
Warum mehr Leistung nicht immer mehr Lebensqualität bedeutet und was ich nach dem HexaTrek darüber gelernt habe.
Nach 1.000 Kilometern auf dem HexaTrek durch die Pyrenäen bin ich wieder zu Hause. Eigentlich wollte ich mir Zeit nehmen, langsam in meinen Alltag zurückzufinden, meine Erlebnisse zu verarbeiten und mich auf das zu konzentrieren, was als Nächstes kommt.
Stattdessen liege ich mit einer Bandscheibenreizung zu Hause. Bewegung ist nur eingeschränkt möglich. Vieles, was für mich selbstverständlich geworden ist, funktioniert im Moment nicht wie gewohnt. Natürlich beschäftigt mich die Frage, wie es dazu gekommen ist. Aber nicht nur aus körperlicher Sicht.
Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit dem Zusammenhang zwischen Körper und Geist. Dabei habe ich gelernt, genauer hinzuschauen, wenn mein Körper auf Belastungen reagiert. Nicht jeder Schmerz hat eine tiefere Bedeutung. Aber manchmal gibt er mir Anlass, mein Verhalten und meine Entscheidungen zu hinterfragen. Genau das mache ich gerade.
Eigentlich hatte ich mir das Ende meiner Wanderung anders vorgestellt. Die letzten rund 80 Kilometer bis Hendaye wollte ich gemütlich angehen. Vielleicht noch einige Nächte im Zelt verbringen und mir anschließend in Hendaye oder Bayonne zwei oder drei Tage Zeit lassen. Zeit zum Ankommen. Zeit, um nach den anstrengenden Wochen in den Pyrenäen langsam herunterzukommen.
Schließlich war ich über viele Wochen täglich zehn bis zwölf Stunden unterwegs gewesen. Mein Körper hatte sich an diese Bewegung gewöhnt. Ich hatte meinen Rhythmus gefunden und gelernt, die täglichen Belastungen nach meinen Möglichkeiten einzuteilen.
Doch einige Tage vor dem Ziel begann ich, nach einer günstigen Heimreisemöglichkeit zu suchen. Fliegen hatte ich ausgeschlossen. Flughäfen, Menschenmengen, die vielen Reize und anschließend noch die Zugfahrt von Wien nach Hause bedeuten für mein Nervensystem eine enorme Belastung. Eine lange Busfahrt erschien mir leichter zu bewältigen.
Bei der Suche entdeckte ich eine günstige Verbindung für Freitag. An den folgenden Tagen wären die Preise deutlich höher gewesen. Mein Budget war nach den vielen Wochen unterwegs ohnehin ziemlich ausgeschöpft. Dann wurde angezeigt, dass nur noch ein einziger Platz verfügbar war. Ich spürte den Druck sofort. Eigentlich wusste ich, dass ich mir mehr Zeit lassen wollte. Trotzdem buchte ich die Fahrt.
Damit veränderte sich auch der Rest meiner Wanderung. Plötzlich musste ich die letzten rund 80 Kilometer auf zwei lange Etappen aufteilen. Ich hatte angenommen, dass der Weg Richtung Meer einfacher werden würde. Doch die Schwierigkeiten hielten bis zum Schluss an. Ich konnte diese Etappen bewältigen. Das war nicht das Problem. Aber aus dem geplanten langsamen Ausklang wurde wieder ein Zeitplan, den ich einzuhalten hatte. Und diesen Zeitplan hatte ich mir selbst auferlegt.

In Hendaye angekommen, hatte ich noch bis zum nächsten Abend Zeit. Mein Bus fuhr erst gegen halb acht von Bayonne ab. Ich konnte noch etwas essen, Kaffee trinken und mich ausruhen. Ich dachte, das würde reichen.
Danach folgte eine über 30-stündige Heimreise, 25 Stunden davon überwiegend im Sitzen, unterbrochen von kurzen Pausen und Buswechseln. Schon während der Fahrt bemerkte ich etwas Ungewöhnliches. Ich nutzte praktisch jede Gelegenheit, um aufzustehen und mich zu bewegen. Offenbar tat mir das lange Sitzen nicht gut.
Etwa eine Woche nach meiner Rückkehr wurden die Rückenbeschwerden so stark, dass ich mich untersuchen lassen musste. Bei der physiotherapeutischen Untersuchung wurde eine Bandscheibenreizung festgestellt. Ein Zusammenhang mit der langen Busfahrt nach den vielen Wochen täglicher Bewegung erschien plausibel. Ob ich mir diese Beschwerden durch eine andere Heimreise erspart hätte, weiß ich allerdings nicht.
Trotzdem beschäftigt mich seitdem eine Frage: Was wollte ich eigentlich sparen?
Natürlich muss ich auf mein Geld achten. Aber ich hatte mir ursprünglich bewusst Zeit für die Rückkehr nehmen wollen. Stattdessen ließ ich mich von einem günstigen Angebot unter Druck setzen. Ich wusste, was ich brauchte, und entschied mich dennoch dagegen.
Genau darin liegt für mich eine wichtige Erkenntnis: Es genügt nicht, seine Bedürfnisse zu kennen. Man muss auch bereit sein, entsprechend zu handeln. Es war eine Entscheidung aus dem Kopf, nicht aus dem Herzen.
Ich beschäftige mich schon lange mit dem Zusammenhang zwischen Körper und Geist. Unsere Gedanken, Stress, innere Anspannung und die Art, wie wir mit uns selbst umgehen, können unser körperliches Wohlbefinden beeinflussen.
Natürlich hat eine Bandscheibenreizung körperliche Ursachen und gehört entsprechend medizinisch abgeklärt und behandelt. Trotzdem kann ich meine jetzigen Beschwerden zum Anlass nehmen, über mein Verhalten nachzudenken.
Die Wirbelsäule trägt uns durch unser Leben. Und manchmal frage ich mich bei Rückenschmerzen auch, welche Last wir eigentlich mit uns herumtragen. In meinem Fall waren es möglicherweise nicht nur die körperlichen Anforderungen der Heimreise. Da waren auch die Sorge um das Geld, der Zeitdruck und die Entscheidung, gegen mein eigenes Bedürfnis nach Ruhe zu handeln.
Mein Rücken zwingt mich jetzt zu einer Pause, die ich mir unter Umständen hätte ersparen können. Und diese Pause möchte ich nutzen, um genauer hinzuschauen.
Schon vor meinem Hirnabszess im Jahr 2016 beschäftigte ich mich mit Bewusstseinstraining. Nach meiner Erkrankung bekam diese Beschäftigung eine völlig neue Bedeutung.
Ich war plötzlich ein Mensch, der auf Betreuung und Unterstützung angewiesen war. Viele körperliche Fähigkeiten waren verloren gegangen. Aber auch mein Denken, meine Wahrnehmung und meine Orientierung waren massiv beeinträchtigt. In den folgenden Jahren ging es deshalb nicht nur darum, körperlich wieder selbstständiger zu werden. Ich begann auch, ganz bewusst mit meinem Geist zu arbeiten.

Unter anderem verwende ich die KUBY-Methode, die mit inneren Bildern arbeitet. Dieser bildhafte Zugang kam mir besonders entgegen, da mein Denken nach dem Hirnabszess noch stark eingeschränkt war und ich deshalb eine Methode mit klarer Anleitung brauchte.
Während eines Reha-Aufenthalts machte ich damit eine besondere Erfahrung im Zusammenhang mit schweren Nervenschmerzen. Sie hat meine persönliche Überzeugung vom Zusammenspiel zwischen Körper und Geist nachhaltig geprägt. Vielleicht werde ich eines Tages ausführlicher darüber schreiben.
Für mich war geistiges Heilen jedenfalls ein wichtiger Bestandteil meines Weges zurück in ein selbstständiges Leben. Dabei ging es nie darum, durch Gedanken alles wiederherstellen zu können, was durch den Hirnabszess verloren gegangen war. Manche Schädigungen bleiben bestehen. Auch heute lebe ich mit Einschränkungen, die sich nicht einfach wegtrainieren oder wegdenken lassen.
Aber das bedeutet nicht, dass keine Entwicklung mehr möglich ist. Ich konnte Fähigkeiten zurückgewinnen, neue Möglichkeiten entdecken und lernen, mit meinen Einschränkungen anders umzugehen. Aus einem Menschen, der auf Betreuung angewiesen war, wurde über viele Jahre wieder ein Mensch, der sein Leben zunehmend selbst gestalten konnte. Und diese Entwicklung ist bis heute nicht abgeschlossen.
Auf meinen langen Wanderungen habe ich gelernt, mit vielen meiner Einschränkungen umzugehen. Jeder Schritt verlangt weiterhin Aufmerksamkeit. Die Automatik des Gehens, die für die meisten Menschen selbstverständlich ist, fehlt mir weitgehend. Trotzdem gelingt mir das Gehen unterwegs oft wesentlich leichter als zu Hause.
Auf dem HexaTrek gab es beispielsweise einen Tag, an dem ich für gerade einmal 14 Kilometer achteinhalb Stunden brauchte. Schwieriges Gelände, viele Höhenmeter, ständige Konzentration. Und trotzdem fühlte ich mich innerlich nicht überfordert. Ich konnte mein Tempo bestimmen, stehen bleiben, meine nächsten Schritte überlegen und auf Schwierigkeiten reagieren. Ich hatte Zeit.
Ganz anders kann es mir in der Grazer Innenstadt ergehen. Wenn ich über den Hauptplatz gehe und viele Menschen gleichzeitig um mich herum unterwegs sind, merke ich oft sehr schnell, wie sich meine Muskulatur anspannt. Mein Gehen wird unsicherer. Ich konzentriere mich zunehmend auf den Boden unmittelbar vor mir, weil ich meine Schritte kontrollieren muss. Gleichzeitig muss ich Menschen ausweichen, auf den Verkehr achten, Geräusche verarbeiten und Entscheidungen treffen. Das alles geschieht gleichzeitig.
Manchmal hilft es mir, stehen zu bleiben. Wenn es die Umgebung sicher zulässt, schließe ich kurz die Augen und warte. Ich spüre dann, wie die Anspannung nachlässt. Auch die leichte Berührung einer Hauswand mit den Fingerspitzen während des Gehens kann mir helfen, mich sicherer zu fühlen. Das beinhaltet unter anderem auch mein Leben nach dem Hirnabszess.
Es ist erstaunlich: Ein langer, körperlich schwieriger Aufstieg kann für mich leichter zu bewältigen sein als ein kurzer Weg durch eine belebte Innenstadt. Nicht, weil der Aufstieg weniger anstrengend wäre, sondern weil körperliche Anstrengung und neurologische Überforderung zwei unterschiedliche Dinge sind.

Diese Fähigkeit, auf Überforderung zu reagieren, hatte ich nicht immer. Ich erinnere mich an einen Aufenthalt in Paris vor einigen Jahren, nach einer Rückfahrt vom Camino. Damals versuchte ich, mich möglichst von Park zu Park zu bewegen, weil mich die Straßen und das Stadtleben so sehr forderten. Manchmal musste ich mich ganz zurückziehen.
Heute gelingt es mir oft besser, rechtzeitig zu erkennen, wann die Belastung zu groß wird. Wenn ich aus einer belebten Straße in einen Park komme, spüre ich häufig innerhalb kurzer Zeit, wie die Anspannung nachlässt. Diese Fähigkeit habe ich über viele Jahre entwickelt, auch durch meine langen Wanderungen.
Unterwegs kann ich auf schwierige Situationen reagieren, ohne gleichzeitig das Gefühl zu haben, anderen Menschen im Weg zu stehen oder mich ständig anpassen zu müssen. Ich habe gelernt, in meinem eigenen Rhythmus zu gehen und Pausen als einen wichtigen Bestandteil dieses Rhythmus zu betrachten.

In den vergangenen zehn Jahren habe ich unglaublich viel Zeit mit Bewegung verbracht. Nicht, weil ich immer größere Leistungen erbringen wollte, sondern weil ich gemerkt habe, wie gut mir das lange Gehen im Umgang mit meinen Einschränkungen tut.
Während mehrwöchiger Wanderungen verbessert sich meine Bewegungskoordination oft allmählich. Das Gehen fühlt sich leichter an. Auch meine rechte Hand und meine Finger lassen sich teilweise besser einsetzen. Meine Trekkingstöcke spielen dabei eine wichtige Rolle. Je nach Gelände verwende ich sie unterschiedlich und muss meine Arme und Hände immer wieder neu koordinieren. Diese Veränderungen entstehen nicht nach einem einzigen Spaziergang. Ich bemerke sie über Tage und Wochen.
Gleichzeitig habe ich auf dem HexaTrek festgestellt, dass mehr Belastung nicht automatisch zu weiteren Verbesserungen führt. Trotz tausender Höhenmeter und anspruchsvoller Etappen bleiben manche Bewegungen schwierig. Stufensteigen beispielsweise verlangt mir weiterhin sehr viel ab. Gefühltermaßen geht es natürlich leichter, als Anfangs in der Reha. Aber die Steigerung in den letzten zehn Jahren ist trotzdem mäßig.

Früher hätte ich vielleicht überlegt, wie ich noch trainieren könnte, eventuell intensiver. Heute stelle ich mir eine andere Frage: Muss ich überhaupt immer noch besser werden?
Vielleicht geht es inzwischen mehr darum, die Fähigkeiten, die ich mir erarbeitet habe, möglichst lange zu erhalten. Ein Niveau zu finden, auf dem ich mich wohlfühle und mit dem ich gut leben kann.
Nach langen Wanderungen bemerke ich immer wieder eine ähnliche Entwicklung. Unterwegs werde ich über Wochen körperlich und mental stabiler. Meine Bewegungen fühlen sich vertrauter an, vieles funktioniert leichter.
Doch nach einigen Wochen zu Hause lässt diese Bewegungsleichtigkeit langsam nach. Ich muss mich beim Gehen stärker konzentrieren. Auch Kraft und Ausdauer können zurückgehen. Nach zwei oder drei Monaten spüre ich häufig einen deutlichen Unterschied zu meinem Zustand am Ende einer langen Wanderung.
Natürlich könnte ich versuchen, einzelne Fähigkeiten zu Hause durch gezielte Übungen zu trainieren. Aber ich habe bereits so viel Physiotherapie hinter mir, dass ich irgendwann eine andere Form der Bewegung finden musste. Das lange Wandern ist für mich zu dieser Form geworden. Es ist nicht nur Training. Es ist Bewegung, verbunden mit Freude, Freiheit und einem einfachen Tagesablauf.
Deshalb überlege ich, künftig regelmäßig für zwei bis vier Wochen unterwegs zu sein, vielleicht ungefähr alle drei Monate. Nicht, um jedes Mal noch mehr Kilometer zu schaffen, sondern um meine Fähigkeiten zu pflegen und meine körperliche und mentale Stabilität möglichst gut zu erhalten. Gleichzeitig möchte ich herausfinden, wie ich die Zeit dazwischen besser gestalten kann.

Bei all diesen Überlegungen darf ich eines nicht vergessen. Ich möchte nicht nur unterwegs ein gutes Leben führen können.
Zu Hause gibt es Menschen, die mir wichtig sind. Meine Mutter ist mittlerweile 82 Jahre alt. Ich möchte Zeit mit ihr verbringen und sie unterstützen. Es gibt Interessen, denen ich nachgehen möchte. Mein Buch, das Schreiben, das Malen und viele andere Dinge.
Ich möchte mein Leben nicht darauf reduzieren, das Notwendigste zu erledigen und auf die nächste Wanderung zu warten. Deshalb liegt eine meiner nächsten Aufgaben vielleicht gar nicht auf einem Wanderweg, sondern hier zu Hause.

Wie kann ich meinen Alltag so gestalten, dass ich weniger häufig in Überforderung gerate? Wie kann ich regelmäßig in Bewegung bleiben, ohne daraus wieder ein aufwendiges Rehabilitationsprogramm zu machen? Und wie kann ich mir auch zu Hause jene Zeit geben, die ich unterwegs längst als so wertvoll erkannt habe?
Ich weiß noch nicht, wie gut mir das gelingen wird. Aber ich habe jetzt einige Monate Zeit, genauer hinzuschauen, auszuprobieren und zu lernen. Zunächst muss sich mein Rücken erholen.
Für Februar plane ich wieder den Camino Francés. Diesmal werde ich gemeinsam mit einem Freund unterwegs sein, der selbst eine schwierige Zeit hinter sich hat. Wir werden voraussichtlich deutlich kürzere Tagesetappen gehen, als ich es gewohnt bin. Für mich wird das eine neue Erfahrung.
Ich muss weiterhin auf meinen eigenen Bewegungsrhythmus achten. Wenn ich künstlich zu langsam gehe, fällt mir das Gehen oft schwerer, weil ich die für mich hilfreiche Körperspannung und Koordination verliere. Aber kürzere Etappen bedeuten nicht unbedingt, langsamer gehen zu müssen.
Vielleicht werde ich einfach früher ankommen. Und genau diese Zeit möchte ich anders nutzen. Ich möchte meine bemalbaren Postkarten gestalten, unterwegs schreiben oder mich einfach irgendwo hinsetzen und die Umgebung beobachten.
Vielleicht werde ich zunächst das Gefühl haben, eigentlich noch weitergehen zu wollen. Aber ich möchte herausfinden, ob ich mich auf diese andere Art des Unterwegsseins einlassen kann. Wie reagiert mein Körper darauf? Wie fühle ich mich am Abend und am nächsten Morgen?
Vielleicht entdecke ich, dass ich nicht jeden Tag bis an meine körperlichen Möglichkeiten gehen muss, um mich wohlzufühlen. Vielleicht merke ich aber auch, dass ich eine bestimmte Menge Bewegung brauche. Beides wäre eine wertvolle Erfahrung, denn bisher hat Bewegung dominiert.

Eine Erkenntnis aus meiner jetzigen Situation möchte ich auf jeden Fall mitnehmen: Eine lange Wanderung endet nicht einfach mit dem letzten Kilometer. Auch die Heimreise, die Erholung und das Wiederankommen im Alltag gehören dazu. Eigentlich habe ich es eh schon gewußt, aber trotzdem den Kopf entscheiden lassen.
Nach dem HexaTrek hääte ich tatsächlich noch einige Tage in Frankreich bleiben sollen. Vielleicht wäre es besser gewesen, die lange Busfahrt zu unterbrechen und mir zwischendurch Ruhe zu gönnen. Das hätte mehr Geld gekostet und mehr Zeit gebraucht. Genau diese Zeit wollte ich mir ursprünglich nehmen, dann aber nicht gemacht.
Für meine nächsten Wanderungen möchte ich deshalb nicht nur den Weg selbst planen, sondern auch die Rückkehr bewusster gestalten. Nicht jede günstige Gelegenheit muss genutzt werden. Und nicht jede Entscheidung, die wirtschaftlich vernünftig erscheint, ist automatisch auch die richtige für mich.

In meinem letzten Blogartikel schrieb ich darüber, was Rehabilitation zehn Jahre nach meinem Hirnabszess heute für mich bedeutet. Nicht mehr unbedingt zurück in mein altes Leben zu wollen, sondern mit meinen heutigen Möglichkeiten zu leben. Fähigkeiten zu erhalten, weiterhin dazuzulernen und vielleicht noch die eine oder andere Möglichkeit dazuzugewinnen.
Jetzt merke ich, wie viele Bereiche meines Lebens das betrifft. Es geht nicht nur um das Gehen. Es geht darum, wie ich Entscheidungen treffe, mit Belastungen umgehe und meine eigenen Bedürfnisse ernst nehme.
Geistiges Heilen bedeutet für mich nicht, irgendwann alles verstanden zu haben oder immer die richtigen Entscheidungen zu treffen. Es bedeutet, weiter hinzuschauen, eigene Denkweisen und Verhaltensmuster zu hinterfragen und daraus zu lernen.
Ich werde weiterhin wandern. Die langen Wege bedeuten mir viel, und ich weiß, wie gut sie mir körperlich und mental tun. Aber ich muss nicht immer weiter gehen, immer schwierigere Wege suchen oder immer neue Leistungen erreichen. Vielleicht geht es jetzt vielmehr darum, das Erreichte zu bewahren und mein Leben damit zu gestalten.
Denn die Wanderungen sind nicht das Ziel meiner Rehabilitation. Sie sind ein Weg, um mir wieder mehr Leben zu ermöglichen – auch abseits der Wanderwege.
Ich muss nicht immer unterwegs sein, um weiterzukommen.
Und vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Aufgaben, die jetzt vor mir liegen.
