Camino Norte & Primitivo – Warum ich in Bilbao einfach losging

4. Juni 2026
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10 Minuten Lesezeit

Persönlicher Hinweis:
Ich lebe seit einem Hirnabszess mit bleibenden neurologischen Einschränkungen. Diese betreffen unter anderem meine körperlichen Möglichkeiten, meine Belastbarkeit, mein Denken und mein Tempo. Alles, was ich hier schreibe, entsteht aus dieser Lebensrealität heraus und ist nur vor diesem Hintergrund vollständig zu verstehen.


Camino Norte und Camino Primitivo – Warum ich in Bilbao einfach losging

Teil 1: Von Bilbao bis Oviedo

Für den Camino Norte und Camino Primitivo hatte ich mich schon lange interessiert.

Irgendetwas an diesem Weg zog mich an.

Vielleicht sein Ruf. Rauer sollte er sein. Ursprünglicher. Weniger überlaufen als andere Caminos. Mehr Berge, mehr Einsamkeit, mehr Natur. Ein Weg, der noch ein wenig wilder wirkt als vieles andere, was ich bisher gegangen war.

Und vielleicht auch gerade deshalb wollte ich ihn unbedingt einmal kennenlernen.

Diesmal entschloss ich mich außerdem zu etwas, das ich sonst eher vermeide:

Ich flog nach Spanien.

Normalerweise beginne ich eine Reise lieber langsam. Bus oder Zug gehören für mich fast schon zum Unterwegssein dazu. Der Weg beginnt nicht erst am Camino. Oft beginnt er schon viel früher, irgendwo zwischen Umsteigen, Bahnhöfen und langen Stunden des Unterwegsseins.

Doch bis Bilbao hätte die Anreise diesmal sehr lange gedauert.

Und ich wollte meine Kräfte lieber fürs Gehen aufheben.

Also buchte ich für das Hinkommen – bewusst und zum erst zweiten Mal für einen Camino –  einen Flug.

Mit dem Flugzeug zum Camino Norte und Camino Primitivo

Der ursprüngliche Plan war eigentlich simpel:

In Bilbao landen und von dort weiter nach Oviedo fahren. Mit Bus oder Zug, ganz unkompliziert. Dort sollte dann der Camino Primitivo beginnen.

Doch je länger ich darüber nachdachte, desto absurder erschien mir die Idee.

Warum noch weiter irgendwohin fahren, um dann zu gehen – wenn ich doch bereits dort war?

Also änderte ich den Plan kurzerhand.

Ich schnürte in Bilbao die Schuhe und machte mich zu Fuß auf den Weg.

Zunächst entlang des Camino Norte Richtung Westen.

Erst später wollte ich Richtung Oviedo abbiegen – dorthin, wo der eigentliche Camino Primitivo beginnt.

Im Nachhinein war es wohl wieder eine typische Camino-Entscheidung.

Nicht alles zerdenken.

Einfach losgehen.

Ein ruhiger Start in Bilbao

In Bilbao angekommen, entschied ich mich bewusst gegen eine Herberge und nahm mir ein Einzelzimmer.

Das Fliegen hatte mich mehr erschöpft als gedacht.

Ich merkte schnell: Ich brauche Ruhe.

Normalerweise beginne ich einen Camino unkompliziert. Diesmal fühlte es sich aber richtig an, mir diese erste Nacht bewusst zu gönnen.

Einfach ankommen.

Nichts müssen.

Kraft sammeln.

Im Nachhinein war es genau die richtige Entscheidung.

Früh hinaus in die Dunkelheit

Am nächsten Morgen ging es sehr früh los.

Noch in der Dunkelheit verließ ich Bilbao.

Ich mag diese frühen Stunden am Camino.

Wenn die Welt noch schläft. Die Straßen leer sind. Wenn der Tag erst langsam beginnt und man beinahe das Gefühl hat, alleine unterwegs zu sein.

Schritt für Schritt wurde es heller.

Irgendwann hatte ich die aufgehende Sonne im Rücken.

Der Camino Norte führt mittlerweile anders aus Bilbao hinaus als früher. Über die Höhen geht es rund um die Stadt Richtung Meer.

Damit kommen gleich zu Beginn einige zusätzliche Höhenmeter zusammen.

Immer wieder öffneten sich schöne Ausblicke zurück auf Bilbao.

Dann wieder ging es bergauf.

Bergab.

Weiter.

Stadt und Natur wechselten sich ab.

Und irgendwo dort merkte ich:

Jetzt hat der Camino wirklich begonnen.

Trotz der frühen Stunde war es bereits warm genug für kurze Hose.

Der Tag versprach Hitze – und hielt sie auch.

Mein Ziel war Castro Urdiales.

Über fünfzig Kilometer entfernt.

Eigentlich keine kleine erste Etappe.

Aber schon bald stellte sich dieses vertraute Gefühl ein:

Ich wollte einfach gehen.

Gehen, gehen, gehen. 

Ich wollte mich und mein Nervensystem auf gleich bringen.

Dadurch, dass ich so früh gestartet war, hatte ich den Weg lange fast für mich allein.

Los in Bilbao, zum Camino Norte und Camino Primitivo

Erst später begegnete ich anderen Pilgern. Viele waren gemütlicher unterwegs oder starteten in einer der späteren Dörfer.

Während andere gerade losgingen, hatte ich bereits Stunden in den Beinen.

Und trotzdem fühlte sich der Tag erstaunlich leicht an.

Jakobsmuschel geschenkt bekommen
Diese Jakobsmuschel schenkte mir unterwegs jemand vom Auto raus

Früher als gedacht erreichte ich Castro Urdiales.

Ich hatte Zeit.

Zeit zum Essen.

Zum Herumschlendern.

Zum Meer hinuntergehen.

Zum Sitzen.

Zum Schauen.

Einfach da sein.

Es war kein spektakulärer erster Tag.

Aber genau richtig.

Ein ruhiger Beginn.

Alleingehen, lange Etappen und volle Herbergen

Schon in den ersten Tagen merkte ich, dass ich vor allem eines wollte:

Gehen.

Nicht viel reden.

Nicht viel organisieren.

Möglichst wenig Menschen.

Einfach unterwegs sein.

Früh losgehen – oft noch vor den meisten anderen Pilgern – und bis spät am Nachmittag unterwegs bleiben.

Das Alleingehen tat mir gut.

Dadurch, dass ich meist sehr früh startete, begegnete ich oft stundenlang kaum jemandem.

Erst später holte ich andere Pilger ein.

Für mich passte dieses stille Dahingehen perfekt.

Wenig reden.

Viel schauen.

Viel wahrnehmen.

Eine Sache hatte ich allerdings unterschätzt:

Den Camino Norte im Sommer.

Obwohl ich unterwegs oft erstaunlich wenige Menschen traf, war am Abend plötzlich alles voll.

Wenn ich nach langen Etappen am späten Nachmittag irgendwo ankam, waren viele Betten bereits vergeben.

Mehr als einmal bekam ich gerade noch eines der letzten freien Betten.

Manchmal wurde es richtig knapp.

Das irritierte mich anfangs.

Ich war es gewohnt, eher in der Nebensaison oder im Winter unterwegs zu sein.

Dort stellt sich die Quartierfrage meist gar nicht.

Man kommt an und findet immer ein Bett.

Hier war das anders.

Relativ schnell wurde mir klar:

Am Camino Norte würde ich wohl öfter reservieren müssen.

Nur genau das tue ich äußerst ungern.

Telefonieren fällt mir bis heute nicht leicht.

Besonders dann, wenn am anderen Ende nur Spanisch gesprochen wird und man irgendwie erklären muss, wann man ankommt oder ob überhaupt noch ein Bett frei ist.

Also schob ich das möglichst lange hinaus.

In der Hoffnung, dass sich – wie so oft am Camino – schon irgendwie alles ergeben würde. Deswegen sicher die für andere oft merkwürdigen Entscheidungen.

Ich mache das, was für mein Gehirn seit dem Hirnabszess möglich ist, auch wenn es für andere nicht nachvollziehbar ist.

Richtung Santander – Entscheidung im Gewitter

Die Etappe Richtung Santander wurde auf ihre eigene Art besonders.

Etwa fünfundzwanzig Kilometer vor der Stadt hatte ich übernachtet.

In der Früh ging ich wieder zeitig los.

Wie meistens.

Rund zehn Kilometer vor der Fähre nach Santander stand ich schließlich vor einer Entscheidung.

Der Camino bot zwei Möglichkeiten.

Die direkte, eher unspektakuläre Strecke, neben der Straße.

Oder den schöneren Weg entlang des Meeres.

Mehr Küste.

Mehr Landschaft.

Aber auch länger.

Eigentlich hätte mich der Weg am Meer gereizt.

Doch manchmal entscheidet der Camino für einen.

Am Horizont zogen dunkle Wolken auf.

Gewitter, Camino Norte und Camino Primitivo

Innerhalb kurzer Zeit wurde aus einer Ahnung Gewissheit.

Das Gewitter kam schnell näher.

Erst Regen.

Dann plötzlich strömender Regen.

Nicht dieser kurze Sommerschauer.

Sondern einer jener Regengüsse, die alles verschlucken.

Sicht.

Geräusche.

Orientierung.

Dazu Donner und Blitze.

Ein Blitz schlug irgendwo nicht weit entfernt ein.

Sekunden später folgte ein Knall, so laut, dass man das Gefühl hatte, die Erde würde kurz erzittern.

Für einen Moment blieb ich stehen.

Respekt bekommt man in solchen Augenblicken automatisch.

Die Entscheidung war gefallen.

Im strömenden Regen und tiefem Sand weiter Richtung Meer zu gehen, machte keinen Sinn.

Also nahm ich die direkte Strecke entlang des Radwegs Richtung Santander.

Schön war anders.

Unterstellen?

Keine Chance.

Kein Dach.

Keine Bushaltestelle.

Nichts.

Also blieb nur eines:

Weitergehen.

Langsam.

Schritt für Schritt.

Zwei Stunden lang marschierte ich im strömenden Regen Richtung Fähre.

Camino Norte und Camino Primitivo

Schuhe und Kleidung längst durchnässt.

Immer wieder Blitze.

Donner.

Bei der Fähre angekommen, hörte das Gewitter auf.

Die Sonne kam sogar kurz hervor.

Ich konnte mich beim Warten ein wenig trocknen.

Und plötzlich wirkte alles wieder deutlich freundlicher.

Mit der Fähre ging es hinüber nach Santander.

Bleiben wollte ich dort allerdings nicht.

Ich kaufte nur etwas ein.

Dann ging es weiter.

Noch einmal rund zwanzig Kilometer.

Wieder eine lange Etappe.

Aber nach dem Regen fühlte sich das Gehen plötzlich gut an.

Fast leicht.

Camino Norte und Camino Primitivo

Kein Bett mehr

Als ich schließlich die Herberge erreichte, folgte Ernüchterung.

Über sechzig Betten sollte sie haben und war die einzige am Abschnitt.

Doch die Hospitalera sah mich nur an und meinte:

„Completo.“

Voll.

Kein Platz mehr.

Zum ersten Mal wurde mir richtig bewusst, wie voll der Camino Norte tatsächlich war.

Tagsüber war ich oft stundenlang allein unterwegs.

Und trotzdem waren am Abend die Unterkünfte ausgebucht.

Die Hospitalera verwies mich an eine weitere Unterkunft.

Noch einmal zwanzig bis fünfundzwanzig Kilometer entfernt.

Ein starkes Stück.

Vor allem mit bereits vierzig Kilometern in den Beinen.

Trotzdem beschloss ich weiterzugehen. Es gab sonst nur einige teure Hotels, die Nacht um über € 100,-. Mein Budget für drei Tage. 

Im Notfall, dachte ich mir, würde ich irgendwo schlafen.

Bushaltestelle.

Unterstand.

Schlafsack ausrollen.

Irgendwie würde es gehen. 

Doch am Nachmittag begann es wieder zu regnen.

Nicht kurz.

Als es gegen 19 Uhr noch immer in Strömen regnete, wurde mir klar:

Heute werde ich mich nicht irgendwo draußen hinlegen.

Schließlich fand ich ein Hotelzimmer.

Warm.

Trocken.

Einzelzimmer.

Und überraschend günstig.

Kurz nach 20 Uhr checkte ich ein.

Und war einfach froh, angekommen zu sein.

Regen, Regen und immer wieder Regen

Der Camino Norte zeigte sich wettertechnisch von einer Seite, mit der ich so nicht gerechnet hatte:

Regen.

Und zwar viel Regen.

Nicht jeden Tag durchgehend.

Aber immer wieder.

Es begann.

Hörte auf.

Begann erneut.

Dann wieder Sonne.

Kurz darauf wieder Regen.

Manche Tage fühlten sich an, als würde jemand irgendwo einen Schalter ständig ein- und ausschalten.

Auf.

Zu.

Auf.

Zu.

Teilweise spannte ich den Regenschirm fünfzehn oder zwanzig Mal am Tag auf.

Kein Scherz.

Gerade hatte man ihn verstaut, begann es wieder leicht zu nieseln. Dann wurde daraus Regen. Kurz später wieder trocken.

Und wieder von vorne.

Dadurch waren die Wege oft nass.

Teilweise richtig gatschig.

Besonders nach längeren Regenfällen wurde manches zur kleinen Rutschpartie. Schuhe und Beine waren ohnehin irgendwann nass. Dagegen anzukämpfen machte wenig Sinn.

Mental war das auf Dauer durchaus fordernd.

Über viele hundert Kilometer immer wieder im Regen unterwegs zu sein, macht etwas mit einem.

Vor allem dann, wenn sich das Wetter tageweise kaum entscheiden kann.

Und trotzdem merkte ich: Mein Regensystem funktionierte erstaunlich gut.

Den Poncho hatte ich längst aussortiert.

Stattdessen ging ich fast nur noch mit Regenschirm.

Bei stärkerem Regen oder Kälte zusätzlich mit Regenjacke.

Damit kam ich deutlich besser zurecht.

Oben blieb ich halbwegs trocken, hatte mehr Bewegungsfreiheit und fühlte mich weniger eingeengt als früher unter einem Poncho.

Unten – besonders Schuhe und Beine – wurde ohnehin irgendwann alles nass.

Also warum groß dagegen ankämpfen?

Irgendwann akzeptiert man es einfach.

Und geht weiter.

Schritt für Schritt.

Auch im Regen.

Vielleicht sehe ich Regen aber auch deshalb anders als früher.

Während meiner fünf Monate im Krankenhaus lag ich oft am Fenster und schaute hinaus.

Immer wieder regnete es.

Ich sah den Regen.

Konnte ihn aber nicht erreichen.

Damals hätte ich viel dafür gegeben, einfach draußen zu stehen. Den Wind zu spüren. Die Regentropfen auf der Haut zu fühlen. Überhaupt irgendwo draußen unterwegs sein zu können.

Als mich nach langer Zeit wieder einmal Regen traf, fühlte es sich beinahe so an, als würde eine vertrocknete Blume gegossen werden.

Seltsam vielleicht.

Aber genau so fühlte es sich an.

Seit damals hat Regen für mich etwas von seinem Schrecken verloren.

Natürlich ist tagelanger Regen anstrengend.

Natürlich nervt nasse Kleidung oder Schlamm.

Und trotzdem denke ich mir oft:

Immerhin bin ich draußen.

Unterwegs.

Genau dort, wo ich so lange nicht sein konnte.

Wiedersehen mit einem alten Hügel

Nach Santander wollte ich es eigentlich ruhiger angehen.

Weniger Kilometer.

Früher ankommen.

Zumindest war das der Plan.

Doch wie so oft unterwegs kam es anders.

Herbergen voll.

Eine nach der anderen.

Also ging ich weiter.

Und weiter.

Irgendwann merkte ich, dass ich in einen richtigen Flow geraten war.

Schritt für Schritt.

Stunde um Stunde.

Ohne großes Nachdenken.

So wurden aus kurzen Etappen wieder lange.

Was mir allerdings erneut auffiel:

Wie viel Asphalt der Camino Norte eigentlich hat.

Viele Caminowanderer jammern darüber.

Mich störte es erstaunlich wenig.

Im Gegenteil.

Der gleichmäßige Rhythmus hatte fast etwas Meditatives.

Weniger Stolpern.

Weniger Aufmerksamkeit für jeden einzelnen Schritt.

Einfach gehen.

Kurz vor Villaviciosa wartete plötzlich eine alte Bekanntschaft auf mich.

Ein langer, steiler Hügel.

Asphalt.

Gerade hinauf.

Mein Hügel am Camino Norte

Schon beim Anblick wusste ich:

Den kenne ich. Von meinem letzten Norte.

2019 war jede längere Steigung beinahe ein Kampf gewesen.

Langsam.

Schnaufend.

Schritt für Schritt.

Diesmal fühlte es sich anders an.

Natürlich war der Hügel noch immer steil.

Aber plötzlich ging es leichter.

Ruhiger.

Gleichmäßiger.

Irgendwann stand ich oben.

Fast ohne groß darüber nachzudenken.

Ein kleiner Moment vielleicht.

Aber einer, der mir zeigte:

Zwischen damals und heute hatte sich doch einiges verändert.

Valdediós – Ruhe im Kloster

In Villaviciosa entschied ich mich nach einem kurzen Einkauf weiterzugehen, weg vom Camino Norte.

Mein Ziel war Valdediós.

Das Kloster kurz vor dem Beginn des Camino Primitivo.

Klöster haben für mich am Camino immer etwas Besonderes.

Sie bringen automatisch Ruhe hinein.

Eine andere Atmosphäre.

Und ehrlich gesagt hoffte ich auch auf weniger Menschen.

Nach den vollen Herbergen der vergangenen Tage sehnte ich mich wieder nach Stille.

Als ich ankam, war ich der erste Pilger.

Später kamen noch zwei weitere dazu.

Mehr nicht.

Fast ideal.

An diesem Abend lernte ich Michael kennen.

59 Jahre alt.

Kanadier aus Vancouver.

Außerdem einen Slowaken, ebenfalls am Camino unterwegs.

Rückblickend waren diese beiden eigentlich die einzigen Menschen, mit denen ich längere Gespräche führte.

Vielleicht blieben sie mir gerade deshalb so in Erinnerung.

Michael wusste unglaublich viel über Kirchenbau und Architektur.

Mit Begeisterung erklärte er Unterschiede zwischen Baustilen, Bauzeiten oder warum Fensterhöhen oft Hinweise auf bestimmte Epochen geben.

Es war faszinierend zuzuhören.

Der Slowake wiederum erzählte offen von seiner Krebserkrankung.

Für ihn war der Camino längst mehr als nur Wandern geworden.

Vieles von dem, worüber wir gesprochen haben, habe ich längst wieder vergessen. Aber das Gefühl dieses Abends ist geblieben.

Es waren aber gute Gespräche.

Solche, die bleiben.

Und irgendwie passte an diesem Abend einfach alles.

Ruhe.

Gute Begegnungen.

Kein Trubel.

Genau richtig.

Abendessen in kleiner Gemeinschaft, am Camino Norte und Camino Primitivo.
Abendessen in kleiner Gemeinschaft

Oviedo – Beginn des Camino Primitivo

Am nächsten Tag wurde die Etappe wieder länger als gedacht.

Mehr als fünfundvierzig Kilometer standen am Ende auf der Uhr.

Irgendwann erreichte ich schließlich Oviedo.

Damit war der Camino Norte für mich vorerst zu Ende.

Vor mir lag nun jener Weg, auf den ich mich eigentlich schon lange gefreut hatte:

Der Camino Primitivo.

Rauer.

Bergiger.

Ursprünglicher.

Zumindest seinem Ruf nach.

In der öffentlichen Herberge war überraschend viel los. Nach den Erfahrungen der vergangenen Tage hoffte ich trotzdem auf etwas mehr Ruhe. Weniger Menschen. Mehr Stille. Vielleicht wieder längere Abschnitte ganz für mich allein.

Ob sich diese Hoffnung erfüllen würde, wusste ich nicht.

Was ich allerdings wusste:

Am nächsten Morgen würde ich wieder früh aufstehen.

Sehr früh.

Wenn andere noch schliefen oder ihre Rucksäcke packten, würde ich vermutlich schon unterwegs sein.

Genau diese Stunden mochte ich am meisten.

Wenn die Welt noch ruhig ist.

Wenn die Luft kühl ist.

Wenn der Tag erst langsam beginnt und der Weg für einen kurzen Moment beinahe nur einem selbst gehört.

Schritt für Schritt.

Kilometer für Kilometer.

Camino Norte und Camino Primitivo

Vor mir lagen Berge, lange Tage, überraschende Begegnungen – und wohl auch wieder mehr Kilometer, als ursprünglich geplant.

Doch davon mehr im nächsten Beitrag.

Mit Oviedo begann schließlich jener Teil des Weges, auf den ich mich beim Camino Norte und Camino Primitivo besonders gefreut hatte:

der Camino Primitivo.


Lighterpack Ausrüstungs-Liste: Camino Norte und Camino Primitivo


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Ich bin Jörg, wohne in der Nähe von Graz und blogge hier über meinen Weg zurück ins Leben, das ein Hirnabszess 2016 völlig auf den Kopf gestellt hat.
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