32. Warum ich jetzt doch ins Fitness Studio gehe!

24. November 2017
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4 Minuten Lesezeit

Diese Woche stand mein erster Besuch in der Kraftkammer oder, wie man heute sagt, im Fitness Studio auf dem Programm.

Ich erinnere mich an meine Zeit als aktiver Straßenradrennfahrer Ende der 80-iger Jahre zurück. In den Katakomben des Liebenauer Fußballstadion stemmte ich meine ersten Gewichte. Vor uns waren immer die Spieler des SK Sturm dran, danach hatten mein Radteam und ich 90 min. Zeit fürs Training.

Kraftkammer versus Fitness Studio

Im Fitness Studio, früher Kraftkammer
Gehen lernen, zuerst bewusst, dann wieder automatisch

Es war noch eine der alten Kraftkammern, mit Gewichten aus Eisen, wie es sie heute kaum noch gibt. Schon Arnold Schwarzenegger trainierte hier in seinen jungen Jahren. Das war meine erste Bekanntschaft mit Krafttraining. Diesmal kam ich allerdings unter anderen Vorzeichen und es hieß nicht mehr Kraftkammer, sondern Fitness Studio.

Ich brauchte recht lange Zeit für das Lernen der Geh-Technik und machte dabei, vor allem im Sommer, diverse Kräftigungsübungen im Wald. Das ging lange miteinander einher. Ein Sturz auf der Stiege zeigte mir vor kurzem aber mein Kraftdefizit unweigerlich auf. Unter punktueller Belastung auf einem Bein knickte ich ein. Daher werde ich wieder mehr Augenmerk auf Kraft und Beweglichkeit legen.

Das letzte Mal war es im Juni,  im Zuge der Reha in Judendorf, dass ich Geräte für Krafttraining und ein Laufband (Gehband) zur Verfügung hatte. Die Reha war anstrengend, brachte mir aber viele Übungen, wie ich den Sommer über meine Standfestigkeit verbessern konnte.

Danach benötigte ich eineinhalb Monate, um mich zu Erholen. Ich war allerdings motiviert, soviel Zeit wie möglich, in der Natur zu verbringen. Das auf der Reha gelernte, habe ich versucht, im Wald umzusetzen, was auch ganz gut gelang.

Dazu zählte das Gehen auf unebenen Untergrund im Wald und besonders die Ausdauer. Ich habe heute zwar noch das Problem, dass ich oftmalige Pausen brauche, aber ich kann mich, zeitlich gesehen, schon länger belasten. Nach dem Krankenhaus waren es vielleicht 100 Meter, die ich gehen konnte. Heute schaffe ich, an besonders guten Tagen, 5 Kilometer.

Minus Grade  - daher auf ins Fitness Studio

Fitness Studio

Im November wurden die Tage immer kälter. Minus Grade in der Nacht und nur wenige Plusgrade am Tag. Wenn ich am Morgen aufstehe oder wenn ich wo länger sitze, brauche ich ein paar Meter, um die Steifigkeit aus dem Körper und den Gelenken zu bekommen. Die Muskeln und Bänder behindern meine Beweglichkeit und die ersten Meter mühe ich mich ab, wie einer von den Teletubbies. Die Sprunggelenke sind besonders betroffen. Keine guten Voraussetzungen für mein Training, da mir die Kälte im Freien es nicht einfach macht.

Aus diesem Grund der Entschluss, mich endlich im Fitness Studio anzumelden. Ich bin ja an für sich kein Freund davon, in Innenräumen zu trainieren. Die Vorzüge sind aber diesmal da. Ich kann spezifisch die Muskeln ansprechen und aufbauen. Obwohl ich  lange im Leistungssport tätig war, waren nach meinem 5-monatigen Krankenhausaufenthalt Muskeln beeinträchtigt, die ich noch nie gespürt bzw. gar nicht gewusst hatte, dass sie existieren. Es ist in dieser Beziehung ein wirkliches von Null an.

Muskel und neurologische Probleme

Beinpresse im Fitness Studio

Allerdings sind nicht NUR die fehlenden Muskeln das Problem, sondern auch die neurologischen Defizite. Deswegen erwarte ich mir jetzt keine Wunder. Es ist aber an der Zeit, einen Ausgleich zu meiner anderen Bewegung zu machen oder besser gesagt, meiner Nichtbewegung. Mein ganzes Bindegewebe hat abgebaut und die Muskeln sind schlaff und locker. Ich spüre das besonders in der Rückenmuskulatur, die von der Schlaffheit sehr betroffen ist und Schmerzen verursacht.

Da heißt es Schritt für Schritt vorgehen. Langsames steigern und nur auf mich schauen. Mich nicht von anderen beeindrucken lassen. Meine Gewichte, die ich auflege, sind nicht mit dem zu vergleichen was andere verwenden. Habe ich früher bei der Beinpresse 220 kg gedrückt, sind es im Moment 80 kg. Begonnen habe ich mit 20 kg in der ersten Reha. Dasselbe beim Rückentraining. 10 bis 15 kg verwende ich zurzeit.

Man muss schon sagen, es ist gut, dass ich den Schritt wagte, endlich ins Fitness Studio zu gehen. Für mich steht die Rehabilitation am Programm und in erster Linie möchte ich meinem durch 5-monatiges Liegen geschwächten Körper wieder mehr Stabilität geben. Außerdem tut die neue Umgebung wohl und ich bin motivierter für Stretching.

Neue Reize setzen spielt ja eine große Rolle bei mir. Auch wenn man es mir optisch nicht ansieht, ich bin noch in Reha und baue meinen Körper völlig neu auf. Das merke ich auch an den Gewichten. Ich lasse alles in Ruhe auf mich zukommen und werde auf mich schauen.

Einen Ablaufplan habe ich mir geschrieben, die Wiederholungsanzahl lasse ich noch offen. Mal schauen was ich vertrage. Am Anfang steht sicher mehr das Stretching im Vordergrund, die Gewichte werde ich sehr vorsichtig behandeln. Der Anfang ist jetzt einmal gemacht, ich habe es in der Hand daraus etwas zu machen.

Fernsehbericht auf Puls4

Am 17. November gab es einen Bericht auf Puls4 über mein Schicksal zu sehen. Dazu besuchte mich ein Kamerateam zu Hause. Hier könnt ihr den Bericht anschauen.

Gestaltet hat ihn meine ehemalige Kollegin Nadja El-Gedawi bei Puls4. Es war ein Beitrag für "Starke Menschen", im Rahmen der Puls4 News.

Puls4 bei mir zu Hause
Puls4 bei mir zu Hause


Es war komisch für mich, einmal auf der anderen Seite der Kamera zu stehen. In den letzten Jahren machte ich genau diese Art von Beiträgen. Für mich lag die Herausforderung im Interview, wo mir mehrmals die Wörter oder was ich sagen wollte, entfallen ist. Dazu  konnte ich mich zum ersten Mal selbst auf Filmaufnahmen sehen. Ein bisschen bin ich erschrocken, mich so zu sehen. Es hat mich aber motiviert, mich auch mal mit der Filmkamera festzuhalten. Bisher war es mir aber nicht möglich. Ich muss mich erst wieder langsam daran gewöhnen.

Meine Message "Nicht aufgeben" war der Aufhänger für den Film. Selbst in scheinbar aussichtslosen Situationen nicht aufzugeben. Das war nicht immer klar. Denn gerade am Anfang wäre es leicht gewesen nicht mehr zu wollen. Diesen Gedanken hatte ich aber nicht in mir. Es wird noch lange dauern, bis ich wieder ein selbständiges, selbstbestimmtes Leben führen kann. Bis dahin heißt es weitermachen.

"Als ehemaliger Postler gibt man nur einen Brief auf, nicht sich selbst!"


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Ich bin Jörg, wohne in der Nähe von Graz und blogge hier über meinen Weg zurück ins Leben, das ein Hirnabszess 2016 völlig auf den Kopf gestellt hat.
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