Das Gehen wurde für mich zur Leidenschaft. Ich kann die Rehabilitation und das Leben lernen nirgends sonst so gut kombinieren wie hier am Camino. Therapie und Leben in einem.

Der Camino del Norte ist sehr anspruchsvoll. Das ewige Auf und Ab fordert mich doch mehr als angenommen. Aber ich lasse mir Zeit und genieße jeden Meter.

Therapie am Camino Norte

Mein Tagesablauf

Es ist hier anders wie am Camino France. Ich stehe schon sehr früh auf, was bei den meisten Mit-Pilgern nicht der Fall ist. Am liebsten bin ich ab halb Sieben auf dem Weg.

Ich bin dann alleine und genieße den Morgenaufgang. Die Vögel singen und das schönste Lichterspiel beginnt.Allerdings sind die Abstände zur nächsten Bar oft weit. Erst spät am Vormittag komme ich so zu meinem Frühstückskaffee.

Am Frances war ich gewohnt, im nächsten Dorf etwas zu bekommen. Hier bin ich gefordert, viele Kilometer vorher zu gehen, ehe ich eine offene Bar finde.

Schäghang
Schräghang Querungen am Weg

Der Vorrat 

Ein kleines Stück Salami, Brot, eventuell Oliven und Schokolade lassen mich über den Tag kommen. Damit ist oft auch mein Abendessen abgedeckt. Ich benötige überraschend wenig zum Essen.

Überhaupt reicht mir das Essen aus, das ich über den Tag zu mir nehme. Es gibt einmal täglich Kaffee mit Tortillas und immer wieder dazwischen kleinere Snacks. Das aufwendige Pilgermenü erspare ich mir meistens.

Therapie oder Leben

Ich soll ja wieder Leben lernen. Bisher bestand es aus Therapie. Was nicht einfach zu unterscheiden ist, wenn du bei allem was du tust, dich behindert fühlst.

Ich musste zu lange in allem von vorne anfangen. Jede kleinste Tätigkeit musste erst erlernt und dann verbessert werden. Und das hört noch lange nicht auf. Deshalb ist es wichtig, auch wieder leben zu lernen.

Meine Defizite sind sehr vielfältig. Von der Bewegung bis zum Denken ist alles dabei.Leben oder Therapie, es ist eigentlich nur ein kleiner Gedanke, der den Unterschied ausmacht. Es ist oft nicht leicht dabei umzuschalten, um ins Leben zu kommen.

Zu sehr sind die Gedanken noch bei der Bewegung. Darin möchte ich mich noch verbessern, darum ist es auch so schwer ins Leben zu kommen.

Auf und Ab

Der Weg ist weit anspruchsvoller als am Camino Frances. Die steilen Anstiege machen ihn so viel schwerer, zumindest für mich.

Das Gehen bekommt hier eine neue Dimension. Ich tue mich bergauf besonders schwer. Dazu kommt das Austarieren des Köpers. Komme ich nach einer langen Bergphase ins Flache, gehe ich fast torkelnd, weil ich die Ebene nicht gewöhnt bin.

So kommen viele Reize hinzu, an die ich mich langsam gewöhne. Das Ausrichten soll ja schneller und vor allem automatischer gehen. Im Moment kann alles nur bewusst geschehen. Das macht es anstrengend, mich immer wieder neu auszurichten.

Therapie am Weg, Berggehen

Das Meer und die Berge

So viel ich hier übe und trainiere, so sehr bin ich auch fasziniert von der Landschaft und den Menschen. Das Meer und die Berge so nahe zu sehen tut gut. Gerade die Natur brauche ich besonders, darum genieße ich jeden Meter des Weges.

Es führt oft nahe dem Meer entlang, wo man sich auf einer Alm wähnt. Trotzdem sind nur unweit entfernt, die bis zu 2000 Meter hohem Berge. Einige davon mit Schnee bedeckt.

Meer

So kämpft man sich eine Steigung am Limit hoch, aber die traumhafte Umgebung entschädigt für die Anstrengung.

Also Therapie und Leben in einem.