Training, Training, Training - es muss ja einmal besser werden!

18. Dezember 2020
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3 Minuten Lesezeit

Training, Training, Training - es muss ja einmal besser werden!

Die Tage sind voll davon - mit Training. Training und Üben, um besser zu werden. Aber wie viel besser, ist genug?

"Besser" ist ein relativer Begriff. Ich habe zwar das Himmel und Hölle Spiel, aber es zeigt mir nur, wo ich aktuell stehe. Es sagt mir nicht, wo ich im Training stehe oder wie weit ich wirklich bin. Seit dem Beginn der Corona-Krise bin ich nicht weiter gekommen.

Wo stehe ich im Training?
Wo stehe ich im Training?

Stillstand

Seit März dieses Jahres spüre ich Stillstand in mir. Mein größter Erfolg dieses Jahr war es, mit dem Radfahren begonnen zu haben. Trotzdem spüre ich Stillstand in mir.

Allerdings ist es wenigstens Stillstand und kein wirklicher Rückschritt. Woran soll ich aber Rückschritt messen? An meiner Kilometer Leistung, die ich imstande bin zu gehen? An meinen Übungen mit dem Computer, die mir zeigen, ob ich eine bessere Reaktion habe?

So gesehen habe ich seit März einen Rückschritt, keinen Stillstand.

Aussicht beim Training im Wald

Über die Runden kommen

Es ist eigentlich seit Monaten ein über die Runden kommen. Ich konzentrierte mich darauf, meine Gehfähigkeit zu verbessern und das therapeutische Tanzen.

Einige Aha-Effekte hatte ich und konnte sehr viel lernen. Die Eigen-Wahrnehmung spielt eine große Rolle und ich konnte an Dingen arbeiten, die mir so nicht bekannt waren. Propriozeption und Wahrnehmen, das waren die Sachen, an denen ich die meiste Zeit arbeitete und sogar mit großem Erfolg.

Körperlich baute ich aber immer mehr ab. Mir fehlt das viele Gehen, vor allem im Pilger-Modus. Zu Hause ist das fast nicht möglich.

Lockdown und Winter

Seit dem Lockdown und dem Winter ist alles schwerer geworden. An die Stelle der Leichtigkeit, an der ich arbeitete, ist wieder die Schwere getreten.

Das darf mich aber nicht irritieren. Der Winter war, seit dem Hirnabszess, schon immer mein Sorgenkind. Trotzdem hoffe ich jedes Mal darauf, dass ich diesen Winter besser vertrage. Letzten Winter war ich am Camino Frances und hatte die Hoffnung, in diesem Jahr einen entscheidenden Schritt nach vorne zu machen.

Stattdessen ging der erwartete Schritt nach vorne, ein Stück nach hinten. Den ganzen Sommer machte ich Schadensbeschränkung. Der eine oder andere Erfolg war da, wie das Radfahren. Trotzdem hatte ich mit den veränderten Bedingungen zu kämpfen. Der Winter und der Lockdown gaben mir den Rest.

Training Gehen

Optimistisch bleiben

Trotz allem bleibe ich optimistisch, mit dieser Zeit umgehen zu lernen. Es ist eben ein anderes Lernen, als noch vor einem Jahr. Meine größte Herausforderung ist es, mein Gehirn noch besser in Schuss zu bringen, um diese Veränderung auch verstehen zu können.

Denn im Moment reagiere ich bloß auf alles, so gut ich kann. Wirklich verstehen tue ich es noch immer nicht. Ich trainiere und übe für etwas, was bis Anfang des Jahres mein Leben ausmachte. Es ist gar nicht so sehr das Pilgern, mehr noch trifft mich das "Leben lernen", das ich im Frühjahr als Auftrag in der Ergo-Therapie bekam.

In gewisser Hinsicht bin ich wieder zurück an den Anfang gefallen, wo damals schon soziale Isolation und Rückzug mein Alltag war. Ich kann nur von Glück sprechen, dass ich am Rand eines Waldes wohne. Ohne einen Wald, womöglich in der Stadt, hätte ich mich weit schwerer getan, diese Zeit zu überstehen.

Cleanup Einkaufen

Ein beliebtes Training von mir, ist das Müll sammeln. Einmal die Woche gehe ich nach Gratwein einkaufen und sammle auf dem Weg den Müll ein. Jedes Mal kommen ein bis drei Sackerl zusammen und das Woche für Woche.

Beinahe an denselben Stellen finde ich Dosen, Zigarettenschachteln und Plastikabfall. Würde ich es seit März nicht jede Woche aufheben, würden Mengen von Müll am Weg liegen. Ich mache es aus Eigennutz, denn es tut mir in der Seele weh, entlang des Weges so viel Abfall zu sehen.

Außerdem schule ich meine Wahrnehmung und Beweglichkeit durch das hinunterbeugen und Greifen. Fast täglich sammle ich Dosen und Plastik bei meinen Spaziergängen im Wald ein.

Training im Home-Office

Mein Gymnastik-, Kraft- und Stretching Training mache ich seit März im Home-Office und nicht mehr im Fitness-Studio. Das Training mit Gewichten fehlt mir und ich muss gut improvisieren, um es auszugleichen.

Training, Training, Training - es muss ja einmal besser werden!

Muss es das? Ich hatte dieses Jahr erstmals einen Stillstand, obwohl ich mich in gewisser Hinsicht verbessert habe. Diese Verbesserung ist aber so subtil, dass ich sie fast nicht merke und durch wirkliche Verschlechterung aufgehoben wird.

Der große Durchbruch ist ausgeblieben, nach dem es im Frühjahr ausschaute. Stattdessen nahm unser aller Leben eine unerwartete Wendung. Durch Corona merkte ich umso mehr, wie groß meine Defizite und Handicaps sind. Trotz aller Schwierigkeiten ist mir aber eines geblieben:

"Never give up!"


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8 comments on “Training, Training, Training - es muss ja einmal besser werden!”

  1. Hallo Jörg,ich verfolge deine Berichte von beginn deiner Krankheit,Sorry meine
    schreibweise,da war ich immer etwas hinten.Ich kann Dir nur meinen Respekt ausdrücken,von deinen Reha-bis Camino,und innerlichen willen,wüsche ich Dir weiter soooo viel Kraft,um da hin zu kommen wie du es dir vorstellst!!
    Mache weiter so,es wäre schön wenn so manche Menschen die Gesund sind,und nur die Hälfte von Dir für Umwelt usw. machen...!!
    Ich wünsche dir auf diesem Wege,vom Herzen weiter viel Kraft!!
    Frohe Weihnacht,franz

    1. Hallo Franz,
      danke für die Worte und auch ich wünsche dir und der Familie frohe Weihnachten.
      Vielleicht sehen wir uns nächstes Jahr einmal beim Radfahren, es würde mich freuen 😊.

      Liebe Grüße und Danke
      Jörg

  2. Lieber Jörg!

    Ich verfolge deine Berichte auch von Anfang an und kann Dir nur raten, wieder zum Anfang zurück zu kehren. Du warst doch mal in diesem Buddhistischen Zentrum. Nimm dein jetzt an so wie es ist und lasse das Leben seinen Fluss. Nimm alles an so wie es ist. Du kannst nicht mit deinem alten Verhalten Erfolg haben in dem du wieder deinem sportlichen Ehrgeiz auspackst.

    Ich habe es inzwischen begriffen. Nicht der Sport hat aus mir gemacht was ich bin sondern ich habe den Sport gemacht weil ich schon immer so war. Der Sport hat lediglich zu meinem Ich gepasst.

    Auch ich habe in meinem Leben Phasen die sich nach Stillstand anfühlen. Man braucht diese Phasen aber genau so wie denn Fortschritt in seinen Leben. Nimm alles so an wie es ist und du bist wundervoll so wie du bist. Die Lehren des Buddhismus sagen das du nichts mehr erreichen musst aber alles erreichen kannst. Das gibt einem eine Leichtigkeit im Leben.

    In diesem Sinne wünsche ich Dir eine besinnliches Weihnachtsfest und ein erfolgreiches Jahr 2021.

    Es kommt noch viel Neues auf uns zu und die Zeiten werden nicht einfacher.

    Lg Joachim

    1. Hallo Joachim!
      Ja,es hat sich viel verändert. Ich (oder mein Gehirn 😜, wir sind noch zwei) braucht leider noch lange, um Veränderung zu lernen. Ich war auf einem guten Weg, aber seit Corona ist wieder einmal alles anders.
      Und die Veränderung ist so groß, mit so vielen Vorschriften und Verhaltensregeln, dass es mein Gehirn kaum packt. Allein Einkaufen wurde zur Challenge.
      Der Buddhismus spricht weise Worte, die sehr wahr sind. Ich war mit den bisherigen Basics des Leben ausreichend gefordert und allein die muss ich neu aufstellen.
      "Ich muss nichts mehr erreichen!", dass habe ich schon verstanden. Mein "Training" mag für viele anstrengend ausschauen, aber in Wirklichkeit bewege ich mich am untersten Limit. Die Rehabilitation ist das einzige woran ich mich anhalten kann, um Lebensqualität zu bekommen und selbst das ist anders wie vor Corona. Es ist mein Beruf geworden, denn wie vor Jahren als Radfahrer, kümmere ich mich 24 Stunden um mich, um "besser" zu werden. Besser nicht in dem Sinn von Leistung, sondern von besserer Lebensqualität.
      Außerdem ist es interessant zu sehen, was noch alles möglich ist. 🙂
      Danke für deine Worte, tut gut, manchmal daran erinnert zu werden.
      Ich wünsche auch dir und deiner Familie ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr.
      Liebe Grüße
      Jörg

    1. Genau, ich brauche nur gleich weiter arbeiten an mir und mich nicht aus der Ruhe bringen lassen, besonders nicht durch Corona. Ich möchte ja noch einmal Radfahren auf Mallorca!😀👌

  3. Lieber Hr Krasser, Sie beschreiben Ihre Situation so gut und verständlich: ich lese das sehr gerne, es hilft mich nicht so alleine zu fühlen mit der Hemiparese. Auch ich verspüre Stillstand und das ist au jeden Fall hoffnungsvoller als meinem Rückschritt im November 2020. Sie schreiben ehrlich und authentisch. Liebe Grüße Paula

    1. Danke, es freut mich das es ihnen hilft.
      Man fühlt sich oft alleine gelassen, besonders in der Zeit der Pandemie. Aber nicht verzagen, es geht immer weiter, man merkt es nur oft nicht. Ich darf zum Beispiel nicht nachlassen, dann habe ich sofort Verschlechterung in allem. Dranbleiben ist mein Zauberwort.
      Ich wünsche ihnen viel Kraft, mit allem umzugehen und nach einem bergab kommt immer ein bergauf!

      Liebe Grüße
      Jörg

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Ich bin Jörg, wohne in der Nähe von Graz und blogge hier über meinen Weg zurück ins Leben, das ein Hirnabszess 2016 völlig auf den Kopf gestellt hat.
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