20. Wie soll/kann ich Laufen lernen?

1. September 2017
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4 Minuten Lesezeit

Ein Thema, das mich über die letzten Monate beschäftigt, ist das Laufen, oder mittlerweile, dass ich noch immer nicht laufen kann.

Ok, ich gebe mir Zeit und habe begriffen, dass eben andere Sachen wichtiger sind. Es ist ein Einschnitt in meinem Leben und ich durfte so viel anderes kennen lernen und erleben. Laufen und Trailrunning ist trotzdem noch mein Ziel, auch wenn es noch länger dauern wird.

Laufen am Stand

Seit einigen Tagen bin ich trotzdem "läuferisch" unterwegs. Unterwegs ist eigentlich nicht richtig, denn ich versuche am Stand zu laufen und das sehr langsam.

Also, ...... ich bin nicht draußen unterwegs. Klingt komisch, ist aber so. Ist in meinem speziellen Fall sogar einleuchtend. Ich versuche schon seit Monaten zu laufen, aber es will nicht sein. Es ist mir zu schnell und die Koordination der Beine kommt nicht mit.

Mein Gehirn ist mit der Schnelligkeit überfordert, die es braucht, um die Schrittfolge zu meistern. Ein paar Schritte...noch dazu unter enormer Kraftanstrengung... und aus ist es. So musste eine neue Taktik her.

Synapsen trainieren

Mit dem Laufen am Stand trainiere ich zunächst in erster Linie die Synapsen im Gehirn. Es bekommt damit die Information, dass ich laufe, obwohl ich mich nicht vorwärts bewege. Es geht nur um die Information. Ich kann mich sogar festhalten, sollte mich der Schwindel erfassen oder wenn ich das Gleichgewicht verliere.

In diesem Fall geht es nicht um Kondition, sondern um die Information, die in meinem Gehirn anlangen soll. Erst wenn die Info, dass ich laufe, lange und oft genug im Gehirn ankommt, können sich die neuen Synapsen bilden.

Neue Synapsen fürd Laufen bilden,
Synapsen

Erst dann kann ich an der Fortbewegung trainieren, weil es das Hirn schon kennt. Das heißt dann zu beginnen, Zentimeter um Zentimeter vor den anderen Fuß setzen. Zehn Meter können so recht lange dauern. Derzeit reicht es am Stand zu laufen. Ich merke es, wenn ich soweit bin, mich vorwärts zu bewegen. Es heißt eben auch hier von 0 weg zu beginnen.

Auch die Kondition dauert seine Zeit

Auch die Kondition lässt zu wünschen übrig. Sobald ich zum Beispiel etwas schneller gehe, komme ich gleich außer Atem. Da steht noch einiges an Training an. Allerdings, mein Körper lässt sich nicht überlisten. Viel Üben ist in meinem Fall zwar gut, aber mehr als die zur Zeit mögliche Belastung geht eben nicht.

Rund eine Stunde kann ich für die wichtigen Anliegen des Tages nutzen. Dabei ist es egal ob ich denke, mich bewege, oder etwas anderes mache. Eine Stunde am Tag ist nicht viel, daher muss ich genau überlegen, was ich mache. Diese Zeitspanne lag vor einem Jahr noch bei etwa fünfzehn Minuten, aber langsam wird sie größer.

Es wäre natürlich fein, wenn nur die Kondition für mein Bewegen zuständig wäre. Kondition trainieren und alles ist gut. So wie ich früher für ein Radrennen trainierte oder für eine Bergbesteigung. Aber es ist eben nicht so. Nicht die Kondition, sondern die neurologischen Defizite sind die Ursache für mein langsames Weiterkommen. Und das kann dauern.

Fitnessstudio

Kraftkammer


Das Gehen lernen, zusammen mit meinen Übungen, war bisher optimal. Aber um meine Kondition weiter aufbauen zu können, komme ich um spezifisches Training nicht herum. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen ab Herbst ins Fitnessstudio zu gehen. Wenn es kälter wird, kann ich nicht so leicht meine Übungen im Freien machen.

Ich ziehe ja eigentlich die Natur vor, aber in diesem Fall muss ich über meinen Schatten springen und Indoor bleiben. Ich kann in der Kraftkammer bestimmte Muskelgruppen einfacher und zielgerichteter trainieren. Im Wald muss ich manchmal dazu einfach zu viel nachdenken, welche Übung jetzt passen würde. Und beim Denken bin ich noch limitiert.

Noch immer muss ich mir den Tag ganz genau damit einteilen, was ich alles erledigen möchte. Ich habe nur eine geringe Bandbreite. Mache ich zu viel, stehe ich schnell an. Es kann passieren, dass zu Mittag bereits meine Batterien leer sind. Dann heißt es sich über den Tag retten und viele zusätzliche Pausen zu machen.

Die Mur und der Schlossberg

Ich kann aber nicht immer zu Hause bleiben. Die Decke fällt mir sonst auf den Kopf. Wenn meine Lebensgefährtin Silvia etwas in der Stadt zu erledigen hat, lasse ich mich zur Mur bringen. Dort spaziere ich den Fluss entlang. Viele Parkbänke geben mir die Möglichkeit für genug Pausen.

Die Mur
Die Mur

Auf meiner Lieblingsstrecke komme ich dabei am Kalvarienberg vorbei, den ich zur Besteigung nutze. Die vielen Stufen hinauf sind eine Herausforderung, wie es früher ein Lauf in die Berge war. Etwas mehr als 100 Stufen sind zu erklimmen. Er gilt als der "Berg der Hoffnungen". Meine Hoffnung liegt darin, wieder  größere Berge als den Kalvarienberg zu besteigen.


Der Kalvarienberg in Graz

Der Schlossberg in Graz

Eine andere Tour, die ich seit kurzem gerne nutze, ist der Schlossberg. Zu Fuß hinauf ist noch zu anstrengend, darum fahre ich mit der Bahn. Hinunter bieten mir viele Bänke Zeit zum Rasten. Das Bergabgehen ist ebenfalls sehr anspruchsvoll und mindestens so schwer wie bergauf.

Besonders die Oberschenkel werden trainiert. Allerdings ist das Verhältnis Trainingsaufwand zu Trainingsergebnis sehr gering. Ich mache eben in allem einen sehr kleinen Fortschritt. Egal ob im Denken, im Gehen oder im Greifen.

Per Schlossbergbahn hinauf

So sieht mein Training aus, wenn ich mal von zu Hause weg bin. Der Murweg oder der Schlossberg sind aber doch noch die Ausnahme. Das meiste Training findet noch bei mir zu Hause in den Wäldern von Stattegg statt und der Wald ist nach wie vor mein liebster Aufenthaltsort.

Kleine Verbesserungen spüre ich erst nach Wochen, wenn nicht nach Monaten. Ich habe zwar meine Rehabilitation wie ein Sportler angelegt, aber sie ist damit nur bedingt vergleichbar. Die Zeitdauer für Erfolge ist viel länger. 


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Ich bin Jörg, wohne in der Nähe von Graz und blogge hier über meinen Weg zurück ins Leben, das ein Hirnabszess 2016 völlig auf den Kopf gestellt hat.
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