreswechsel nutzte ich zur Gelegenheit, einmal am Blog Rückschau zu halten. Im April 2017 habe ich zu Schreiben begonnen und seither ist viel passiert. Eines steht aber über allem. Die Rekonvaleszenz wird noch länger dauern, als bisher angenommen. So viel steht fest.
Das zu verkraften war nicht leicht im letzten Jahr. So optimistisch ich  von Grund auf bin, es änderte sich zwar dauernd etwas, aber alles in allem sehr langsam. Damit war schwer klar zukommen.
Meine Rehabilitation bedeutete nie Stillstand. Was an für sich ja gut ist, denn Stillstand würde bedeuten, dass alles so bleibt wie es ist und das soll es nicht. Nur das ich es nicht gewohnt war, dass alles so langsam geht. An diese Langsamkeit musste ich mich erst gewöhnen.

Jörg beim Spazieren gehen, Rückschau 2017

Langsames gehen!

Die Defizite dauern noch länger zur Behebung

Bis die Defizite klar zu Tage kamen, verging viel Zeit. Auch heute noch kann niemand sagen, wie lange oder ob überhaupt wieder eine Wiederherstellung möglich ist. Deswegen gebe ich aber nicht auf. Ich gebe jeden Tag mein Bestes, um wieder leistungsfähig zu werden, auch wenn es noch länger dauert.
Aufgrund verschiedener körperlicher Mängel ist es noch immer nicht möglich, weiter voraus in die Zukunft zu schauen. Ich habe Ziele, aber ich bewege mich nur von Tag zu Tag. Die Krankheit hat mir eigentlich das gebracht, was viele Menschen fast verzweifelt suchen. Im Hier und Jetzt zu leben und den Augenblick zu genießen.

Rückschau ins letzte Jahr

Für mich ist es wichtig, eine kurze Rückschau zu halten. Was hat sich getan seit dem Beginn des Hirnabszesses. Begonnen hat alles im März 2016. Meinen Blog „von0auf101“, begann ich ein Jahr später, im April 2017. Es zeigt mir sehr gut, was sich seither getan hat. Im Folgenden gebe ich einen Überblick darüber.

April/Mai

In diese beiden Monaten stand die Zeit im Krankenhaus an. Meine Erlebnisse von der Intensivstation bis zum Ende der Krankenhauszeit. Es wurde eine bewegende Zeit für mich. Das Niederschreiben brachte mir viele Erinnerungen zum Vorschein. Der 1.Blog war eine große Überwindung. Mein Denken war beschränkt und es war mir nicht möglich, die Übersicht zu behalten. Ich hatte große Bedenken zu starten.
Teilweise musste man mir viel erzählen, da ich vieles, speziell am Anfang, nicht mitbekommen habe.  Meine Themen waren die Intensivstation, die Reha-Station, die Operation, nach der OP Zähne ziehen, dass Gehen und Schreiben lernen und meine ersten Eindrücke in einer für mich neuen Welt.

Juni

Der Juni war geprägt von meinem zweiten Reha-Aufenthalt in Judendorf. Dort wurde mir klar, dass es nicht damit getan ist, nur meine Muskeln aufzubauen. Es waren größere neurologische Defizite vorhanden, die eine entsprechende Zeit zur Genesung brauchen. Warum mir Sport und Trailrunning so wichtig sind, behandle ich in Blog9. Der Abschluss der Reha ist Thema in Blog10. Meine Ziele werden im Blog11 erläutert.

Juli

Über „Tage wie diese…“, schreibe ich in Blog12 . Im Juli erinnerte ich mich an die letzten Tage im Krankenhaus (Blog13). Weiters fuhr ich zum ersten Mal auf Urlaub, war mir aber nicht sicher, ob es Urlaub oder Therapie ist (Blog14). Den Trail rocke ich auf meine Art in Blog15.
Gehen im Wald nach dem Hirnabszess

August

Blog16 handelt von meinen Gedanken, von 1.0 auf 2.0.  In Blog17 nahm ich mein Workout zum Thema. Gleichgewichts- und Stabilitätsübungen bildeten den Schwerpunkt.  Der Blog18 ist meinem Zwischenziel, dem Pilgern, gewidmet und was ich für mein Leben dort lernen kann. Blog19 hat mein Leben 2.0 zum Thema, mein Leben NACH dem Hirnabszess.

September

In Blog20 beschäftige ich mich damit, wie ich wieder Laufen lernen kann. Ich übe die dort beschriebene Methode immer wieder und bekomme so langsam ein besseres Gefühl. Laufen geht aber noch immer nicht.
Blog21 beschreibt mein „Pilgern light“, auf dem Weg von Graz nach Mariatrost. Eine Woche später habe ich für mich ein „8 Punkte Programm“ entwickelt, welches ich bis heute versuche einzuhalten.
Die Länge des Weges nicht zu thematisieren. Ein Punkt, den ich mir immer wieder vor Augen halten muss. Im Blog23 schreibe ich über das Bewusste gehen.
Mein Lernprozess mit dem Hirnabszess behandelt Blog24. Der Titel „Was mich der Hirnabszess über Entschleunigung lehrte“, sagt eigentlich alles. Entschleunigung und Langsamkeit sind zwei Punkte, die ich suchte, aber nicht fand.
Silvia und ich vor der Basilika

Oktober

Der Oktober war für mich teilweise nicht so gut. Im Blog25 erzähle ich, warum mir der Sport sehr viel bedeutet und mich motiviert. Ich sehe meine Rekonvaleszenz ja beinahe wie ein Trainingslager im Sport an.
Der Blog26 behandelt die Wirkung des Waldes auf meine Gesundheit. Es ist faszinierend für mich zu sehen, wie ich mich im Wald wohlfühle. Recherchen über die Auswirkungen des Waldes auf die Gesundheit haben mich bestätigt. Darum gehe ich noch immer so oft in die Wälder rund um Stattegg.
Dann wurde es nachdenklicher. Blog27, „Wenn alles anders ist, wie es war!“. Darin halte ich fest, was ich bislang vermied. Mich als „Behindert“ zu bezeichnen. Es ist so, wie es ist und ich kann es derzeit akzeptieren, auch wenn es mir lange schwer gefallen ist. Für endgültig nehme ich aber nichts.
Weiter geht es mit Blog28, in dem es ums „Zurück ins Leben“ geht. Die Frage war, wie lange dauert es noch? Eine nicht zu beantwortende Frage!
Bewusst Gehen lernen

November

In Blog29 geht es darum, wie der Hirnabszess mein Leben verändert hat und in Blog30 erzähle ich, wie Feinfühligkeit und Sensibilität meinen Alltag dominieren. Ich war schon immer sensibel, aber der Thalamusabszess verursachte eine erhöhte Durchlässigkeit des Filters, der Informationen vor selektioniert. Hochsensibilität und erhöhte Feinfühligkeit waren die Folge. Damit umzugehen, musste ich erst lernen.
In Blog31 halte ich ein Zwischen Resümee und in Blog32 geht es darum, wieso ich jetzt doch ins Fitnessstudio gehe.

Dezember

Der Dezember war geprägt von Puls4, die einen Fernsehbericht über mein Schicksal brachten.
Schrittweise zur Bewegung Blog33 – Über die Langsamkeit mit der alles vorangeht. Das Gehen zu automatisieren möchte ich als Nächstes erreichen.
Blog34 ist sehr emotional. Erstmals war ich in der Lage über die Auswirkungen auf meine Familie und mein Umfeld zu schreiben. Ich habe nicht oft darüber gesprochen oder geschrieben, aber meine Familie und ich leiden noch immer unter den Auswirkungen.
Mental-Training spielt eine große Rolle auf meinem „Weg zurück ins Leben“ und darüber berichte ich in Blog35.
Im Vorletzten Blog36, für das Jahr 2017, berichte ich über meine Sehnsucht nach dem Gehen und im letzten Blog, dem 37., berichte ich, was der Film „Lieber Leben“ in mir ausgelöst hat. Ein absolut empfehlenswerter Film im Kino.
Mental-Training nach itr-impulse

Meine Zukunft

So verging das Jahr 2017, wo ich erstmals realisierte, dass die Folgewirkungen des Hirnabszesses größer sind als angenommen. Schmerzlich wurde mir bewusst, warum kein Arzt eine Zeitangabe darüber machte, wie lange es noch dauern wird oder dauern kann.
Ich bewerte mein Vorankommen ja mit Punkten. Von 0 bis 101. Ich war kurz schon auf gefühlten 30, aber der Winter und die Kälte strichen mir einige Punkte. Trotz mancher Rückschlägen geht es aufwärts.
von0auf101
Ich möchte allerdings aufpassen, dass ich meinen Zustand nicht hinnehmen lerne. Oft glaube ich, ich habe mich verbessert. In Wirklichkeit habe ich mich nur an die Situation gewöhnt. Und dieses Gewöhnen kann gefährlich sein. Ich verliere damit den Antrieb etwas zu verbessern oder weiter zu tun. Der folgende Spruch erinnert mich stets daran:

„An der Vergangenheit festzuhalten ist gefährlich. Man muss einfach weitermachen.“

Robert Redford

Nach dieser Rückschau gilt einmal mehr:  Lets go on
 
 


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